7. November bis 5. Dezember 2026
loop-raum für aktuelle kunst


Mit UNCOVER startet Women in Arts and Media e. V. ein interdisziplinäres Ausstellungsprojekt zu Künstler:innen aus Ostdeutschland. Im Zentrum steht eine Leerstelle in der Wahrnehmung ostdeutscher Kunst: Viele Künstler:innen, die in der DDR geboren und sozialisiert wurden oder nach 1989/90 in Ostdeutschlandaufgewachsen sind, bleiben bis heute über regionale Kontexte hinaus wenig sichtbar. Die Ausstellungsreihe UNCOVER wird kontinuierlich um weitere Künstler:innen erweitert und mit Ausstellungen an wechselnden Orten in Ost-und Westdeutschland fortgeführt.

„Mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung ist die Frage, welche ostdeutschen Künstler:innen in der gesamtdeutschen Kunstgeschichte sichtbar werden, weiterhin offen. UNCOVER setzt hier an und verbindet den historischen Einschnitt von 1989/90 mit gegenwärtigen Fragen von Kanon, Anerkennung und Zugang.“
Kerstin Lorenz und Nadja Schütt, Organisatorinnen der Ausstellung

Herkunft und Geschlecht bilden die kuratorische Klammer von UNCOVER–auch dann, wenn sie sich nicht unmittelbar in den Werken abbilden. die Ausstellung zeigt künstlerische Positionen, die von strukturellen Ausschlüssen, Beharrlichkeit und Selbstbehauptung erzählen: in der DDR ebenso wie nach 1989/90 und bis in die Gegenwart.

Gezeigt werden Arbeiten von Gerda Lepke, Barbara Toch, Karin Hunger, Nadja Schütt, Tobia König und Vivien Schlecht. Die älteste beteiligte Künstler:in wurde1939 geboren, die jüngste1992.Damit begegnen sich Künstler:innen aus mehreren Generationen: mit Laufbahnen, die in der DDR begannen, mit Biografien, die von der Transformationszeit nach 1989/90 geprägt wurden, und mit jüngeren künstlerischen Wegen, die nach der Wiedervereinigung in Ostdeutschland entstanden sind.

Aus diesen Lebenswegen entsteht ein vielschichtiges Panorama ostdeutscher Kunstbiografien: von Kriegs-und Nachkriegszeit über DDR und Umbruch bis in die Nachwendezeit und Gegenwart. UNCOVER legt den Fokus darauf, wie die Künstler:innen von Ausschlusserfahrungen, institutionellen Begrenzungen und gesellschaftlichen Veränderungen geprägt wurden–und mit welchen Formen der Selbstbehauptung sie darauf reagierten.

Im Mittelpunkt stehen komplexe Lebensläufe und künstlerische Wege: das Arbeitenjenseits politischer Vereinnahmung, die Suche nach eigenen Ausdrucksformen, das Weiterarbeiten trotz Geldnot, Brotjobs und Care-Arbeit sowie die Selbstbehauptung ineinem Kunstbetrieb, in dem Zugang, Anerkennung und Sichtbarkeit lange ungleichverteilt waren. In den Arbeiten wird das auf sehr unterschiedliche Weise sichtbar–inMalerei, Grafik, Installation, Objekt, Materialexperimenten, Körperbildern, Räumen undfragmentierten Formen.

UNCOVERverzichtet bewusst auf einfache Zuschreibungen wie „angepasst“ oder „rebellisch“ und reduziertdie vorgestellten Kunstbiografien nicht nur auf DDR-Erfahrungen.

Nach 1989/90 trafen neue Freiheiten auf neue Unsicherheiten: Netzwerke brachen weg, der Kunstmarkt orientierte sich stark nach Westen, viele ostdeutsche Biografien blieben in Kanon und Öffentlichkeit unterrepräsentiert. UNCOVER rückt deshalb die Bedingungenkünstlerischen Arbeitens in den Blick: Zugang zu Ausbildung, Ateliers, Ausstellungen, Netzwerken und Öffentlichkeit ebenso wie Fragen von Familie, Geld, Care-Arbeit und Anerkennung.

Die Eröffnung am 6. November, wenige Tage vor dem Jahrestag des Mauerfalls am9. November, setzt dafür einen zeithistorischen Rahmen. UNCOVER blickt nicht nur auf1989 zurück, sondern auf die langfristigen Folgen von Teilung, Umbruch und Transformation: Welche Werke und Biografien werden Teil der gesamtdeutschen Kunstgeschichte? Welche bleiben regional verortet, obwohl sie überregionale Aufmerksamkeit verdienen?

Zum Projekt gehören drei eng miteinander verbundene Formate: einedigitale 3D-Ausstellungals Herzstück vonUNCOVER, eineanaloge AusstellungimB-PartExhibition am Gleisdreieck (hosted by loop–raum für aktuelle kunst)sowieeinePodcastreihe. Die digitale Ausstellung macht Werke und Biografienortsunabhängig zugänglich, die analoge Ausstellung bringt ausgewählte Arbeiten imRaum zusammen und die Podcastreihe ergänzt die künstlerischen Positionen umStimmen, Erinnerungen und zeithistorische Einordnung.

UNCOVERist als langfristig wachsendes Format angelegt: Die digitale Ausstellung undPodcastreihe sollen fortlaufend um weitere Künstler:innen ergänzt und mit analogenAusstellungen an wechselnden Orten in Ost-und Westdeutschland verbunden werden.

Künstler:innen: Gerda Lepke, Barbara Toch, Karin Hunger, Nadja Schütt, Tobia König, Vivien Schlecht

Organisatorinnen: Kerstin Lorenz und Nadja Schütt

Bildnachweis: Vivian Schlecht, Juvenil, 2016


B-Part Exhibition am Gleisdreieck (hosted by loop–raum für aktuelle kunst)
Luckenwalder Str. 6b
Berlin

Eintritt: frei
Öffnungszeiten: Mi–Sa, 14–18 Uh

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