22. März bis 10. Mai 2026
Kunstverein KunstHaus Potsdam 


Osmar Osten gilt vielen als Sprachkünstler und virtuoser „Sprücheklopfer“, zuallererst ist Osten aber Maler, der die Sprache in seine Malerei hineinzieht und dort inhaltlich, aber auch auf ihre bildnerische Kraft hin befragt.

1959 in Karl-Marx-Stadt geboren, nahm Ostens künstlerische Entwicklung in den 1980er Jahren im Umfeld der Künstlergruppe Clara Mosch und der Galerie Oben entscheidende Impulse auf. In dieser Phase entstanden grafische und zeichnerische Arbeiten, die die formale Verdichtung seiner späteren Kunst bereits in sich tragen. In ihrer konzentrierten Struktur erinnern diese frühen grafischen Arbeiten an Carlfriedrich Claus. Während Claus jedoch von präzise formulierten Ideen zu universellen geistigen Bildsystemen gelangte, öffnet Osten sein Werk bewusst für Mehrdeutigkeiten.

Um 1989 entwickelt Osmar Osten daraus seine charakteristischen Sprechbilder. In ihnen wird Schrift nicht zum Kommentar, sondern zum bildnerischen Material. Worte und Sprüche („Kein Kopf, kein Kopfschmerz“; „Kein Herz, kein Infarkt“; „Geld oder Geld“) werden in verschiedenen Medien ständig wiederholt, mit unterschiedlichen Motiven versehen und aufgebrochen. Eine Horde Hasen nimmt durch die Bildunterschrift „Wir sind das Volk (aber nicht gerne)“ eine ganz neue Rolle ein, ein ähnliches Motiv, wo sich der immer wiederkehrende Hase aber fragt: „Wo ist denn nur meine Bratwurst hin“ gibt dem Protagonisten einen völlig anderen Charakter. Und nicht nur die Sprache wiederholt sich in den Arbeiten Ostens, sondern auch die Motive: Neben den genannten Hasen, Vögeln, Fischen und Schneemännern sind es besonders Motive aus der erzgebirgischen Volkskunst, wie Nussknacker, Räuchermänner und Bergmannsfiguren, die die Arbeiten bevölkern. Die aus präzisen Alltagsbeobachtungen gespeiste Motiv- und Sprachwelt bildet damit ein in sich konsistentes Gefüge, aus dem sich aber wiederum Fragen der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegenwart stellen.

Osmar Osten ist in erster Linie Maler, Zeichner und Grafiker, arbeitet jedoch auch plastisch, mit Keramik und Aluminiumgüssen sowie Fundstücken. Sein Weg zur Kunst führte zunächst über eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner, bevor er an der Hochschule für Bildende Künste Dresden studierte. Über Jahrzehnte
hinweg wirkt er mit Ausstellungen, Projekten und Lehraufträgen. 2022 wurde er zur Art Karlsruhe wegen „seiner postdadaistischen Malerei und seinen ironischen Kurztexten“ mit dem Hans-Platschek-Preis für Kunst und Schrift ausgezeichnet. Er steht auch über die Verbindung zum Dada durch seine Kombination von Bild und Schrift in einer großen historischen Tradition der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts mit Figuren wie Martin Kippenberger oder Joseph Beuys.

2025 gehörte Osten während der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz zu den prägenden künstlerischen Positionen der Region, unter anderem durch die Beteiligung beim Purple Path.

Mit „Nie wieder Urknall!“ ist Osmar Osten nun erstmals mit einer umfassenderen Präsentation in Potsdam zu sehen und das, motivisch passend, ausgerechnet zur Osterzeit.

Begleitend zur Ausstellung erscheint eine unikate Farblithografie in einer Auflage von sechs Exemplaren.

Veranstaltungen

Donnerstag, 16. April 19 Uhr
re-sonanz-Konzert: Matthias Badczong, Klarinette

Sonntag, 26. April 16 Uhr
Lesung mit Osmar Osten, Burkhard Stöcker und Matthias Zwarg:
„Kleine Naturkunde in drei Akten“

Sonntag, 10. Mai 16 Uhr
Finissage
Matthias Zwarg liest aus „Hasen im Rausch”
Der Künstler ist anwesend

Öffnungszeiten des KunstHaus Potsdam:
mittwochs bis sonntags 12–17 Uhr

Bildnachweis: Osmar Osten, NIE WIEDER URKNALL!, Öl auf Leinwand, 2024 © Osmar Osten und VG Bild-Kunst, Bonn 2026


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