29. Mai – 4. Oktober 2026
Kunstsammlungen am Theaterplatz


Die Kunstsammlung von Lola und David Leder gibt es nicht mehr. Die Ausstellung in den Kunstsammlungen am Theaterplatz, Kunstsammlungen Chemnitz begibt sich auf Spurensuche und zeigt historische Schenkungen, die Lola und David Leder einst an die Städtische Kunstsammlung Chemnitz übergaben. In der Ausstellung werden Werke von Künstler:innen wie Lovis Corinth, Karl Hofer, Max Liebermann, Oskar Kokoschka, Gustav Schaffer, Otto Theodor Wolfgang Stein, Rahel Szalit-Marcus, und weiteren gezeigt.

Lola und David Leder begannen am Ende der 1910er-Jahre Kunst zu sammeln. Die gemeinsame Leidenschaft für die Kunst spiegelte sich in einer persönlichen Sammlung wider, die durch Ankäufe und Verkäufe stetig erweitert und verändert wurde. Sie pflegen intensive Kontakte zur Kunst- und Kulturszene. Befreundet waren sie unter anderem mit dem Maler und Zeichner Otto Theodor Wolfgang Stein, der sie beim Aufbau ihrer Kunstsammlung beriet, sowie mit dem Chemnitzer Sammlerpaar Senta und Erich Goeritz.

Im Zentrum der Ausstellung steht das 1920 in Chemnitz entstandene Bildnis David Leders von Gustav Schaffer. Beleuchtet werden die Geschichte des Werkes, das Schaffen des Künstlers, sowie die Nachinventarisierung des Gemäldes in den Kunstsammlungen Chemnitz während der DDR-Zeit. In Zusammenarbeit mit den Nachfahr:innen der Familie Leder geht die Ausstellung außerdem der Provenienz des Werkes nach und stellt die Frage: Wem gehört das Gemälde?

David Leder (1888–1947), geboren im rumänischen Iași, siedelte mit der Familie 1889 nach Chemnitz über. Als angesehener Kaufmann der Textilindustrie war er zunächst in Chemnitz, später in Berlin tätig. 1914 heiratete er Lea Laura, genannt Lola, geb. Bernstein (1892–1977). Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann ab 1933 die systematische Ausgrenzung, Verfolgung und Entrechtung des jüdischen Paares. Im Juli 1939 konnten Lola und David Leder nach London emigrieren. Zuvor packten sie in Berlin zwei Lifts (Überseecontainer oder Liftvans) mit den kostbaren Möbeln, einem großen Teil der Bibliothek, Kleidung und Kunst. Die beiden Lifts blieben im Lager einer Berliner Spedition stehen und der Inhalt wurde 1944 versteigert bzw. verkauft.

Der Maler und Zeichner Otto Theodor Wolfgang Stein (1877–1958) lebte ab 1924 in Chemnitz. Schnell knüpfte er in der Stadt enge Verbindungen und baute einen großen Freundeskreis auf. Seine Werke wurden mehrfach In der Galerie Gerstenberger und in der Städtischen Kunstsammlung in Chemnitz gezeigt. Besonders hervorzuheben ist die Dialogausstellung mit Werken von Lyonel Feininger im Jahr 1926. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 floh Stein nach Prag. 1947 lud ihn der Direktor der Chemnitzer Kunstsammlung, Friedrich Schreiber-Weigand anlässlich seines 70. Geburtstages zu einer Ausstellung seiner Werke ein. Das Vorhaben fand jedoch keine Unterstützer:innen und wurde nicht realisiert. Damit blieb auch die Wiederentdeckung seines Werkes nach dem Zweiten Weltkrieg aus. Steins Arbeiten gerieten zunehmend in Vergessenheit und stehen damit exemplarisch für zahlreiche jüdische Künstler:innen, deren Beitrag zur europäischen Moderne lange nicht ausreichend gewürdigt wurde. Die Ausstellung widmet diesem Kapitel der Kunstgeschichte deshalb einen besonderen Schwerpunkt.

Zitate

Dr. Florence Thurmes, Generaldirektorin Kunstsammlungen Chemnitz: »Angeregt durch die Erbin von Lola und David Leder, der wir sehr herzlich für die Zusammenarbeit danken, stellen wir die Frage, wem gehört das Bildnis David Leders von Gustav Schaffer und auf welcher Grundlage wurde es Anfang der 1960er nachinventarisiert. Mit der Ausstellung wollen wir dazu beitragen, die Geschichten von Verlust, Verfolgung und Erinnerung sichtbar zu machen, welche hinter vielen Kunstwerken stehen.«

Dagmar Ruscheinsky, für Soziales, Jugend, Gesundheit, Kultur und Sport der Stadt Chemnitz:» Sichtbar machen, Sammlungen erforschen, Netzwerke mit anderen Einrichtungen stärken und aufbauen, Wissen weitergeben und das jüdische Leben als selbstverständlichen Teil unserer Gesellschaft begreifen – das ist das Anliegen der Ausstellung, die durch das diesjährige Themenjahr Tacheles – jüdische Kultur in Sachsen wunderbar gerahmt wird. Die Präsentation rund um die Kunstsammlung von Lola und David Leder zeigt wie das Mäzenatentum zu seiner Zeit die Kunst und Kultur in Chemnitz reich machte.«

Dr. Bettina Leder: »Mich interessiert nicht allein die Rekonstruktion einer verlorenen Sammlung. Mich interessiert auch, welche Geschichten sich mit den Bildern verbinden und was sie über das Leben jüdischer Familien in Deutschland erzählen können. Deshalb setze ich mich seit vielen Jahren intensiv mit der Geschichte meiner Großeltern Lola und David Leder und ihrer Sammlung auseinander.«

Diana Kopka, Kuration der Ausstellung: »Die Chemnitzer:innen Lola und David Leder liebten alles Schöne und förderten Kunst, Kultur und Musik. Die Ausstellung würdigt das Leben und Werk der beiden Kunstsammler:innen, die so bescheiden und doch immer wohlwollend die Städtische Kunstsammlung unterstützt haben. Sie macht Spuren jüdischen Lebens sichtbar und befragt die Kunstwerke im Kontext ihrer Herkunft.«

Veranstaltungen zur Ausstellung

Eröffnung
Donnerstag, 28. Mai 2026, 18:15 Uhr

Lesung
Dienstag, 16. Juli 2026, 18:30 Uhr
Stephan Hermlin und Stefan Heym – 2 große Chemnitzer aus jüdischen Unternehmerfamilien
Kommentierte Lesung mit Dr. Ulrike Uhlig, Ehrenvorsitzende der Internationalen Stefan-Heym-Gesellschaft

Kuratorinnenführungen
Sonntag, 21. Juni 2026, 14:30 Uhr
Samstag, 29. August 2026, 16 Uhr

Öffnungszeiten
Bis 31. Mai 2026: Mi – So, Feiertag 11 – 18 Uhr
Ab 1. Juni 2026: Di – So, Feiertag 11 – 18 Uhr

Bildnachweis: Rahel Szalit (1894–1942), Selbstbildnis, 1925, Pastell auf Papier, Kunstsammlungen Chemnitz, Foto: Kunstsammlungen Chemnitz


Kunstsammlungen Chemnitz

Kunstsammlungen am Theaterplatz
Museum Gunzenhauser
Schloßbergmuseum

Burg Rabenstein
Henry van de Velde Museum

Karl Schmidt-Rottluff Haus

Kunstsammlungen Chemnitz
Theaterplatz 1
09111 Chemnitz
T +49 (0)371 488 4474
M +49 (0)151 10040555

www.kunstsammlungen-chemnitz.de

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