11. Oktober 2026 bis 31. Januar 2027
Brunhilde Moll Stiftung im ehemaligen Beuys-Haus Düsseldorf


Die Ausstellung Wilhelm Mundt – ZUFLUSSREGELUNG zeigt eine konzentrierte Auswahl der Werke des Kölner Künstlers (geb. 1959). Der Bildhauer hat für seine Schau in den ehemaligen Atelierräumen von Joseph Beuys vier Werke aus seinem umfangreichen Oeuvre ausgewählt: Zwei raumfüllende Objekte, „Trashstone 856“ und „Trashstone 531“, die Videoarbeit „und gestern war heute morgen“ sowie die Fotoarbeit „800-051, 2024“ (Schwarzes Loch)

Wilhelm Mundt gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen Bildhauern. Mit seinen monumentalen Trashstones hat er sich in die jüngere Kunstgeschichte eingeschrieben. Seit 1989 entwickelt er diese Werkgruppe stetig weiter. Es sind amorphe Gebilde, die an Klumpen erinnern. An ihrer Oberfläche haben sie Beulen und Dellen. Diese Unebenheiten machen neugierig.

Man fragt sich, was wohl in ihrem Inneren versteckt sein könnte. Meist nutzt Wilhelm Mundt für seine Trashstones Überreste der eigenen Arbeit, Produktionsabfälle, Alltagsgegenstände, aber auch persönliche Erinnerungen als Ausgangsmaterial. So können etwa die Fahrräder seiner Söhne, abgelaufene Winterreifen, ein Fernseher oder die Reste seiner Arbeiten als Student der Düsseldorfer Kunstakademie Bestandteile seiner „ Klumpen“ werden. Was genau in jedem „Klumpen“ ist, daran erinnert sich der Künstler nicht mehr. Doch das spielt auch keine Rolle für sein Werk. Denn das Ausgangsmaterial wird mit viel Klebeband so lange straff verklebt, bis sich ein gerundetes Gebilde ergibt. Diese Form wird mit farbigem Kunstharz ummantelt und so lange geschliffen, bis die Skulptur den Ansprüchen des Künstlers als Form sinnvoll erscheint. Die Außenhülle wird glänzend lackiert. Meist teilt Mundt jedem Trashstones eine Farbe zu; hin und wieder sind sie mehrfarbig gestaltet.

Zwar hat jeder Stein seine eigene Geschichte, dennoch sieht Wilhelm Mundt von einer individuellen Betitelung ab und bevorzugt eine klare, dreistellige Nummerierung. Mit Nummer 001 hat er angefangen, die aktuellen Werke sind bei 850. Für die Ausstellung in der Brunhilde Moll Stiftung hat sich Wilhelm Mundt für die Trashstones mit der Nummer 531 aus dem Jahr 2011 und den erst kurz vor der Eröffnung fertiggestellten Stein mit der Nummer 856 entschieden.

Wilhelm Mundt geht es in erster Linie um die Frage: Was ist eine gute Skulptur? Die häufig geäußerte Vorstellung von Betrachtenden, Mundts Ansatz sei Konsumkritik, spielt gegenüber dem formalen Aspekt eine untergeordnete Rolle. Seine Skulpturen haben etwas ganz Eigenes. Sie zeigen sich als selbstbewusste Kunst-Objekte und bleiben doch voller Geheimnisse. Diese spezifische Qualität hat zu ihrem internationalen Renommee beigetragen. Nicht zuletzt deshalb finden sich Wilhelm Mundts Werke heute in vielen privaten und öffentlichen Sammlungen auf der ganzen Welz.

„Den Werken beider bedeutender Künstler liegt eine besondere Faszination inne, die immer wieder Fragen aufwirft und den Betrachter emotional so gefangen nimmt, dass er die Beschäftigung mit den Themen dieser Künstler immer von Neuem als Beglückung erfährt.“
Gerhard Finckh, Kunsthistoriker und Kurator der Ausstellung

Dass Wilhelm Mundt eingeladen wurde, seine Werke in dem ehemaligen Atelier von Joseph Beuys zu zeigen, ist für den Bildhauer „ verlockend“. Schließlich war der berühmte Bildhauer, Performance- und Installationskünstler Beuys Vorbild für jüngere Künstlergenerationen. „ Beuys‘ rätselhafte Werke wie „Das Ende des 20. Jahrhunderts“ oder „ Unschlitt“ beschäftigen mich bis heute. Sie ergreifen mich, und ich kann mir nach so vielen Jahren der Beschäftigung mit diesem Künstler immer noch nicht erklären, wieso das so ist“ , sagt Wilhelm Mundt. Besonders der Freiheitsbegriff von Beuys habe ihn immer fasziniert. Und so sehe er vor allem seine neueren Werke, wie Trashstone Nummer 531, dem er einen Gitterkäfig aus Stahl hinzugefügt hat, als Antwort auf die Frage nach dem Wesen von Freiheit.

Für die Ausstellung in der Brunhilde Moll Stiftung hat Wilhelm Mundt neben den Trashstones zwei weitere Arbeiten ausgewählt. Die Fotoarbeit „ 548-045“ (Schwarzes Loch) ist Teil einer Serie, für die Mundt die Umrissform seiner Trashstones aufnimmt und diese als schwarzes Loch in den Mittelpunkt setzt. Die Videoarbeit „ und gestern war heute morgen“ zeigt Sequenzen, die sich mit Transformation, Zeitverlauf oder dem Raum auseinandersetzen.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Dr. Gerhard Finckh und Elza Czarnowski

Wilhelm Mundt wurde 1959 in Grevenbroich geboren. Er studierte von 1979 bis 1986 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Tony Cragg, Klaus Rinke und Irmin Kamp. 1986 wurde er mit dem Arbeitsstipendium des Kunstfonds e.V. Bonn ausgezeichnet. Seit 1989 arbeitet er an der Werkserie der Trashstones, die mit dem Stein Nummer 001 begann und sein Schaffen bis heute prägt. 2007 erhielt er den Jack Goldhill Award for Sculpture der Royal Academy of Arts in London. Von 2009 bis 2025 lehrte er als Professor für Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Seine Arbeiten befinden sich unter anderem in den Sammlungen des Kunstmuseums Bonn, des Lehmbruck Museums in Duisburg, des Museums Kunstpalast in Düsseldorf, des Kunstmuseums St. Gallen sowie der Margulies Collection in Miami.

Öffnungszeiten:
Samstags und sonntags: 12-16 Uhr
Dienstags: 12-16 Uhr
Donnerstags: 14-18 Uhr
[Sonderöffnungen auf Anfrage]
 
Bildnachweis: Wilhelm Mundt, Trashstone 840, 2025. Foto: Achim Kukulies, courtesy SCHÖNEWALD, Düsseldorf


Brunhilde Moll Stiftung
Drakeplatz 4
40545 Düsseldorf
brunhildemollstiftung.de

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