KUNST HAND WERK BRÜCKE
4. Oktober 2026 – 7. März 2027
Kunstmuseen Krefeld, Haus Lange
Die erste Ausstellung im Rheinland über das kunsthandwerkliche Schaffen der Brücke
Im Rahmen von HLHE Dialog: Kunst x Handwerk und parallel zur Ausstellung Handdschob, kuratiert von Slavs and Tartars (mehr Infos zu beiden Ausstellungen HIER) – Katia Baudin seit 10 Jahren Direktorin der Kunstmuseen
Kuratorin: Ann-Kathrin Hörrlein, wissenschaftliche Volontärin
Mit der Ausstellung Kunst Hand Werk Brücke richten die Kunstmuseen Krefeld vom 4. Oktober 2026 bis 7. März 2027 erstmals im Rheinland den Fokus auf einen bislang wenig erforschten Aspekt des künstlerischen Schaffens der expressionistischen Künstlergruppe Brücke: ihr Kunsthandwerk. Die Ausstellung in Haus Lange zeigt eindrucksvoll, dass Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel und Max Pechstein weit mehr waren als Maler und Grafiker. Möbelstücke, Schmuck, Wohntextilien, Bilderrahmen, Gebrauchsgegenstände oder Briefpapiere belegen ihren universellen Anspruch, Kunst und Leben untrennbar miteinander zu verbinden.
Dass das Kunsthandwerk für die vor allem als Maler bekannten Brücke-Künstler kein Randgebiet ihrer künstlerischen Praxis war, sondern Ausdruck einer umfassenden künstlerischen Haltung, ist heute gewiss. In der experimentellen Gestaltung von Holz, Metall oder Textilien entwickelten sie dieselbe radikale Formensprache, die ihre Gemälde und Druckgrafiken weltberühmt machte. Die Ausstellung zeigt, wie konsequent die Künstler ästhetische Konventionen hinter sich ließen und eine moderne Auffassung von Gestaltung entwickelten, deren Aktualität bis heute anhält. Gleichzeitig eröffnet sie einen neuen Blick auf den Wert handwerklicher Arbeit und traditioneller Techniken in einer zunehmend technologisierten und digitalisierten Welt.
Ein besonderes Augenmerk der Ausstellung gilt den Frauen im Umfeld der Brücke, deren Beitrag zur Entstehung vieler Werke lange unterschätzt wurde. Erna Schilling, Lise Gujer, Helene Spengler sowie Elisabeth Nielsen-Georgi setzten textile Entwürfe der Künstler mit großem handwerklichem Geschick um und trugen so wesentlich zur Verwirklichung ihrer künstlerischen Vorstellungen bei.
„Kunst Hand Werk Brücke erzählt die Geschichte der Brücke neu. Die Ausstellung zeigt sie als Künstlergemeinschaft, die bewusst disziplinäre Grenzen überschritt und Kunst als Teil des alltäglichen Lebens verstand. Gerade am Ausstellungsort Haus Lange wird deutlich, wie eng Kunst, Handwerk und Alltag miteinander verbunden waren – eine Perspektive, die genau unserer DNA entspricht. Anlässlich meines 10jährigen Jubiläums als Direktorin der Kunstmuseeen Krefeld freue ich mich ganz besonders auf diese Ausstellung, die ja direkt mit der von Slavs and Tartars kuratierten Ausstellung Handschobb korrespondiert.“
Katia Baudin, seit 2016 Direktorin der Kunstmuseen Krefeld
„Als ehemalige Architekturstudenten setzten sich die Brücke-Künstler intensiv mit dem Verhältnis von Raum und Kunst auseinander. Die Gestaltung des dinglichen Lebensumfeldes war dabei eine konsequente Erweiterung ihres künstlerischen Denkens und ihrer Haltung. Mit ihrer eigenständigen Ausdrucksform stellten sie sich klar der zunehmend industrialisierten Welt entgegen.“
Ann-Kathrin Hörrlein, Kuratorin der Ausstellung
Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt das von Erna Schilling bestickte Ensemble von Raumtextilien für eine Dachnische in Ernst Ludwig Kirchners Berliner Wohnatelier. Zum ersten Mal gezeigt wird zudem eine Gegenüberstellung von Kirchners Gemälde Die Familie (1927/28) mit der 1954 von Lise Gujer gefertigten Wandteppichfassung eines nahezu identischen Motivs – entstanden mehr als fünfzehn Jahre nach dem Tod des Künstlers.
Dass die Ausstellung in Haus Lange stattfindet, verleiht ihr eine zusätzliche bedeutende, historische Dimension. Die von Ludwig Mies van der Rohe Ende der 1920er Jahre für den Krefelder Seidenindustriellen Hermann Lange entworfene Wohnvilla war von Beginn an auch als Ort für dessen bedeutende Kunstsammlung konzipiert, zu der bereits Werke Ernst Ludwig Kirchners gehörten. Damit knüpft die Ausstellung gleichzeitig an die Geschichte des Hauses als Präsentationsort der Moderne an.
Die Verbindung zwischen Krefeld und der Brücke reicht jedoch noch weiter zurück: Bereits 1908 – nur knapp drei Jahre nach der Gründung der Künstlergemeinschaft – zeigte das Kaiser Wilhelm Museum als eines der ersten Museen Deutschlands Werke der Brücke und trug damit früh zur öffentlichen Wahrnehmung des Expressionismus bei. Mit Kunst Hand Werk Brücke eröffnen die Kunstmuseen Krefeld nun neue Perspektiven auf eine der bedeutendsten Künstlergruppen der Moderne. Die Ausstellung zeigt, wie eng Kunst, Handwerk und Lebensgestaltung im Selbstverständnis der Brücke miteinander verwoben waren und wie überraschend zeitgemäß dieser Ansatz noch heute erscheint.
Kunst Hand Werk Brücke ist eine Ausstellung des Brücke-Museums Berlin in Zusammenarbeit mit den Kunstmuseen Krefeld. Beim HIRMER Verlag ist ein Katalog zur Ausstellung in deutsch-englischer Sprache erschienen. Die Kunstmuseen Krefeld danken dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, der Kunststiftung NRW und der Rudolf-August Oetker-Stiftung für die Unterstützung der Ausstellung.
HLHE Dialog
Seit 2017 präsentieren die Kunstmuseen Krefeld mit der Reihe HLHE Dialog in den benachbarten Villen Mies van der Rohes die Gegenüberstellung von historischen und jüngeren beziehungsweise zeitgenössischen Positionen in Kunst, Design und Architektur, die das Erbe der Moderne immer wieder neu reflektieren. Unter dem Dialogtitel Kunst x Handwerk wird parallel zu der Ausstellung in Haus Lange die von Slavs und Tatars kuratierte Ausstellung Handdschob in Haus Esters gezeigt.
Bildnachweis: Erna Schilling, Tischdecke, 1914/15, nach einem Entwurf von Ernst Ludwig Kirchner, Stickerei in Wollfäden auf Leinen, Sammlung Brücke-Museum
Haus Lange Haus Esters
Wilhelmshofallee 91–97
47800 Krefeld
kunstmuseenkrefeld.de