PAULINE T. SCHULTE UND LEONHARD WACHTER „ZWISCHEN RÄUME“
19. September bis 7. November 2026
Galerie Supper
Pauline T. Schulte und Leonhard Wachter zeigen junge Malerei in der gemeinsamen Ausstellung
Vernissage
19. September 2026, 18.00 – 21.30 Uhr
Diesen Herbst transformiert sich die GALERIE SUPPER zu einer Plattform für junge Kunst. Mit der Ausstellung „Zwischen Räume“ vergibt sie ihre Ausstellungsfläche erstmalig an die beiden jungen, aufstrebenden Künstler Leonhard Wachter und Pauline T. Schulte. In ihrer künstlerischen Praxis entwickelten beide sehr unterschiedliche Bildsprachen. Gemeinsam ist ihnen jedoch das Interesse an jenen schwer fassbaren Momenten, in denen sich Wahrnehmungen verändern, Gewissheiten auflösen und neue Möglichkeiten entstehen. Der Titel „Zwischen Räume“ bezeichnet dabei keinen leeren oder unbestimmten Ort. Vielmehr richtet die Ausstellung den Blick auf Räume zwischen Erinnerung und Gegenwart, Realität und Vorstellung, Verletzlichkeit und Widerstandskraft. Es sind Zustände des Übergangs, in denen Identität nicht als etwas Feststehendes erscheint, sondern als fortwährende Bewegung.
Leonhard Wachters (geb. 1995, Leisnig) Malerei entsteht aus der genauen Beobachtung seiner unmittelbaren Umgebung. Urbane Situationen, Menschen seiner Generation, mediale Bilder und fragmentierte Alltagseindrücke werden zum Ausgangspunkt vielschichtiger Kompositionen. Figuren und Räume bleiben erkennbar, entziehen sich jedoch einer eindeutigen Erzählung. Konturen verschwimmen, Flächen brechen auf, Farben erscheinen blass und entrückt oder entwickeln eine beinahe unwirkliche Intensität. Wachters Bilder bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen konkretem Erlebnis und traumartiger Verwandlung. Seine Figuren wirken häufig in sich gekehrt, suchend oder melancholisch. Sie scheinen sich in einer Welt zu bewegen, deren Vielzahl an Möglichkeiten nicht nur Freiheit, sondern auch Unsicherheit erzeugt. In diesen offenen Situationen formuliert Wachter ein Lebensgefühl, das weit über das individuelle Porträt hinausweist. Seine Malerei wird zum Resonanzraum einer Generation, die permanent mit Bildern und Informationen konfrontiert ist und zugleich nach einer eigenen Haltung sucht.
Auch Pauline T. Schulte (geb. 1996, Gießen) beschäftigt sich mit Fragen von Identität, Erinnerung und persönlicher Entwicklung. Ihre Bildwelten entwickeln sich in einem vielschichtigen Prozess aus Acrylfarben und Ölsticks. In zahlreichen Überlagerungen entwickeln sich kraftvolle Bildräume, in denen helle und dunkle Töne, kindliche Leichtigkeit und dramatische Spannung unmittelbar aufeinandertreffen. Schultes Malerei schöpft aus persönlichen Empfindungen, ohne sich in einer rein privaten Erzählung zu erschöpfen. Nostalgische Anklänge verbinden sich mit emotionaler Ambivalenz. Vertraut wirkende Formen geraten ins Wanken, werden überarbeitet, verdeckt oder in neue Zusammenhänge gestellt. Insbesondere in ihren großformatigen Arbeiten entstehen Bildwelten, in die der Blick regelrecht eintauchen kann. Ein wiederkehrendes Motiv ist der Kaktus. Für Schulte wird er zum Sinnbild von Resilienz und Widerstandsfähigkeit: eine Pflanze, die sich schützt und dennoch wächst, die unter schwierigen Bedingungen bestehen kann und in ihrem Inneren Wasser bewahrt. Damit verkörpert der Kaktus genau jene Gleichzeitigkeit von Verletzlichkeit und Stärke, die das Werk der Künstlerin prägt.
In der Gegenüberstellung treten die Verbindungen zwischen beiden Positionen deutlich hervor. Wachter richtet seinen Blick stärker auf die äußere Welt, auf urbane Wirklichkeit, mediale Überlagerungen und die Menschen seiner Generation. Schulte führt tiefer in innere Erfahrungsräume, in Erinnerungen, Gefühle und Prozesse persönlicher Veränderung. Doch die Grenzen bleiben durchlässig: Das Äußere wird bei Wachter zum Spiegel innerer Zustände, während Schultes persönliche Bildwelt universelle Fragen nach Schutz, Wachstum und Zugehörigkeit aufwirft. „Zwischenräume“ zeigt Malerei als offenen Denk- und Erfahrungsraum. Die Ausstellung gibt keine abschließenden Antworten. Sie lädt vielmehr dazu ein, Uneindeutigkeiten auszuhalten, Verbindungen herzustellen und den Moment wahrzunehmen, in dem etwas Vertrautes seine feste Gestalt verliert. Gerade darin liegt die besondere Qualität beider jungen Positionen: Ihre Arbeiten erzählen nicht von bereits gefundenen Gewissheiten, sondern von einer Welt im Werden – und von dem Versuch, innerhalb dieser Welt einen eigenen Ort zu finden.
Bildnachweis: Leonhard Wachter, Gegenlicht, 2026, Acryl auf Leinwand 100 x 120 cm
GALERIE SUPPER
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