HOLLY HERNDON & MAT DRYHURST. STARMIRROR
27. Juni – 11. Oktober 2026
K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf und die KW Institute for Contemporary Art freuen sich, gemeinsam eine Ausstellung und ein Live-Programm mit den Künstlerinnen und Technologinnen Holly Herndon und Mat Dryhurst zu realisieren.
Kuratorin: Agnieszka Skolimowska
Pressevorbesichtigung: Donnerstag, 25. Juni 2026, ab 10 Uhr im K21
Pressekonferenz: Donnerstag, 25. Juni 2026, 11 Uhr im K21
Eröffnung: Freitag, 26. Juni 2026, 19 – 22 Uhr im K21
KW Institute for Contemporary Art
18.10.2025 – 11.1.2026
Kuratorinnen: Emma Enderby & Liberty Adrien
Assistenzkuratorin: Linda Franken
Wir wollen nicht nur eine neue Art von Ausstellung präsentieren, sondern auch eine Infrastruktur – ein offenes Protokoll – bereitstellen, das andere in Zukunft nutzen können. – Holly Herndon und Mat Dryhurst
Holly Herndon (1980, USA) und Mat Dryhurst (1984, GB) sind international bekannt für ihre Arbeit an der Schnittstelle von Kunst, Musik, maschinellem Lernen und experimentellen Organisationsformen. In ihrer breit gefächerten Praxis setzen sie sich mit der ungleichen Verteilung von Macht durch den Einsatz von KI-Technologien und virtuellen Ökosystemen auseinander. Sie schaffen Datenprotokolle als Medium von Möglichkeiten und nutzen sie, um neue Arrangements zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz zu
erproben.
Mit „Starmirror“ verwandeln Herndon und Dryhurst die Ausstellungsräume des K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in ein Trainingsgelände für die kollaborative Produktion von Kunst und Musik zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz. In Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro sub schaffen sie eine immersive Klanginstallation, die gleichzeitig als Aufnahmestudio und Hörumgebung sowie als lebendiges Archiv dient. Hier werden die Verbindungen zwischen kollektivem Gesang und der kollektiven Natur von KI greifbar gemacht.
Während der Ausstellungslaufzeit sind die Besucherinnen eingeladen, an mehreren Sonntagen gemeinsam mit lokalen Chören und unter der Leitung eines Vokalensembles an öffentlichen Gesangsaufnahmen teilzunehmen. Im Wechselspiel von Call and Response (Ruf und Antwort) werden dabei Gesänge aus einem von den Künstlerinnen eigens für das Projekt entwickelten Gesangsbuch aufgeführt. Dieses Gesangsbuch basiert auf dem Moralitätenspiel Ordo virtutum der Benediktineräbtissin und Universalgelehrten Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert, in dem eine Seele zwischen den Kräften des Guten und des Bösen wählen muss.
KI-Chor feiert Premiere im K21
Bereits in der ersten Phase des Projekts im KW (31.10.2025–18.01.2026) wurden Aufnahmen aus Performances mit Besucherinnen gesammelt und nach dem Ende der Ausstellung in den Trainingskorpus des Modells integriert. Sie bilden die Grundlage für den KI-Chor, der erstmals im K21 zu hören ist. Darüber hinaus ist in der Klanginstallation eine Auswahl früherer kollektiver Gesangsprojekte zu hören. Sie geben Einblick in die kontinuierliche Weiterentwicklung des Modells.
Die Klanginstallation wird von Arbeiten begleitet, die zentrale Fragestellungen der künstlerischen Praxis von Herndon und Dryhurst im Bereich KI, Daten und kollektiver Produktion vertiefen. Dazu gehört Arboretum (2025), das auf Public Diffusion (2024–) basiert – einem Bildmodell, das vollständig mit Public-Domain-Daten trainiert wurde und exemplarisch zeigt, wie KI-Systeme auf einer rechtlich unbedenklichen Datenbasis entwickelt werden können. Die Starmirror-App ermöglicht es Nutzerinnen, den Bilddatensatz von Public Diffusion aktiv zu ergänzen. Zusammen bilden diese Elemente ein öffentliches KI-Protokoll, in dem menschliche Stimmen, technische Systeme und maschinelle Prozesse miteinander interagieren.
Mit The Hearth wird zudem eine akustische Orgel aus GPU-Lüftern präsentiert, die normalerweise zur Kühlung von Grafikprozessoren für KI-Modelle dienen. Durch digitale MIDI-Signale gesteuert, erzeugen die beschleunigten und abgebremsten Lüfter Melodien. Die von The Hearth gespielten Stücke eröffnen einen historischen Blick auf frühe Formen musikalischer Speicherung, Notation und Rechtepolitik. Sie verweisen auf Systeme der Standardisierung und Kontrolle von Musik, die in der künstlerischen Praxis von Herndon und Dryhurst im Kontext von KI, Trainingsdaten und Urheberrechten reflektiert werden.
Die Ausstellung greift eine entscheidende Lücke in der öffentlichen Wahrnehmung von Künstlicher Intelligenz auf: Sie bietet eine nachvollziehbare und partizipative Erfahrung von menschlicher Arbeit und Interaktion an, die ihr zugrunde liegt. Die Komplexität von KI wird hier zu einem kollektiven Prozess, der durch die Beteiligten verkörpert wird. Während Hildegard von Bingen sich mit der Hierarchie der Engel beschäftigte, sind es bei Herndon und Dryhurst die Hierarchien technischer Protokolle und ihre unsichtbare Rolle bei der Gestaltung der uns umgebenden Welt.
Mit der Ausstellung „Holly Herndon & Mat Dryhurst. Starmirror“ werden Besucher*innen eingeladen, sich mit den Auswirkungen Künstlicher Intelligenz und den damit verbundenen aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Zugleich steht die Präsentation im Kontext der langjährigen Beschäftigung des K21 mit neuen Technologien und digitaler Kultur. Diese spiegelt sich unter anderem in Ausstellungen mit Arbeiten von Cao Fei (2018/19), Ed Atkins (2019), Hito Steyerl (2020/21), Simon Denny (2020/21) und aktuell Jon Rafman (30.5. – 27.9.2026) wider.
Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf und den KW Institute for Contemporary Art, Berlin.
Das Ausstellungsdesign wird von dem Architekturbüro sub konzipiert.
Gefördert im Programm Kunst & KI der Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Medienpartner der Ausstellung
Monopol
Medienpartner der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen wird gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen
Programm zur Ausstellung
Sneak Peek für junge Erwachsene. Holly Herndon & Mat Dryhurst
Fr, 26.6., 16 – 17.30 Uhr
K21
Eintritt frei mit Studierenden- oder Schülerinnenausweis Begrenzte Teilnehmerinnenzahl
Keine Anmeldung erforderlich
Bereits vor der offiziellen Eröffnung haben Studierende, Auszubildende und Schülerinnen (ab Sek. II) die Gelegenheit, die Ausstellung zu erleben und mit dem Künstler Mat Dryhurst ins Gespräch zu kommen. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.
Eröffnung
Freitag, 26.6., 19 – 22 Uhr / K21 / Eintritt frei
Zur Eröffnung der Ausstellung im K21 laden wir Sie herzlich ein.
Performances
Im Rahmen der Ausstellung können Besucherinnen Teil des KI-Trainingsprozesses werden. An mehreren Sonntagen finden gemeinsame Gesangs- und Aufnahmesessions mit einem Vokalensemble und wechselnden Chören aus der Region statt. Das Einsingen folgt dem Prinzip von Call and Response (Ruf und Antwort) auf Grundlage von Hildegard von Bingens Ordo virtutum (um 1151).
Die Starmirror-Performances eröffnen eine partizipative Erfahrung menschlicher Beiträge, die in die Entwicklung von KI einfließen. Die dabei entstehenden Aufnahmen erweitern den Datensatz, der anschließend als öffentliche Online-Ressource zugänglich gemacht wird.
Termine
So, 28. 6., 16.00
junger kammerchor düsseldorf
So, 19. 7., 16.00
aura sonans
So, 27. 9., 16.00
Chor der Kantorei an der Stephanuskirche
So, 11. 10., 16.00
Heartchor Krefeld e. V.
Ensemble:
Katharina Hirtz, Ja Jess, Marina Kerdraon-Dammekens
Biografie/Hintergrund
Die in Berlin lebenden Künstlerinnen Holly Herndon (1980, USA) und Mat Dryhurst (1984, GB) sind für ihre Pionierarbeit in den Bereichen Musik, maschinelles Lernen und „Protokollentwicklung“ bekannt. Ihre weitreichende Praxis hat zu bahnbrechenden Projekten geführt, bei denen die technischen Systeme, die der kreativen Produktion zugrunde liegen, selbst Kunstwerke sind. Für Holly+ (2021) trainierten sie einen KI-Klon von Herndons Stimme, frei verwendbar von allen und mit einem Mechanismus zur Aufteilung der Gewinne aus der kommerziellen Nutzung ihrer Identität. Herndons und Dryhursts von der Kritik gefeierten musikalischen Werke, darunter Platform (2015) und PROTO (2019), die über das Label 4AD veröffentlicht wurden, wurden an bedeutenden Veranstaltungsorten wie dem Barbican in London und der Volksbühne in Berlin aufgeführt. Ihre bildnerische Praxis dokumentiert vor allem ihre neuartigen Eingriffe in Software.
Crossing the Interface (2021) war die weltweit erste Text-zu-Video-Animation und Classified (2021) bot eine neuartige Möglichkeit, Porträts von Einbettungen in Bildmodellen zu produzieren. Herndon und Dryhurst stellten zuletzt auf der Whitney Biennale 2024 aus und präsentierten xhairymutantx (2024), ein interaktives Text-Bild-Modell, das Hollys öffentliches Image manipulieren soll. Im Jahr 2024 präsentierten sie die Einzelausstellung The Call in der Serpentine Gallery in London. Im Jahr 2022 war das Duo Mitbegründer von Spawning, einer Organisation, die eine Zustimmungsebene für KI aufbaut, einschließlich Tools für Künstlerinnen wie haveibeentrained.com, Kudurru und Source.Plus. Sie wurden
2022 mit dem Ars Electronica STARTS Preis für digitale Kunst, 2024 mit Österreichs erstem Digital Human Rights Award und 2025 mit dem Kairos-Preis ausgezeichnet. Holly Herndon hat an der Stanford University in Computermusik promoviert und ist Stipendiatin des Berliner Programms Künstlerische Forschung 2024/25. Seit 2021 betreiben Herndon und Dryhurst den Podcast Interdependence, in dem sie laufend Gespräche mit einem Netzwerk von Künstlerinnen und Technologinnen führen, die sich mit Musik, KI und Krypto beschäftigen. Gemeinsam mit Hans Ulrich Obrist kuratierten sie die Ausstellung Strange Rules im Palazzo Diedo in Venedig, die das Konzept der Protokoll Art vorstellt und bis zum 22. November 2026 zu sehen ist.
sub ist ein in Berlin ansässiges Architekturbüro, das sich der Gestaltung von Räumen optimaler Relevanz und der Schaffung von Umgebungen, in denen sich Kultur entfalten kann, verschrieben hat. Ihre Arbeit basiert auf einer tiefgreifenden Erforschung soziokultureller Dynamiken, Semantik und Technologie und umfasst ein breites Spektrum an räumlichen und zeitlichen Maßstäben.
Bildnachweis: Starmirror Training Performance, Starmirror Ensemble unterstützt vom Kammerchor der Humboldt-Universität zu Berlin, Oktober 2025. Teil der Ausstellung Holly Herndon & Mat Dryhurst – Starmirror in den KW Institute for Contemporary Art, Berlin 2025. Foto: Frank Sperling
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