SOUTH BY SOUTHEAST
6. April bis 18. Mai 2025
Kunstverein KunstHaus Potsdam
Seonah Chae, Snow Paik, Fabian Reetz, Alina Simmelbauer
Vernissage: 6. April, 16 Uhr
Es sprechen: Martin Gorholt, Vorsitzender Kunstverein KunstHaus Potsdam
Sophia Pietryga, Künstlerische Leitung, Kuratorin
Die Künstler:innen sind anwesend
Die Ausstellung “South by Southeast” vereint vier künstlerische Positionen unterschiedlicher Sparten: Video, Fotografie, Skulptur und Installation sind vertreten, mit Materialien wie Schiefer, Holz, Aluminium, Eis, Harz und Erde wird gearbeitet. Auch die Biografien der vier Künstler:innen sind sehr verschieden: Zwei von ihnen kommen ursprünglich aus Südkorea, haben aber aus der Generation ihrer Großeltern ebenfalls familiäre Beziehungen zu Nordkorea. Die anderen beiden kommen aus der ehemaligen DDR. Gemeinsam haben sie alle die Erfahrung des geteilten Landes. In ihrer jeweiligen künstlerischen Praxis verhandeln sie Themen, die aus ihrer jeweiligen Herkunft und damit verknüpften familiären Geschichte resultieren.
Seonah Chaes (*1990 in Incheon, Südkorea) Großeltern verloren mit der Teilung Koreas nicht nur ihre Heimat Pjöngjang, aus der sie in den Süden des Landes flohen, sondern auch Teile ihrer Familie, die im Norden verblieben und von da an abgeschnitten von jeglichem Kontakt zum Süden waren. Chae ist
die dritte Generation nach diesem Erleben und trotz langem Unwissen über Details der Geschichte, ist
dieses in sie eingeschrieben, hat seine Spuren hinterlassen. Die Erlebnisse ihrer Großmutter sind
nur noch Erzählungen, aber auch lautes Schweigen und eine über die Generationen weitergegebene,
abstrakte „Gefühlserbschaft“ (Sigmund Freud). Das Hauptelement von Chaes Arbeit bilden Zeichnung
und Malerei, die sich filigran durch ihr Werk ziehen. Als Grund dafür nutzt sie vorgefundene Materialien, zum Teil Platten von Möbeln oder Metallteile, die sie auf den Straßen Berlins findet. Die Installation zieht
sich durch ihre gesamte Arbeitsweise, indem sie ihre Arbeiten immer in Kontext zum Raum setzt.
Snow Paik (*1986 in Yeosu, Südkorea) hat eine ähnliche Familiengeschichte: Sein Großvater kam ursprünglich aus Nordkorea und erst kurz vor der Teilung in den Süden des Landes. In Paiks Erinnerung durchzieht die Kommunikation mit dem stummen Norden sein Erleben mit den Großeltern. In Ausflügen sind sie in seiner Kindheit häufig in die Nähe der Grenze gefahren, um mit einem Fernglas auf die andere Seite zu schauen und die Geräusche und Gerüche wahrzunehmen, die über die Grenze getragen wurden. Künstlerisch setzt sich Paik zum einen mit seinen persönlichen Erfahrungen auseinander, setzt diese aber auf eine Ebene mit naturwissenschaftlichen Phänomenen und verarbeitet sie in meist skulpturalen und installativen Momenten. Ein häufiger Werkstoff ist dabei Eis, das er zu Skulpturen formt, die dann in der Ausstellung schmelzen. Eingefärbt mit Tinte und Pigmenten tropft das geschmolzene Eis auf auf dem Boden liegende Papierbahnen, sodass ein mit dem Zufall komponiertes neues Bild entsteht.
Alina Simmelbauer (*1981) arbeitet in ihrer Serie “Garcías Tochter” ihre eigene Identität und Geschichte auf: 2011 begann sie nach ihrem Vater zu suchen, der als einer von zehntausenden Arbeitsmigrant:innen aus Kuba in die DDR kam, um für ca. vier Jahre dort zu arbeiten. Die Aufenthaltstitel der Arbeitsmigrant:innen waren jeweils an den Arbeitsvertrag geknüpft, sodass sie – ohne Rücksicht auf die persönliche Situation – mit Erlöschen des Vertrages auch ihr Aufenthaltsrecht verloren. Familiäre Beziehungen zwischen Arbeitsmigarant:innen und Bürger:innen waren weder erwünscht, noch akzeptiert – passierten aber nicht selten. In “Garcías Tochter” setzt sich Simmelbauer künstlerisch mit dieser persönlichen Geschichte auseinander, die exemplarisch für das wenig aufgearbeitete Thema steht. Neben der fotografischen Dokumentation ihrer Suche in einem fremden Land zeigt sie Porträts von Nachfahren mit persönlichen Erinnerungsstücken und Archivalien die verdeutlichen, wie sehr abstrakte politische Entscheidungen tausende Menschen und Familien bis heute prägen.
Fabian Reetz (*1997 in Bad Salzungen) setzt sich in seiner fortlaufenden Serie “East German Gothic Studies” mit dem traditionellen Schieferbergbau in Thüringen und der Gothic-Subkultur in der DDR der 80er Jahre auseinander und untersucht gleichzeitig die Identitätsbildung vor und nach der Wende, insbesondere unter wirtschaftlicher Unsicherheit und staatlicher Kontrolle, die subkulturelle Ausdrucksformen stark prägten. In Skulptur, Installation und Video arbeitet er mit historischen, teils dokumentarischen Artefakten und tradierten Materialien, die er in seine künstlerische Handschrift überführt und damit die ästhetische und gesellschaftliche Bedeutung von Vergangenheit und Erinnerung verhandelt. In der Ausstellung stehen drei Arbeiten, ein Video, eine gelaserte Papierarbeit und eine Skulptur aus Holz und Schiefer stellvertretend für das umfassende Gesamtwerk “East German Gothic Studies”.
Die Ausstellung wird kuratiert von Sophia Pietryga.
Veranstaltungen
Sonntag, 11. Mai
KunstHaus x Kunstraum x Villa Schöningen
Fahrradtour zu drei Potsdamer Ausstellungshäusern
Sonntag, 18. Mai 16 Uhr
Finissage
Bildnachweis: Alina Simmelbauer, aus der Serie: Garcías Tochter, 2020
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