DIE MOSBRUGGERS. EINE KÜNSTLERFAMILIE AM BODENSEE
21. Mai 2026 bis 10. Januar 2027
Rosengartenmuseum
Drei Künstler in revolutionärer Zeit
Das Rosgartenmuseum Konstanz zeigt große Werkschau der Malerfamilie Mosbrugger.
Die aus Vorarlberg stammende Künstlerfamilie Mosbrugger ist von 1795 bis zum Tod des letzten Malers, Joseph, 1869 am Bodensee, in den angrenzenden Landschaften und im Schweizer Umland tätig. Ihr Werk umfasst eindrucksvolle, tief psychologisch gestaltete Porträts, repräsentative Familienbilder, geistliche Motive, Landschaftsmalerei und expressive Genredarstellungen. In ihrer Zeit erleben sie kriegerische Unruhen, Hungersnöte, aber auch politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufbruch.
Als Wendelin Mosbrugger um 1825 am Bodensee und am württembergischen Hof ein hoch geachteter Künstler ist, sind öffentliche Kunstausstellungen in der Provinz noch nahezu unbekannt. Wer ein Gemälde kaufen will, besucht die Künstlerin oder den Künstler im Atelier und gibt ein Werk in Auftrag. Der Konstanzer Kunstverein wird erst 1858, die Wesssenberg-Galerie 1863 gegründet. Das aufstrebende Bürgertum schätzt die Künstler der Region: Wendelin, Friedrich, der Landschaftsmaler Joseph Mosbrugger, Marie Ellenrieder, der Lithograf Andreas Pecht, die Schweizer Johann Jakob Biedermann und Emanuel Labhardt und die Familie Bleuler haben treue Stammkunden. Doch eine Altersversorgung wie die heutige Künstlersozialkasse ist unbekannt. Wer im Alter nicht mehr malen kann und keine Ersparnisse hat, gerät in bittere Armut.
Das herausragendste Talent der Mosbruggers ist der mittlere Sohn Friedrich: Schon als Kind bemalt er die Wände des Kinderzimmers mit Heldengestalten und karikiert Lehrer und Mitschüler. Die bekannte Malerin Marie Ellenrieder fördert den Hochbegabten. Im Jahr 1822 wird Friedrich Student an der Münchener Kunstakademie. Wie viele Künstler der Zeit zieht es ihn 1827 nach Italien. In Rom und Neapel entstehen erste Meisterwerke, etwa „Das Atelier des Künstlers“, und ausdrucksstarke italienische Landschaftsbilder. Friedrich gilt als exzentrisch, er genießt erotische Abenteuer und die südliche Lebensart.
Angezogen von der lebendigen Kunstszene am russischen Hof reist er 1830 über Lübeck nach St. Petersburg. Dort angekommen, stirbt Friedrich Mosbrugger, nur 26-jährig, an einer Infektion. Schon seine Zeitgenossen erkennen, dass er eines der großen Talente seiner Generation war.
Die Ausstellung im Rosgartenmuseum zeigt in bedeutenden Leihgaben und aus der großen eigenen Sammlung das weitgespannte Schaffen der drei bemerkenswerten Künstler und ihres Umfeldes: So entsteht das faszinierende Bild einer Epoche, die von Stillstand, rückwärtsgewandter Romantik, europäischer Neuorientierung der Kunst und von revolutionären politischen Aufbrüchen gleichermaßen geprägt war.
Bildnachweis: Joseph Mosbrugger, Konstanz vom Fürstenberg aus; um 1850, Öl auf Pappe, Rosgartenmuseum Konstanz
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