30. Oktober – 19. Dezember 2026
Rehbein Galerie


REHBEIN Galerie freut sich, eine Gruppenausstellung mit Heinz Breloh, Andreas Gefeller, Gerd Bonfert und Peter Tollens anzukündigen.

Im Zusammenspiel dieser vier künstlerischen Positionen rückt das Thema Raum in den Mittelpunkt. Die unterschiedlichen künstlerischen Perspektiven eröffnen einen vielschichtigen Dialog über Raum als ästhetische und konzeptuelle Kategorie. Dabei wird Raum nicht als statische Gegebenheit verstanden, sondern als relationale Struktur: als Setzung, als Bewegung, als Abdruck, Konstruktion und Differenz.

Ausgehend von einem erweiterten Raumbegriff, der sich zwischen phänomenologischer Erfahrung und materieller Einschreibung bewegt, zeigt die Ausstellung eine Folge von Situationen, in denen Raum weniger dargestellt als hervorgebracht wird. Wahrnehmung erscheint hier nicht als passiver Vorgang, sondern als aktive, stets verschobene Relation zwischen Innen und Außen, Nähe und Distanz, Fläche und Tiefe.
Das Ausstellungskonzept begreift Raum nicht als Hintergrund der Werke, sondern als deren eigentliche Bedingung. Als etwas, das sich zwischen den Arbeiten entfaltet und sowohl die Betrachtenden selbst, den inneren Raum der Werke, als auch den sie umgebenden in diese Konstellation einschreibt. Zwischen Video, Skulptur, Fotografie und Malerei wird in der Gegenüberstellung der Positionen deutlich, dass Raum kein medialer Faktor ist, sondern eine Instanz, die umgreifend ist, und der individuelle Faktoren zugrunde liegen können. Die Ausstellung versteht sich als Kooperation unterschiedlicher Medien, deren Inhalte, in Bezug auf den Umgang mit Raum, ähnliche Ansätze haben.

Die Arbeiten von Heinz Breloh bilden einen zentralen Bezugspunkt innerhalb der Konstellation zwischen Körper, Material und Raum. Seine frühen fotografischen Rundblicke und filmischen Sequenzen thematisieren den Körper als Maß und Medium des Raums. In der geplanten Präsentation werden diese frühen konzeptionellen Ansätze in eine installative Struktur für den Stand auf der Art Cologne überführt.

In selbstreferentiellen Videoarbeiten überlagern sich Perspektiven; Raum wird als ein Prozess sichtbar, der sich aus Bewegung, Wiederholung und zeitlicher Dauer speist. Er erscheint mehr als Moment, als etwas, das sich im Vollzug ereignet. Dabei formt er sich bei Breloh im Dazwischen. Der Zwischenraum erweist sich nicht als sekundär, sondern als der eigentliche Beweis der Existenz eines Raums. In seinen späteren Arbeiten aus Ton äußert sich dieser physisch, zwischen Material und Körper. Stets entsteht Raum bei Heinz Breloh in Relation mit dem Selbst. Der Körper und seine Maße bilden dabei das Referenzmaß in Bezug auf sich selbst und auf die Arbeit. So ist Raum bei Breloh stets Körper- und Raumskulptur zugleich.

Die fotografischen Arbeiten von Andreas Gefeller führen diese Überlegungen in eine konzeptuelle Dimension. Indem sie scheinbar reale Räume zeigen, die sich bei näherer Betrachtung als konstruiert oder verschoben erweisen, unterlaufen sie die Evidenz des Sichtbaren.

Raum erscheint als etwas Gemachtes – als eine fragile Konstruktion zwischen Wahrnehmung, Technik und Imagination. Doch in den Arbeiten von Andreas Gefeller entsteht mehr als der Raum, der das Dreidimensionale meint.
Durch Ebenen, Irritationen und künstlerische Intervention kreiert Gefeller Räume, die sich nahezu ins Malerische einschreiben. Bilder, die sich übereinanderlegen, bis ihren Schichtungen die Anmut von Unendlichkeit beiwohnt. In seiner Serie Insight Out visualisiert er das Moment des Raums, indem Synapsen artige Strukturen sich wie Koordinaten in Tiefe und Weite ausbilden. Die Sujets scheinen dabei universellen Gesetzen zu folgen und diese gleichermaßen zu hinterfragen und zu brechen. Andreas Gefellers Arbeiten prüfen die Grenzen von Wahrnehmung und Raum, und generieren zugleich ihren eigenen.

Bei Gerd Bonfert verdichtet sich die Auseinandersetzung mit Raum in einer fotografischen Praxis, die zwischen Aufnahme und Konstruktion interagiert. Ausgangspunkt ist die klassische Logik der Fotografie als Einschreibung von Licht – zugleich wird diese in eine räumliche Versuchsanordnung überführt.
In Anlehnung an das Prinzip der Camera Obscura entwickelt Bonfert eine mobile Struktur – etwa in Form eines Kastenwagens, in den eine zweite Wand mit einer Öffnung integriert ist. Durch diese Öffnung fällt Licht in das Innere und schreibt sich, über eine bestimmte Zeitspanne hinweg, auf lichtempfindliches Material ein.
Der Außenraum erscheint dabei nicht als unmittelbare Abbildung, sondern als zeitlich gebundene Projektion:
umgedreht, verschoben, fragmentiert. Fotografie versteht Bonfert nicht als Momentaufnahme, sondern als Prozess, in dem sich Raum über Dauer hinweg einschreibt. Bonferts Arbeiten bewegen sich damit an dem Übergang zwischen Bild und Raum. Sie machen sichtbar, dass fotografische Bilder nicht nur Abbilder sind, sondern Resultate konkreter räumlicher Bedingungen; von Licht, Architektur und Zeit. Der Raum wird nicht dokumentiert, sondern in seiner Entstehung nachvollziehbar gemacht. Das Sehen und Sichtbarmachen steht bei Bonferts Fotografien im Vordergrund.

Peter Tollens nähert sich dem Raum über die Bedingungen der Malerei. Seine kleinformatigen Landschaftsbilder entstehen aus der Setzung einzelner farbiger Pinselstriche. In ihrer Verdichtung erzeugen sie den Eindruck von Landschaft, in ihrer Verschiebung lösen sie diesen wieder auf. Raum ist hier weder Abbild noch Illusion, sondern Resultat einer minimalen Differenz. Er ergibt sich durch ein oszillierendes Gefüge zwischen Figuration und Abstraktion, immer wieder neu justiert durch die Wahrnehmung. Während die Eifelstudien von Tollens die Landschaft direkt als diese erkennen lassen, wirken andere Arbeiten von ihm
auf den ersten Blick monochrom. Jedoch liegt all seinen Werken, der Eindruck von Landschaft zugrunde.
Sie zeigen die Essenz dessen, was sie ausmacht, und erschaffen durch die Schichtungen von Farben im Malprozess ihre eigene. Die Werke von Peter Tollens treten dabei in Beziehung mit dem Raum, der sie umgibt und interagieren mit seinen Lichtverhältnissen und den Tages- und Jahreszeiten. Sie scheinen wie eine Uhr aus Farbschichten, deren Sekundenzeiger die einzelnen Pinselstriche sind. Der Tag, in dem Zeit und Raum entstehen können, ergibt sich aus ihrer Gemeinschaft.

Elisa Mosch, 2026

Bildnachweis: Andreas Gefeller: 05 (Insight Out), 2025, Inkjet-Print auf Fine-Art-Papier, 130 x 104 cm


Rehbein Galerie
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