8. bis 29. November 2026
Kunstverein Region Heinsberg


Zur künstlerischen Arbeit von Jae-Eun Jung:

Der erste Blick auf ihre Werke beeindruckt, sie strahlen Ruhe aus und zeigen in gegenständlicher Malerei „stille Momente“. Wir erkennen alle dargestellten Dinge und Situationen und doch sehen wir sie durch Jae-Eun Jungs künstlerische Bearbeitung mit anderen Augen. Es sind die kleinen, alltäglichen Dinge, denen sie ihre Aufmerksamkeit schenkt.

Jae-Eun Jung ist auch technisch eine hervorragende Malerin: im schichtweisen Aufbau ergeben sich differenzierte Farbtöne, oft im hell-pastelligen Spektrum.

Nach zahlreichen Skizzen trifft sie kompositorische Entscheidungen. Meist frontal ins Bild gesetzt, entstehen ihre großformatigen Bilder in einem sich über mehrere Monate erstreckenden hochkonzentrierten Malprozess.

„Schau genau hin und entdecke die Vielfältigkeit und Schönheit des angeblich Unscheinbaren“ könnten ihre Bilder sagen. Oft schwingen aber auch Wehmut, verblassende Erinnerungen, scheinbare Ereignislosigkeit oder ein Gefühl der Einsamkeit mit – die individuelle Situation der Betrachtenden wird diese Ambivalenzen in die jeweilige Richtung lenken.

Ihre Motive wirken still und haben doch gleichzeitig mit dem Leben zu tun – „Stillleben“ im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Pracht und der Überfluss in der Malerei des 17. Jahrhunderts – des Zeitalters der Stilllebenmalerei  – entsprach mit Sicherheit nicht dem Alltag der Menschen – Jae-Eun Jung knüpft jedoch an den wirklichen Alltag der heutigen Zeit an und dieser wird durch ihre Malerei in gewisser Weise „prachtvoll“. Ihre Malweise unterschiedet sich von der „Augentäuscherei“ (Trompe-l’œil) der frühen Stillebenmalerei dabei deutlich durch ihren Ikonizitätsgrad: der sichtbare Pinselduktus und die helle Farbpalette sind Zeichen für die künstlerische Individualität.

Wie in der Stilllebenmalerei des Barocks haben auch Jae-Eun Jungs Bilder verschiedene Bedeutungsebenen.

So zeigt sich zum Beispiel in einigen Werken ihr Bezug zur Millionenstadt Seoul:

Die enge Bebauung führt dazu, dass für Gärten, wie wir sie kennen, kaum Platz bleibt. Ein typisches Bild in dieser Stadt sind daher Ansammlungen von Blumentöpfen, oft mit koreanischen Mustern verziert, in denen Pflanzen liebevoll gehegt und gepflegt werden.

Moment der Ruhe im oft belasteten Alltag schaffen, im Kleinen etwas zum Wachsen bringen – einen größeren Kontrast zum Leben in einer Stadt mit fast 10 Millionen Einwohnern kann man sich kaum vorstellen. Für Jae-Eun Jung war der Anblick dieser kleinen Ruheorte in Seoul nichts Besonderes – erst durch die Entfernung wurde ihr diese Besonderheit bewusst und eines der Themen ihrer Malerei.

Eine weitere Bedeutungsebene liegt in ihrem tiefen christlichen Glauben begründet:

Es ist das Leben, das sich durchsetzt, so wie der Löwenzahn durch den Asphalt bricht. „Hoffnung“ ist ein Begriff, der ihr Leben und ihre Kunst mit den lichtdurchfluteten Bildern prägt – ohne den Betrachtenden Interpretationen vorgeben zu wollen.

Vita

1971 geboren in Seoul, Südkorea
1991 Kunststudium an der Dong-Kuk Universität in Seoul
1999 Beginn Studium an der Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig bei Prof. Norbert Tadeusz
2003 Diplomabschluss Frei Kunst
2004 Meisterschülerin bei Norbert Tadeusz
lebt in Lippstadt

Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen sowie Preise und Stipendien

Bildnachweis: Jae-Eun-Jung, Stockrosen, Acryl/Lw. 110 x 140 cm, 2020


Kunstverein Region Heinsberg
Horster Hof 1
52525 Heinsberg

(Visited 1 times, 1 visits today)