JULIAN ROSEFELDT “NOTHING IS ORIGINAL“
24. Mai – 16. September 2025
C/O Berlin
Mit Nothing is Original widmet C/O Berlin dem Künstler und Filmemacher Julian Rosefeldt eine umfassende Werkschau, die erstmals Arbeiten aus insgesamt 30 Jahren versammelt. Mit bislang unveröffentlichten Storyboards, Skizzen, Set-Fotografien und Making-Of-Dokumentationen gewährt sie einen seltenen Einblick hinter die Kulissen seiner Bildproduktion.
Rosefeldt gehört zu den bedeutendsten Kunst- und Filmschaffenden der Gegenwart. Mit seinen aufwändig inszenierten Film- und Videoinstallationen bespielt er museale Räume, Theater und Opernhäuser, Kinosäle und postindustrielle Areale und hinterfragt dabei stets die Mechanismen der Bildproduktion sowie die Konstruktion von Narrativen und Ideologien. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Fiktion und dokumentarischer Recherche, zwischen Inszenierung und Analyse.
Ein zentrales Thema in seinem Werk ist die Dekonstruktion von klassischen Filmgenres und TV-Formaten. Indem er Western- und Gangster-Filme, Slapstick und Science-Fiction, aber auch Nachrichtensendungen und Seifenopern in ihre erzähl-erischen Grundelemente zerlegt, macht er ihre Strukturen sichtbar. So greift er in American Night (2009) ikonische Motive des Westerns auf – vom einsamen Reiter in der Prärie bis zur Saloon-Prügelei – und durchbricht die vertraute Bildwelt mit unerwarteten Zitaten aus Film, Politik und Popkultur. Diese Technik des Aneignens und Zitierens verbindet sich mit einer medienarchäologischen Herangehensweise, in der Rosefeldt Archivmaterial und Found Footage nutzt, um stereotype Erzähl-weisen, Geschichtsmythen und kulturelle Ordnungssysteme freizulegen. Er collagiert und rekombiniert bestehende Bilder, Texte und filmische Elemente und schafft so neue Bedeutungsebenen. Auch der Ausstellungstitel Nothing is Original verweist auf dieses Prinzip: Er stammt aus den Golden Rules of Filmmaking von Jim Jarmusch, der seinerseits Jean-Luc Godard zitierte. Darin heißt es: „Steal from anywhere that resonates with inspiration or fuels your imagination. […] It’s not where you take things from – it’s where you take them to.“
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit Geschichte und Ideologien. Immer wieder reflektiert Rosefeldt die bis in die Gegenwart führenden Spuren der NS-Zeit, aber auch den Wandel politischer und gesellschaftlicher Erzählungen. In der 4-Kanal-Installation Meine Heimat ist ein düsteres, wolkenverhangenes Land (2011) setzt er sich mit dem deutschen Heimatbegriff auseinander und hinterfragt die ideologische Aufladung von Landschaft und Nationalgefühl.
Gleichzeitig interessiert ihn der Blick hinter die Kulissen: Viele seiner Werke thematisieren die Übergänge zwischen Bühne und Backstage, zwischen Fiktion und Realität. Indem er filmische Produktionsprozesse sichtbar macht, setzt er sich mit dem Medium und dessen Rolle bei der Konstruktion von Wirklichkeit auseinander. Diese Reflexion über Film und Inszenierung zeigt sich in Rosefeldts intermedialer Arbeitsweise. Seine Filme befassen sich nicht nur mit gesellschaftlichen Narrativen, sondern auch mit dem Kino selbst – als Archiv, Experimentierfeld und Mythenmaschine.
Mit Nothing is Original eröffnet C/O Berlin nicht nur einen umfassenden Einblick in Rosefeldts filmisches Werk, sondern auch in seinen kreativen Schaffensprozess. Eine begleitende Publikation wird bei Spector Books erscheinen und gewährt einen vertiefenden Blick auf die künstlerische Methodik Rosefeldts.
Ermöglicht durch
Hauptstadtkulturfonds
Bildnachweis: American Night, 2009 © Julian Rosefeldt, VG Bild-Kunst, Bonn 2025
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