ULRICH PESTER „LET THE DISTANCE KEEP US TOGETHER“
1. – 22. Juni 2025
Haus Mödrath, Kerpen
Mit der Ausstellung Have Love Will Travel präsentiert das Haus Mödrath seit dem Herbst 2024 eine umfassende Werkschau von Walter Dahn. Kurz nach der Eröffnung verstarb der Künstler – ein plötzlicher, schmerzlicher Verlust.
Die Monate der Ausstellungsvorbereitung waren von intensiven Gesprächen geprägt, in denen Walter Dahn immer wieder auf seine Zeit als Professor in Braunschweig zurückkam. Was er dort fand – und weitergab – war weit mehr als Lehre: Es waren lebenslange künstlerische Dialoge, gewachsene Beziehungen, Freundschaften. Für ihn waren seine ehemaligen Studierenden keine Schüler, sondern Weggefährten – gleichwertige Stimmen in einem gemeinsamen künstlerischen Gespräch. Als Hommage an diese besondere Verbindung zeigt das Haus Mödrath im Rahmen der laufenden Dahn-Ausstellung monatlich wechselnde Präsentationen im Atelier – jeweils mit einer Position aus diesem Kreis. Aktuell zu sehen: Ulrich Pester.
Ulrich Pesters Arbeiten wirken wie Momentaufnahmen einer Szene, deren Handlung sich dem Zugriff entzieht. Einzelbilder, die wie aus einem Filmstreifen herausgelöst scheinen – Fragmente, in denen Bewegung mitschwingt. Die Leinwände sind bevölkert von wiederkehrenden Motiven, figurativen Andeutungen, skizzenhaften Formen, die sich der eindeutigen Lesbarkeit entziehen. Gerade durch diese Offenheit entsteht ein Gefühl von erzählerischer Spannung – als ob etwas begonnen hätte, dessen Fortsetzung sich außerhalb des Bildes abspielt. Anfang und Ende bleiben ungewiss, der Bildraum fungiert als Schnittstelle einer größeren Erzählung.
Die Wiederholung einzelner Figuren innerhalb eines Bildes erzeugt einen Rhythmus, der das Auge fesselt. Kleine Unterschiede werden zu Beobachtungen, das scheinbar Spontane entpuppt sich als sorgfältig gesetztes Spiel. Die Szenen lenken die Wahrnehmung – nicht frontal oder direktiv, sondern subtil, fast beiläufig. In dieser Beiläufigkeit liegt eine große Präzision.
Es sind Bilder, die Erinnerungen anstoßen – an Träume, an unbestimmte Stimmungen, an Momente aus der Kindheit, die kippen, sich verändern, wieder aufleuchten. Pesters Malerei ist konturenarm, aber nicht unbestimmt. Sie schafft Raum für Assoziation, für emotionale Resonanz.
Gezeigt wird eine Auswahl an Arbeiten aus verschiedenen Werkphasen: von frühen Bildern aus der Studienzeit bei Walter Dahn bis hin zu neuen Leinwänden, die diesen Dialog auf ganz eigene Weise weiterführen.
Ulrich Pester, geboren 1980 in Hannover, studierte von 2004 bis 2010 an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig bei Walter Dahn. Er lebt und arbeitet in Köln.
Bildnachweis: Ulrich Pester, Ohne Titel (Entwurf zu Walters alternativer Titelidee), 2024, Eitempera auf Leinwand, 70 x 50 cm, © der Künstler
Haus Mödrath
An Burg Mödrath 1
50171 Kerpen