10. Februar – 08. Mai 2022

Kunstmuseum Bonn


Wie eine emotionale und künstlerische Zerreißprobe spannt die Ausstellung Maria Lassnig. Wach bleiben einen Bogen von den frühesten Werken der Künstlerin (1919-2014) bis hin zum letzten großformatigen Bild ihres Œuvres. Die im Titel angedeuteten Konnotationen von „nicht müde werden, sich nicht ausruhen“ und zugleich von geistig „aufmerksam, neugierig bleiben“ charakterisieren nicht nur Lassnigs Werk, sondern auch ihre durchaus markante Persönlichkeit.

Mit fast 40 Arbeiten zeigt das Kunstmuseum Bonn eine signifikante Auswahl von Werken der Künstlerin, deren motivischer Leitfaden die Auseinandersetzung Lassnigs mit sich selbst, ihrer (Körper-)Wahrnehmung sowie die Präsenz des „Anderen“ bildet. Die kreative Zerrissenheit ihres Denkens spiegelt sich in den einzelnen thematisch gefassten Ausstellungsräumen wider – z.B. in Sprache vs. Sprachlosigkeit oder Fotografie vs. Malerei. Der bildsprachliche Ursprung ihrer Werke als Form des visuellen Denkens und der leiblichen Erkenntnis beruht auf intensiver Selbstwahrnehmung. Diese Wahrnehmung ist exklusiv, Selbstisolation ist eine Konsequenz daraus, Unzulänglichkeiten in der sozialen Kommunikation eine andere.

Im Bildfindungsprozess konzentriert sich Lassnigs Wahrnehmung nicht allein auf das Auge. Vielmehr avanciert ihr gesamter Körper zur Grundlage ihres künstlerischen Schaffens, das für die Betrachtenden, besonders in Zeiten der Pandemie und der Erfahrung von Isolation und Selbstbeobachtung eine mehr als aktuelle Relevanz gewinnt. Auf geradezu visionäre Art und Weise machen ihre Werke die Zerrissenheit unserer – sich grundlegend verändernden – Körperempfindungen am beginnenden 21. Jahrhundert sichtbar. Maria Lassnig hat paradoxerweise, obgleich sie sich intensiv auf ihr Selbst konzentriert, weit über das individuelle Sein hinausgehende Bilder von existenzieller Bedeutung geschaffen.

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Maria Lassnig Stiftung, die Kunststiftung NRW, die Stiftung Sparkasse der in Bonn und Zanotta.

Bildnachweis: Maria Lassnig, Du oder Ich, 2005, Privatsammlung, Courtesy Hauser & Wirth Collection Service, Foto: Stefan Altenburger Photography Zürich / Maria Lassnig, Selbstporträt unter Plastik, 1972, Collection de Bruin-Heijn (rechts),  beide Abbildungen: VG Bild-Kunst, Bonn 2021


KUNSTMUSEUM BONN
Helmut-Kohl-Allee 2
D -53113 Bonn
T +49 (0)2 28-77 6209  F -6206                              
kristina.thrien@bonn.de     
www.kunstmuseum-bonn.de



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