6. bis 27. September 2026
Kunstverein Region Heinsberg


Malerei und Papierarbeiten

Im Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens steht eine weitgehend gegenstandslose, persönlich expressive Malerei. Dabei geht es nicht um eine konstruierte Abstraktion, sondern um die unmittelbare Auseinandersetzung mit Farbe, Material und den eigenen Empfindungen. Walters beschreibt ihren künstlerischen Antrieb als inneren Drang, Gefühle auszudrücken, sie aber zuweilen auch zu verbergen. Ihre Arbeiten entstehen aus einem fortwährenden Dialog der bildnerischen Mittel. Farbe, Pinselduktus, Linie, Fläche, Form, Schriftfragment und Komposition treten miteinander in Beziehung. Übermalungen, Auslassungen und fragmentarische Spuren erzeugen ein Wechselspiel von Sichtbarkeit und Verbergen. Lesbare Schrift kann sich dabei in abstrakte Zeichen verwandeln; Farbspuren und Linien werden zu Trägern von Erinnerung, Empfindung und persönlicher Bedeutung. Eine besondere Bedeutung hat für Walters die Auseinandersetzung mit dem Material.

Neben der Malerei auf Leinwand entwickelt sie vielfältige Techniken mit Papier, Glas und collagierten Bildträgern. Materialien werden nicht lediglich als Untergrund eingesetzt, sondern in ihren eigenen Eigenschaften erforscht und zum Bestandteil der künstlerischen Aussage. Transparenz, Reflexion, Faltung, Relief und Überlagerung erweitern die zweidimensionale Malerei um räumliche und haptische Dimensionen. Insbesondere die Verbindung von Leinwand und bemaltem Glas eröffnet ein Spiel zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Das Glas kann darunterliegende Bildschichten teilweise freigeben, verschleiern oder vollständig verbergen. Dadurch entstehen Tiefe, Transparenz und eine wechselnde Wahrnehmung des Bildes. Das Verborgene wird zur Spur, zur Erinnerung und zum Geheimnis. Auch die intensive Arbeit mit Papier führt Walters über die klassische Bildfläche hinaus. Gesammelte Papiere werden bemalt, gezeichnet, beschriftet, gefaltet, geriffelt und miteinander verbunden. Aus diesen Bildträgern entstehen zunehmend reliefartige und schließlich dreidimensionale Arbeiten.

In ihren Künstlerbüchern verbindet sie Malerei, Zeichnung und Schrift mit der körperlichen Form des Buches. Die Bücher sind dabei keine literarischen Werke im herkömmlichen Sinn, sondern visuelle Träger von Emotion, Erinnerung, Nähe und Verletzlichkeit. So entwickelt Christa Walters aus der Malerei heraus eine eigenständige, materialbezogene Bildsprache, in der Spur, Schichtung, Transparenz und Fragment eine zentrale Rolle spielen. Ihre Kunst bewegt sich zwischen Malerei, Zeichnung, Collage und Objekt und hinterfragt dabei immer wieder die Grenzen dessen, was ein Bild sein kann.

Die Ausstellung „Große Freiheit Nr. 1“ gibt Einblick in diese vielschichtige künstlerische Entwicklung. Sie zeigt eine Kunst, die ihre Wirkung nicht aus der Darstellung konkreter Gegenstände bezieht, sondern aus dem offenen Dialog von Material, Farbe, Zeichen und persönlichem Ausdruck. (Maria Sieberg)

Vita:

1948 geboren in Heinsberg
Europäische Kunstakademie, Trier
Seit 1983 freischaffende Künstlerin
Arbeiten in öffentlichen Sammlungen
Lebt und arbeitet in Heinsberg

Bildnachweis: Walters,Christa: 511189 – o.T., 140 x 100 cm, Mischtechnik, 2018, Foto: Uwe Piper


Kunstverein Region Heinsberg
Horster Hof 1
52525 Heinsberg

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