30. Mai bis 9. August 2026
Kunstverein Bielefeld


Anna Budniewski, Christine Sun Kim, Brandon LaBelle, Karolin Meunier, Luzie Meyer, Miriam Stoney, Anna R. Winder

Die Gruppenausstellung read to/for – I read to sense the doubling of time versammelt Arbeiten von Anna Budniewski, Christine Sun Kim, Brandon LaBelle, Karolin Meunier, Luzie Meyer, Miriam Stoney und Anna R. Winder und reflektiert in Verbindung mit dem titelgebenden Satz der Dichterin Lisa Robertson Lesen als ästhetische Praxis. 

Robertson beschreibt Lesen als einen Raum zeitlicher Überlagerungen, in dem Bedeutung beweglich bleibt, sich verschiebt, sammelt und zugleich entzieht. Im Lesen kreuzen sich unterschiedliche Zeitlichkeiten: die Zeit des Textes, ebenso wie die Zeit der Lektüre, die sich im Vollzug des Lesens immer wieder neu aktualisiert. Lesen ist demnach auch immer ein Nachträglich- und Gleichzeitigsein. Unterschiedliche Zeiten und Seinsweisen stehen dabei nicht für sich allein, sondern geraten in Schwingung, in Differenz und Nachhall und bilden eine rhythmische Bewegung. 
 
So ist Lesen immer auch ein Hören im Kopf – ein innerer Takt mit eigenem Tempo, Pausen und Wiederholungen, der den Leseakt als auditive Praktik prägt sowie als multisensorische Erfahrung reflektiert. 

In diesem Zusammenhang eröffnet die Ausstellung die diesjährige Auseinandersetzung des Kunstverein Bielefeld mit dem Sinnesorgan „Ohr“ und dessen Verbindung zum Lesen und Formen des (Zu-)hörens. 

Die Ausstellung versteht sich als ein Produktions- und Experimentierraum, in dem installative Setzungen, Lesungen und Performances in wechselnde Konstellationen treten. Die eingeladenen Künstler:innen arbeiten jeweils mit Text als Bestandteil ihrer Praxis und verbinden Lese- und Schreibpraktiken mit Installation, Video und Sound. 

Die gezeigten Arbeiten befragen unter anderem die Performativität von Sprache und nutzen genreübergreifend Schreibpraktiken, in denen Text unter anderem durch Fragmentierung, poetische Setzungen und vokale Dimensionen in unterschiedliche mediale und räumliche Situationen überführt wird. Lesen erscheint dabei als Zugriff ebenso wie als Verschiebung – als Übersetzung zwischen unterschiedlichen Sprachformen (gesprochen, geschrieben, gebärdet, gehört) sowie als Prozess des Entzifferns, Recherchierens und Spekulierens zwischen (Un-)Lesbarkeiten, (Nicht-)Wissen und Begehren. Ebenso erscheint Schreiben in der Ausstellung als Ausgangspunkt installativer und performativer Arbeiten, in denen Lesen, Körper und Raum als miteinander verbundene Wahrnehmungs- und Bedeutungsprozesse erfahrbar werden. Kuratiert von Victoria Tarak.

Bildnachweis: Grafik Max Schropp 


KUNSTVEREIN BIELEFELD
Welle 61
33602 Bielefeld
T +49 (0) 521.17 88 06
F +49 (0) 521.17 88 10
kontakt@kunstverein-bielefeld.de
www.kunstverein-bielefeld.de

Do–Fr, 12:00–18:00
Sa–So, 13:00–19:00
Mo–Mi, nach Vereinbarung

(Visited 38 times, 38 visits today)