16. Oktober 2026 – 17. Januar 2027
Haus am Waldsee


Eröffnung: Do, 15.10.2026, 19 Uhr

Im Herbst 2026 präsentiert das Haus am Waldsee die erste umfassende institutionelle Einzelausstellung des Künstlers Peter Wächtler in Berlin. Wächtler (*1979 in Hannover, lebt und arbeitet in Schleswig-Holstein) entwickelt seine Arbeiten jenseits fester Werkbegriffe oder Einordnungen: Er schreibt, filmt, zeichnet, malt und baut Skulpturen und Filmsets, um vertraute Genres und Erzählweisen in ein Wechselspiel aus Nostalgie, Tragik und Komik zu überführen. In zwei Jahrzehnten hat Wächtler eine eigene Formensprache entwickelt, die die vermeintliche Behaglichkeit des Vergangenen nutzt, um gegenwärtige Widersprüche zwischen Selbstbestimmung und Selbstaufgabe miteinander zu verschränken.

Wächtlers Arbeiten nutzen überlieferte visuelle Kürzel – etwa Figurinen, Tierskulpturen, Briefbeschwerer oder Industriedesign –, die für historische Geschehnisse und Epochen einstehen, durch ihre Wiederholung jedoch wie Karikaturen an Schärfe einbüßen. Aus ihren Kontexten gelöst geistern sie wie Fabelwesen durch Wächtlers Welten und bündeln diffuse Ängste und Emotionen. So entstehen bei Wächtler immer wieder Bilder, die an Traditionen rühren, ihre Brüchigkeit freilegen und so ihre Relevanz für die Gegenwart auf die Probe stellen.

Für die Ausstellung Ständig bespielt der Künstler die Räume des Haus am Waldsee mit bestehenden und neuen Arbeiten, allen voran einem gleichnamigen neuen Film. In vier Kapitel gegliedert, entlang der Konjunktionen „und“, „oder“, „aber“ und „denn“, verbindet der Film traditionelle Animationsprinzipien, Greenscreen-Technik und einen komplexen Set-Bau, der anknüpfend an Techniken des frühen Films mit extremen Winkeln und verzerrten Perspektiven arbeitet. Basierend auf einem Gedicht des Künstlers werden schablonenhafte Choreografien alltäglicher Handlungen in Szene gesetzt. 

Die Verbindung des neuen Films mit den Werken der letzten Jahre birgt eine fragile Balance, die auszuloten versucht, wo Überliefertes und Gegenwärtiges aufeinanderprallen. Wächtlers Praxis findet in der historisch aufgeladenen Architektur des Gebäudes eine besondere Zuspitzung. In einer Gegenwart, die lautstark die „Rückkehr zu alten Werten“ fordert, eröffnet Wächtlers Arbeit die Möglichkeit, diese kritisch zu hinterfragen.

Kuratiert von 
Anna Gritz 

Gefördert durch
Hauptstadtkulturfonds; Haus am Waldsee – Freunde und Förderer e.V.

Bildnachweis: Portrait des Künstlers in Eutin (Juli 2026), Foto: Irina Jasnowski Pascual


Haus am Waldsee e. V.
Argentinische Allee 30
14163 Berlin
Tel. 030 / 801 89 35
Fax 030 / 802 20 28
info@hausamwaldsee.de
hausamwaldsee.de

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