ROY KÖHNKE „BEING FLESH“
31. Mai – 26. Juli 2026
Kunstverein Göttingen
TRANSHUMAN N°2
kuratiert von Stephan Klee
Da der Körper im Zentrum des Transhumanismus – unseres Jahresthemas – steht, schätzt sich das Team des KVG besonders glücklich, mit Roy Köhnke einen innovativen Künstler gefunden zu haben, der das Verhältnis von Körper und Technologie in Gegenwart und in naher Zukunft grundlegend hinterfragt.
Nach knapp zwei Monaten Ausstellungspause freuen wir uns jetzt also umso mehr, Ihnen auf der Vernissage nicht nur die neue Kunst, sondern auch den französischen Künstler selbst vorstellen zu können. Seien Sie herzlich eingeladen und willkommen.
Natürlich werden die Eröffnungsreden am Anfang, um 17 Uhr, und die gekühlten Getränke nicht fehlen. Die ganze Ausstellung findet ausschließlich im sommerlichen Tageslicht statt, schwere Türen wurden wieder eingesetzt und den Rest entdecken Sie am besten selbst bei freiem Eintritt. Die Vernissage geht bis 20 Uhr.
EINFÜHRUNG
Die zweite Ausstellung des Jahres, Being Flesh von Roy Köhnke, widmet sich dem subjektiven Körper, als Träger der Individualität und Schnittstelle zur Umwelt und zum sozialen Raum. Wie reagiert unser „Gastgeber“ aus Nerven, Knochen und Fleisch auf den technologischen Fortschritt, welcher von der biomedizinischen Industrie an ihn herangetragen wird? Oder wie wirken sich Erfassung, Normen und Regeln, die von Politik und Gesellschaft vorgegeben werden, auf das eigene Körpergefühl aus? Diesem Spannungsverhältnis liegt ein dominierendes Körperbild zugrunde, welches das gesellschaftliche Verständnis und den Umgang mit dem humanen Organismus zutiefst prägt. Doch wie hat sich dieses Bild historisch eigentlich konstituiert?
Der französische Künstler Roy Köhnke (*1990) ist prädestiniert dafür, in Göttingen dieses virulente Themengebiet in Form plastisch–installativer Arbeiten aus dem Bereich der zeitgenössischen Bildhauerei umzusetzen. Das titelgebende Werk BEING FLESH, 2023, eine multimediale Setzung, welche den Ausstellungsraum in eine Art von offenem Körper verwandelt, ist ein gutes Beispiel für seine Herangehensweise: Die Installation besteht aus architektonisch gesetzten Membranrahmen, durch die das Publikum hindurchgeht. In den sich öffnenden Passagenräumen wird eine Reihe von biomorphen Plastiken durch ein sensorisches Video zum Leben erweckt, welches durch den Scam dieser Plastiken mit einem magnetischen Kernspinresonanzgerät (MRT) entstanden ist.
Allein dieses Werk zeigt, wie systematisch und tiefgreifend der Künstler die kollektive Entfremdung zwischen persönlichem Körperempfinden und funktionalisiertem Körperideal offenlegt. Da besonders der aktuelle Transhumanismus ideologisch an der forcierten technologischen Optimierung und Überwindung des menschlichen Körpers ansetzt, sind die Werkreihen in Being Flesh elementar für den Diskurs unseres Jahresthemas 2026: TRANSHUMAN.
ÜBER DEN KÜNSTLER
Von Skulpturen über Zeichnungen bis hin zu Multimedia-Installationen – Roy Köhnkes Arbeit verbindet Hochtechnologien mit elementarer Handarbeit. Sein Projekt zielt darauf ab, körperliche Grenzen zu überwinden, indem es die physischen Besonderheiten und Narrative des Körpers wieder mit seiner Umgebung verbindet und ihn gleichzeitig als eigenständiges Terrain und Narrativ betrachtet. Durch die Arbeit mit neuen Technologien wie MRT oder emotionaler KI erforscht er Alternativen zu den vorherrschenden Science-Fiction-Erzählungen, um einen Körper wiederherzustellen, der durch die Dominanz der Wissenschaft und der westlichen Kultur fragmentiert und isoliert wurde. Seine oft situativen, transformativen und kollaborativen Installationen sind Schauplätze von Interaktionen, ähnlich wie ein Filmset, auf denen sich neue Arten von biotechnologischen/queeren Organismen entwickeln und ihre Koexistenz mit Kraft und Vitalität behaupten. Seine Forschung konzentriert sich auf techno-biologische/ koevolutionäre Mechanismen, betrachtet durch das breitere Prisma von sozialer Gerechtigkeit, Umweltgerechtigkeit und Trans-Kämpfen.
mehr Informationen >> roykohnke.com/
Bildnachweis: Roy Köhnke „Bugs series“ (Detail), 2024, Pigmentdruck auf Aluminium | Teil der Ausstellung „It is Stronger than I Thought“, kuratiert von Julien Arnaud, ADAGP | Photo: Salim Santa Lucia | Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers
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