17. Mai 2026 bis 28. Februar 2027
Tanzmuseum des Deutschen Tanzarchivs Köln


Eine Ausstellung für Raimund Hoghe im Tanzmuseum des Deutschen Tanzarchivs Köln

Was bleibt | „Es ist doch viel schöner, beizeiten seine Dinge – Zeugnisse seines Lebens und Wirkens – abzugeben.“ Mit dieser Umschreibung hat der Tänzer und Choreograph Raimund Hoghe in einem Interview aus Anlass der Verleihung des Deutschen Tanzpreises im Jahr 2020 seine Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tanzarchiv Köln beschrieben. Dieser Zusammenarbeit war nur eine kurze Zeitspanne vergönnt. Raimund Hoghe starb am 14. Mai 2021 – aus einem Vorlass wurde ein Nachlass.

Ein Leben. Nicht nur für den Tanz | Raimund Hoghe, geboren am 12. Mai 1949 in Wuppertal, wirkte zunächst als freier Journalist und Autor, bevor er von 1980–1989 als Dramaturg des Tanztheaters Wuppertal mit der Choreographin Pina Bausch zusammenarbeitete. Von 1989 an entwickelte er eigene Theaterarbeiten. Ab 1992 arbeitete er mit der Künstlerin und Fotografin Rosa Frank zusammen, die über 30 Jahre seine Arbeiten mit der Kamera begleitet hat. Ihre Fotografien bilden den Schwerpunkt dieser Ausstellung. Zeitgleich beginnt seine Zusammenarbeit mit dem bildenden Künstler Luca Giacomo Schulte. Neben seinen Arbeiten für die Bühne realisierte Raimund Hoghe filmische Essays und Porträts für das Fernsehen. Für sein journalistisches und künstlerisches Wirken wurde er vielfach ausgezeichnet – u. a. mit dem Theodor‑Wolff‑Preis, dem Deutschen Produzentenpreis für Choreografie sowie dem Deutschen Tanzpreis.

Als Kind entwickelte sich bei Raimund Hoghe eine Rückgratverkrümmung, die sich im Lauf der Jahre verstärkte und zu einem Buckel führte. Durch seine sichtbare Behinderung stellte er Tanztraditionen in Frage, die auf „schöne“, normierte Körper setzen, und etablierte einen anderen Blick auf Körperlichkeit im Tanz. Marginalisierte, „andere“ Körper wurden zu einem zentralen Motiv seiner Choreografien – nicht als Ausnahme, sondern als normale, gleichberechtigte Stimmen im Tanz. 

„Meine Behinderung gehört zu mir, sie ist aber nicht das Thema, das mich als Künstler beschäftigt. … Für mich sind Körper wie Landschaften, und so, wie es verschiedene Landschaften gibt, gibt es auch verschiedene Körper – und alle haben ihre Berechtigung. Die Verschiedenartigkeit ist wichtig – auf der Bühne und im Leben.“ | Raimund Hoghe

Eingeschrieben | Über das choreographische Wirken Raimund Hoghes hinaus widmet sich die Ausstellung grundlegenden Fragen der Archivierung von Tanz: Wie schreibt sich choreographisch-tänzerisches Schaffen ein – in Erinnerungen, in Dokumente und Materialien, in Räume? Und natürlich auch in ein Archiv. Wie kann es gelingen, dieses „Einschreiben“ sichtbar zu machen?

Dabei spielt die Fotografie eine wichtige Rolle. Die Künstlerin und Fotografin Rosa Frank, die Hoghes Werk von 1992 bis zu seinem Tod 2021 fotografisch begleitete, hat die Ausstellung gemeinsam mit Thomas Thorausch erarbeitet. Ihre Fotografien bilden einen Schwerpunkt der Ausstellung und stellen die Frage, die durch die gesamte Schau führt: Auf welche Weise ist Fotografie in der Lage, choreographisches Schaffen zu bewahren, ohne ihren eigenen künstlerischen Anspruch dabei aufzugeben? Welche Rolle spielt das Dokumentarische – und wo beginnt das eigenständige Bild?

„Die kreativen Begegnungen mit der Welt von Raimunds Tanztheater bedeuteten für mich eine ästhetische Annahme, einen kontinuierlichen Resonanzraum für meine ureigene künstlerische Wahrnehmung. Ein großes gegenseitiges Verständnis künstlerischer Fragestellungen und Arbeitsweisen zu der Beziehung von innerer und äußerer Welt war von Anfang an da. Zum Körper im Raum, zu Schönheit, Musik, Sehnsucht, Liebe, Verlust und Vergänglichkeit.“ | Rosa Frank

Die Ausstellung übersetzt den Titel in eine Architektur des Raumes mit montageartig angeordneten, minimalistischen Elementen: Mediale Installationen und Filme treffen auf Fotografien, Texte von und über Raimund Hoghe sowie Notationen und Objekte aus seinen Choreografien auf den schwarzen Tanzboden, der die Stücke Raimund Hoghes prägt – aus der Überzeugung heraus, um den japanischen Autor Tanizaki Jun’ichirō zu zitieren, dass die Schönheit nicht in den Objekten selbst zu suchen sei, sondern im Helldunkel, im Schattenspiel, das sich zwischen Objekten entfaltet.

Die Ausstellung wird von einem Rahmenprogramm begleitet, das die künstlerische, filmische, fotografische und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Werk von Raimund Hoghe in den Mittelpunkt stellt. Weggefährtinnen und Weggefährten, künstlerische Mitarbeitende und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommen dabei ebenso zu Wort wie Rosa Frank, die am 21. Juni um 15 Uhr in einem öffentlichen Gespräch über ihre jahrzehntelange Arbeit mit Hoghe und die Entstehung der Ausstellung spricht.

Das vollständige Rahmenprogramm unter: www.deutsches-tanzarchiv.de/museum/programm

Bildnachweis: „Swan Lake, 4 Acts“ | Raimund Hoghe | 2005 © Rosa Frank


Tanzmuseum des Deutschen Tanzarchivs Köln
Im Mediapark 7 (3.OG)
50670 Köln
Tel.: (0221) 888 95 -400 oder -444 (Ausstellungskasse)
E-Mail: tanzarchiv@sk-kultur.de
www.deutsches-tanzarchiv.de

(Visited 5 times, 5 visits today)