11. Oktober 2026 – 28. Februar 2027
Kunstmuseum Singen


Mit »Cantina Comunale« widmet das Kunstmuseum Singen dem aus Karlsruhe stammenden, international vernetzt arbeitenden und in Singen lebenden Künstler Harald F. Müller (*1950) eine Ausstellung. Sie ist vom 11. Oktober 2026 bis 28. Februar 2027 im Kunstmuseum Singen zu sehen. Müller ist auch im öffentlichen Raum Singens vertreten, unter anderem mit der Wortskulptur »SINGEN« (2000) und der Farbgestaltung des Bahnhofs Singen-Industriegebiet (1998/99).

Der Titel der Ausstellung greift Müllers kollaborative Arbeitsweise auf: So hat der Künstler seine Einladung ins Kunstmuseum aufgegriffen und auf sein Netzwerk ausgeweitet. Entsprechend sind weitere Protagonist:innen verschiedener Disziplinen – Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und Architekt:innen – mit eigenen Positionen oder gemeinsam mit Müller entstandenen Kunstwerken vertreten. Zugleich formuliert Müller mit der »Cantina Comunale« das Versprechen, einen Ort für Begegnungen, gemeinsame Erfahrungen und Austausch zu schaffen. Damit setzt die Ausstellung fort, was seine Atelier-Halle »stratozero.net« im Singener Gewerbegebiet seit 2015 auszeichnet: die Offenheit für Begegnungen, Veranstaltungen und Experimente.

»Wenn Kunst in die Gestaltung von Lebensräumen eingreift, ist sie eines der großen verbindenden Elemente einer Gesellschaft.« Harald F. Müller

Harald F. Müllers Kunst verbindet die künstlerische Auseinandersetzung mit Räumen und ihren sozialen und kulturellen Bezügen mit einer intensiven (de-)konstruktivistischen Arbeit an »gefundenen Bildern und Materialien«. Seine Werke sind vielseitig, mitunter wandelbar und anschlussfähig für neue Zusammenhänge und Neuinszenierungen – inhaltlich präzise und vielschichtig zugleich. Müllers Oeuvre umfasst Fotografien, Wortskulpturen, Assemblagen, Wandobjekte, Wandmalereien und Farbkonzepte, die darauf ausgelegt sind, Räume einzunehmen, sie mit Farbe neu zu definieren und dabei in Plastiken zu verwandeln. Ausgangspunkt seiner Arbeiten ist meist »gefundenes Material« im weiteren Sinne: Abbildungen aus den Printmedien, Fotografien, Eindrücke oder eigene Schnappschüsse im öffentlichen Raum, gesammelte Pigmente, Farbmuster oder seltene Fotomaterialien sowie ganze Räume. Aneignung, Transformation und Zusammenarbeit greifen dabei ineinander. Das Kollaborative ist Müllers künstlerischer Praxis grundlegend eingeschrieben – im Bild, im Konzept und in der Form.

In der Ausstellung präsentiert Harald F. Müller ausgewählte ältere Arbeiten neben jüngsten und zum Teil eigens für die »Cantina Comunale« entstandenen Werken. Hinzu kommen Arbeiten, die in Zusammenarbeit mit anderen entstanden sind: Müllers Arbeitsweise entsprechend hat er die Einladung des Kunstmuseums auf einige seiner langjährigen Kollaborateur:innen ausgeweitet.
Sie sind sowohl mit eigenen Positionen als auch in gemeinsamen Arbeiten und Projekten mit Harald F. Müller vertreten. Dazu gehören die fotografischen Arbeiten von Guido Kasper. Kasper greift Müllers ortsbezogene Farbinterventionen an und in Gebäuden fotografisch auf und überführt sie in eigenständige Bildkonstruktionen, in denen Architektur und Raum neu gefasst werden. Der Medienkünstler Fabian Winkler ist als Co-Autor des Roadmovies »EN ROUTE« sowie gemeinsam mit der Medienkünstlerin Shannon McMullen mit der interaktiven Installation »Ecophones« vertreten, die die Idee der Kollaboration auf nicht-menschliche Akteure ausweitet. Mit dem Informatiker Patrick Jungk richtet Müller seine Strategie der Aneignung schließlich auf das eigene Werk. Für die »Elektro Cuts« generiert ein Algorithmus aus Müllers Bildbestand fragmentierte Bilder, die auf einem Screen in der Ausstellung ausgespielt werden. Die Ausgangsmotive werden dabei zum Teil bis zur Unkenntlichkeit verändert. Müllers Praxis der Bildaneignung wird damit auf das eigene Werk zurückgeführt: Das Erschaffen von Bildern geht mit dem Kontrollverlust über Bilder einher.

Weitere Protagonist:innen aus dem Netzwerk Harald F. Müllers und des Kunstmuseums Singen treten im Verlauf der Ausstellung zur »Cantina Comunale« hinzu: Ivana Beljan, Gerd Blum, Cai Boesken, Crippled Dick Hot Wax!, Zsuzsanna Gahse, Mike Guyer, Elena Hofbeck, Carl Ludwig Hübsch, Georg Imdahl, Harald Lemke, Kami Wilhelmina Manns, Gerhard Matzig, Phil Minton, Christoph Rütimann, Kurt Schmid, Jörg van den Berg, Josef Wieland und Joachim Winter. Ihre Beiträge prägen die Veranstaltungs-Formate »Raumklang«, »Tisch-« oder »Bildgespräch«. Gespräche, Performances und Klangereignisse eröffnen dabei im Verlauf der Ausstellung immer wieder neue Perspektiven und Bezüge.

Zentraler Ort dieser Formate ist der »Große Tisch«, der Exponat und interaktiver Austragungsort zugleich ist. Hier bilden Gastgebende und Gäste wechselnde Tischgemeinschaften und teilen leibliche und geistige Nahrung. Rollen verschwimmen, unterschiedliche Perspektiven treffen aufeinander. So wird die »Cantina Comunale« zu einem Ort des Zusammenkommens, gemeinsamer Erfahrungen und des Austauschs.

»Die ›Cantina Comunale‹ übersetzt Harald F. Müllers künstlerisches Denken in eine offene Ausstellungsform. Kollaboration, geteilte Autorschaft und das Arbeiten mit wechselnden Konstellationen werden dabei selbst zum Konzept der Ausstellung. So entsteht ein Raum, in dem Kunst nicht nur gezeigt wird, sondern sich im Austausch mit anderen immer wieder neu formiert«, erläutert die Kuratorin der Ausstellung, Viktoria Tiedeke.

Ergänzend zu den in die Ausstellung integrierten »Tischgesprächen«, »Bildgesprächen« und »Raumklang«-Formaten begleitet ein umfangreiches Vermittlungsprogramm die »Cantina Comunale«. Führungen, Workshops und Angebote für Kinder, Jugendliche, Familien und Erwachsene ermöglichen weitere Zugänge zur Ausstellung.

Für die Umsetzung des Ausstellungsprojekts, das 2025 vom langjährigen Leiter des Kunstmuseums Christoph Bauer angestoßen und von Viktoria Tiedeke weitergeführt wurde, dankt das Kunstmuseum den zahlreichen Unterstützern, Sponsoren, Leihgebern und Mitwirkenden, die auf vielfältige Weise zu seiner Verwirklichung beigetragen haben. Besonderer Dank gilt Leander Biehler, Paul Cortot, Jim Kunze, Gottfried Mattes, Ursula Plaga, Ines Zahler und Nicolas Zupfer für ihre Unterstützung bei der Umsetzung der Ausstellung.

HARALD F. MÜLLER.
CANTINA COMUNALE.

Ausstellungsdauer: 11. Oktober 2026 bis 28. Februar 2027
Öffentliche Vernissage: Sonntag, 11. Oktober 2026, 11:30 Uhr
Kuratorin der Ausstellung: Viktoria Wilhelmine Tiedeke, stellvertretende Museumsleitung Kunstmuseum Singen
Künstler:innen: Harald F. Müller featuring Patrick Jungk, Guido Kasper, Shannon McMullen, Fabian Winkler
Mitwirkende: Ivana Beljan, Gerd Blum, Cai Boesken, Crippled Dick Hot Wax!, Zsuzsanna Gahse, Mike Guyer, Elena Hofbeck, Carl Ludwig Hübsch, Georg Imdahl, Harald Lemke, Kami Wilhelmina Manns, Gerhard Matzig, Phil Minton, Christoph Rütimann, Kurt Schmid, Jörg van den Berg, Josef Wieland und Joachim Winter
Beteiligte: Leander Biehler, Paul Cortot, Jim Kunze, Gottfried Mattes, Ursula Plaga, Ines Zahler und Nicolas Zupfer
Leihgeber: Sammlung LBBW (Landesbank Baden-Württemberg), Sammlung Ringier, Schweiz, Privatbesitz
Sponsoren und Förderer: Thüga Energie GmbH, Thüga Energienetze GmbH, Schwarz Aussenwerbung GmbH, Dietrich H. Boesken-Stiftung

Das Kunstmuseum Singen ist eine Einrichtung der Stadt Singen (Hohentwiel).

Bildnachweis: Harald F. Müller, Nylon, 1989, Cybachrom hinter Museumsglas (Prolab Stuttgart), auf Aluminiumkonstruktion, 120 x 300 x 15 cm, Im Hintergrund: Wandmalerei Harald F. Müller, Installationsansicht: stratozero.net, Atelier Harald F. Müller, Foto: Guido Kasper, © Harald F. Müller


Kunstmuseum Singen
Ekkehardstr. 10, 78224 Singen | www.kunstmuseum-singen.de
T +49 7731 85-271 | kunstmuseum@singen.de
Öffnungszeiten und Eintrittspreise
Öffnungszeiten: Di–Fr 14–18 Uhr, Sa + So 11–17 Uhr
Geschlossen: 24.–26.12., 31.12., 01.01., 04.02.
Eintrittspreise: 6 Euro, 4 Euro ermäßigt, Kinder bis einschl. 14Jahre frei,
donnerstags für alle Besucher: innen frei

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