9. September bis 31. Oktober 2026
MIETTINEN COLLECTION


PUBLIC OPENING // 09. September 2026,
17–20 Uhr, Einlass ab 12 Uhr

ARTIST TALK // 12. September 2026, 16 Uhr
Saskia Trebing x Hannah Hallermann

MIETTINEN COLLECTION
Marburgerstraße 3, 10178 Berlin
 
ÖFFNUNGSZEITEN
Samstags 12–18 Uhr und nach Vereinbarung

ÖFFNUNGSZEITEN ZUR BERLIN ART WEEK 2026
10.–13.September, 12–18 Uhr

SEWING heißt nüchtern, fast lakonisch die Ausstellung der Bildhauerin und Konzeptkünstlerin Hannah Hallermann (geb. 1982) in der Miettinen Collection. In ihrer raumfüllenden Installation vereint sie Performance, Bogenschießen, Textilarbeiten, Readymades und Video zu einer vielschichtigen Arbeit.

Diese verändert sich mit jedem Perspektivwechsel – von einem reduzierten, magischen oder rituellen, Patti-Smith-artigen Raum, den man wie eine intime Bühne betreten kann, über eine Art dreidimensionaler Zeichnung, in der Elemente von Dada und Konstruktivismus nachhallen, bis hin zu einzelnen Skulpturen, die auf Post-Minimal, Fluxus und feministische Avantgarde reagieren könnten.

Doch Hallermann führt diese Traditionen nicht fort, sondern extrahiert aus ihnen Strategien und Motive, mit denen sie eine neue, ambivalente Formensprache für die Gegenwart konstruiert. In ihrer Installation verschmilzt sie zwei Pole der feministischen Kunst der 1970er- und 1980er-Jahre. 

In dieser Ära entstanden Performances und Werke, die die Sphären des Häuslichen, der Kindererziehung und der Care-Arbeit als Ausdruck patriarchaler Herrschaft und Ausbeutung radikal infrage stellten. Auf der anderen Seite entstanden Performances und Werke, die sich mit Gewalt, Widerstand und der Figur der „gefährlichen“ Frau sowie weiblicher Rebellion auseinandersetzten.

Beide Motive – die Sphären von Fürsorge und Häuslichkeit sowie die kämpferische, aggressive Frau mit der Waffe – wurden dabei fast nie zusammen, sondern stets als Gegensätze verhandelt. Hallermann bricht mit dieser Binarität und führt sie in SEWING zusammen: als ambivalenten Akt, in dem die Grenzen zwischen Gewalt und Reparatur, Zerstörung, Heilung und Neuschöpfung verschwimmen.

Ihre Installation gehört ganz in die katastrophale Gegenwart – zu der Zerrissenheit und Polarisierung der Gesellschaften, dem Prekären und Improvisierten, mit dem Menschen überleben müssen, sowie der enormen Anspannung, unter der Demokratien sowie ökologische und soziale Gefüge stehen. 

Text: Oliver Koerner von Gustorf (Auszug)

200 PFEILE / EDITION / SEWING
Parallel zur Ausstellung erscheint eine Edition. Aus dem Gedanken, eine Waffe in ein Werkzeug für Verbindung und Reparatur zu verwandeln, entwickelt Hallermann eine soziale Plastik: 200 gespendete Pfeile werden zu Nadeln umgearbeitet und jeweils mit einem Band aus dem Familiennachlass versehen. Die Arbeiten werden für je 500 Euro angeboten. Käufer entscheiden, ob der Erlös Frauenhäusern oder Projekten der Täterprävention zugutekommt. Insgesamt sollen 100.000 Euro für diesen Zweck gesammelt und gespendet werden.

ÜBER HANNAH HALLERMANN
Die in Berlin lebende Bildhauerin und Konzeptkünstlerin Hannah Hallermann (HAHA) verbindet in ihrem vielschichtigen Ansatz klare, minimalistische Formen mit komplexen gesellschaftlichen Fragestellungen. Ihre Arbeiten eröffnen Räume für mögliche Handlungsweisen und fördern eine freiere Form des gesellschaftlichen Miteinanders – eine, die Verletzlichkeit ebenso zulässt wie Widerstandskraft.

Ihre Arbeiten sind derzeit in der 7. Skulpturen-Triennale Bingen, VERBINDUNG UND ZUSAMMENHALT, zu sehen (bis 4. Oktober 2026). Zu den kommenden Gruppenausstellungen zählen UNRUHE in der MaHalla Berlin (8.–13. September 2026), Tell Me Where Home Is im Kunstmuseum Wolfsburg (19. September 2026–17. Januar 2027) und Baggage Claim in Mexiko-Stadt (ab 21. November 2026).

Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen zählen ADJUSTING (2026) in der Sexauer Galerie in Berlin und In Between Beyond (2023) im kjubh Kunstverein e. V. in Köln. Werke Hallermanns befinden sich unter anderem in der Sammlung Hoffmann, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) und der Miettinen Collection.

Sie erhielt zahlreiche Stipendien und Förderungen, darunter ein Stipendium der Pollock-Krasner Foundation (2020), eine Förderung der Stiftung Kunstfonds (2020) und ein Sonderstipendium des Landes Berlin (2022). 2022 erschien bei Hatje Cantz ihr Buch Tools and Tales for Transformation, in dem sie ihre künstlerische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichem Wandel und den Möglichkeiten von Transformation vertieft.

Bildnachweis: Hannah Hallermann Sewing (videostill), 2026 © Studio HAHA


MIETTINEN COLLECTION
Marburgerstraße 3, 10178 Berlin |
Erdgeschoss
Mi.–Sa. 12.00–18.00 Uhr |
Eintritt frei

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