26. September 2026 bis 17. Januar 2027
Museum im Kulturspeicher (MiK)


Carl Grossberg (1894–1940) gehört zu den bekanntesten Vertretern der Neuen Sachlichkeit. In den großen Überblicksausstellungen zur Malerei der Weimarer Republik und der Neuen Sachlichkeit der letzten Jahrzehnte waren seine klar konstruierten, menschenleeren Stadt- und Dorfansichten ebenso wie seine Gemälde von Maschinen und Industrieanlagen präsent. In einer umfassenden Einzelausstellung jedoch wurde sein Werk zuletzt 1995, vor mehr als 30 Jahren, präsentiert.

In Würzburg fand die letzte Grossberg-Ausstellung sogar 1979 statt. Dies ist umso erstaunlicher, als der Maler nach seinem Studium am Bauhaus fast sein gesamtes künstlerisches Leben von 1921 bis zu seinem frühen Tod 1940 im unterfränkischen Sommerhausen verbrachte. Hier entstand der größte Teil seiner Gemälde, und viele seiner Ortsansichten zeigen fränkische Dörfer und Städte – von Sommerhausen, Erlach und Frickenhausen über Eibelstadt, Kitzingen und Marktbreit bis nach Dinkelsbühl und natürlich Würzburg.

So ziert auch ein Würzburger Motiv – ein Ausschnitt aus „Brückenkopf an der Alten Mainbrücke in Würzburg“ von 1928 – das Plakatmotiv zur Ausstellung:

Mit diesen neusachlichen Bildern von Stadt und Dorf machte Grossberg sich in den 1920er-Jahren einen Namen. Zugleich avancierte er zum wichtigsten Maler von Industrie und Technik in seiner Zeit, beginnend mit Zeichnungen, die er 1924 bei dem Würzburger Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer anfertigte. Dabei idealisierte er die faszinierende Welt der Technik nicht, sondern stellte auch die Frage nach der Beherrschbarkeit der modernen Maschinenwelt durch den Menschen.

Dies wird insbesondere in seinen „Traumbildern“ sichtbar, in denen er Technik und Natur in surrealen Visionen zusammenbringt. Seine Kunst beschwört die Magie der Dinge und macht die Komplexität der modernen Welt und ihre inneren Widersprüche sichtbar. So zeigt sich in Grossbergs Werk ein Bekenntnis zum modernen Leben, zugleich aber auch eine tiefe Verunsicherung als Folge der technologischen und politischen Entwicklungen der 1920er- und 1930er-Jahre. Angesichts der auch heute wieder unter Druck stehenden Demokratie und der technischen Umwälzungen durch Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt Grossbergs Kunst gerade jetzt eine neue Aktualität. Mit sachlicher Präzision, magischer Atmosphäre und visionären Zukunftsentwürfen eröffnet sie eine überraschend aktuelle Perspektive auf unsere Gegenwart.

Die Retrospektive mit rund 50 Gemälden und etwa 100 Arbeiten auf Papier ist eine Kooperation mit dem Von der Heydt-Museum Wuppertal. 

Mehrere Begleitangebote ermöglichen es, die Ausstellung individuell zu vertiefen und weiter in Grossbergs Bildwelt einzutauchen:

SAALHEFT / AUSSTELLUNGSTEXTE

Ein kostenloses Saalheft begleitet durch die neun Themenbereiche der Ausstellung: „Frühwerk“, „Das gebaute Bild“, „Stadt und Dorf“, „Aquarellmalerei“, „Berlin“, „Maschinen“, „Westermanns Monatshefte“, „Industrielandschaft“ und „Traumbilder“. Die handliche Broschüre im DIN-A5-Format enthält Erläuterungen und Hintergründe zu Grossbergs Werk. Sie liegt im Eingangsbereich und in den Ausstellungsräumen aus und kann mitgenommen werden. Identische Überschriften im Heft und an den Wänden erleichtern die Orientierung.

KATALOG

Zur Ausstellung ist im Hirmer Verlag ein umfangreicher Katalog erschienen. Auf 168 Seiten versammelt er mehr als 80 Abbildungen und Illustrationen sowie Beiträge von Henrike Holsing, Marcus Andrew Hurttig, Roland Mönig, Olaf Peters, Anna Storm und Adrian Sudhalter. Die Publikation ist zum Museumsvorzugspreis von 35 € statt regulär 45 € während der Öffenungszeiten im MiK-Shop sowie online (► zum Bestellformular) erhältlich. Bei einer Onlinebestellung fallen zusätzlich Versandkosten an.

MUSEUMS-APP

Multimediale Entdeckungsreise durch die Ausstellung: Die Tour in der MiK-App führt auf dem eigenen Smartphone zu ausgewählten Werken der Ausstellung. Die App ist kostenlos im Apple App Store und bei Google Play erhältlich. Das Smartphone-Symbol auf den Schildern bei den Werken kennzeichnet die Stationen der Tour. Mit freundlicher Unterstützung des Studio Mainfranken des Bayerischen Rundfunk.

PLAYLIST

Ein eigens für die Ausstellung kuratierter musikalischer Parcours in zwei Versionen verbindet Kompositionen aus Carl Grossbergs Lebenszeit mit späteren und zeitgenössischen Positionen. Die Auswahl greift zentrale Themen seines Werks auf: Bauhaus und Neue Sachlichkeit, Stadt- und Dorfansichten, menschenleere Architekturen, Maschinenwelten und veränderte Arbeitsbedingungen. Auch Traumbilder, die politische Verunsicherung und visionäre Zukunftsfragen sind eingeflossen.

„Carl Grossberg. Soundtrack“ entfaltet diesen musikalischen Bogen in 30 Titeln mit einer Laufzeit von knapp 120 Minuten. Die Langfassung eignet sich zur Einstimmung vor dem Ausstellungsbesuch ebenso wie zum vertieften Weiterhören.

„Soundtrack“ auf Spotify.

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„Carl Grossberg. Rundgang“ verdichtet die Auswahl auf 22 Titel und rund 90 Minuten. Sie ist als musikalische Begleitung für den individuellen Ausstellungsbesuch konzipiert und führt konzentriert durch die Themen und Stimmungen der Ausstellung.

„Rundgang“ auf Spotify.

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Für das Hören im Museum werden ein eigenes Smartphone und Kopfhörer benötigt.

LESEECKE

Eine Auswahl kostenloser Magazine, Schriften, Broschüren und Informationsmaterialien vertieft die Themen der Ausstellung und stellt Bezüge zur Gegenwart her. Das Spektrum reicht von Demokratie, Arbeitswelt und Zukunft über Kultur und Bauhaus bis zum Nationalsozialismus. Die Materialien können vor Ort gelesen oder mitgenommen werden. 

Bildnachweis: Plakatmotiv zur Ausstellung: Ausschnitt aus Carl Grossberg, „Brückenkopf an der Alten Mainbrücke“, 1928, © Museum im Kulturspeicher (MiK) Würzburg, Foto: Andreas Bestle, Gestaltung: Felix Holler


Museum im Kulturspeicher (MiK) Würzburg
Oskar-Laredo-Platz 1
97080 Würzburg
Tel: +49 931 3 22 25-0

Besuchenden-Information während der Öffnungszeiten
Tel: +49 931 3 22 25-14

https://www.kulturspeicher.demuseum.kulturspeicher@stadt.wuerzburg.de
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