5. September 2026 – 7. Februar 2027
Das Minsk Kunsthaus


PRESSEVORBESICHTIGUNG

3. SEPTEMBER, 11 UHR  
Es sprechen: Anna Schneider, Direktorin DAS MINSK Marie Gerbaulet, Kuratorin der Ausstellung „Annemirl Bauer. Bruch ist in der Welt“ Daniel Milnes, Kurator der parallel laufenden Ausstellung „Die Keramikwerkstatt von Wilfriede Maaß“ im Kabinett des MINSK Außerdem anwesend sein wird Amrei Bauer, Nachlassverwalterin sowie Gründerin und Kuratorin des Annemirl Bauer Hauses in Brandenburg. Akkreditierung bitte bis zum 2.9.2026 hier: weissbacher.artpress@uteweingarten.de

DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam zeigt ab dem 5. September 2026 eine umfassende Retrospektive, die sich dem künstlerischen Schaffen von Annemirl Bauer (geb. 1939 in Jena, gest. 1989 in Ost-Berlin) widmet. Mit Annemirl Bauer wird eine kritische und unabhängige Stimme aus der DDR und eine Künstlerin präsentiert, der die kunsthistorische Wahrnehmung lange verwehrt blieb.   Aus über drei Jahrzehnten ihres künstlerischen Schaffens – von Ende der 1950er-Jahre bis zu ihrem frühen Tod 1989 – werden rund 150 Gemälde, Zeichnungen, Collagen und Objekte dieses außergewöhnlichen Werks gezeigt. In vier Kapiteln beleuchtet die thematisch angelegte Retrospektive Annemirl Bauers Arbeiten, die sich mit Rollenbildern und Geschlechterverhältnissen innerhalb patriarchaler Machtstrukturen, Selbstermächtigung, Menschenrechten, Umweltzerstörung und staatlicher Unterdrückung auseinandersetzen.

Die Titel der Ausstellungskapitel sind angelehnt an Worte aus Werken und Schriftstücken der Künstlerin selbst. Wie in Tagebuchaufzeichnungen hielt sie in ihren zahlreichen Werken sowohl Privates als auch Politisches fest. Sie dokumentierte unablässig, was sie sah und was sie beschäftigte. Dabei sind die Werke von Annemirl Bauer Zeugnisse ihres Selbstverständnisses als Malerin und kompromisslose Beobachterin, die sich fortwährend für soziale Gerechtigkeit einsetzte und gegen die Repressionen der SED-Politik aufbegehrte.


ZWISCHENMENSCHLICHE LANDSCHAFTEN  

Das erste Kapitel der Ausstellung widmet sich einem der Hauptthemen von Annemirl Bauers künstlerischem Schaffen: der Frage, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Dies spiegelt sich besonders in ihren Porträts und ihren Mutter-Kind-Motiven sowie in den Bildnissen ihrer Beziehungen zu anderen und zu sich selbst. Darüber hinaus wird Bauers Identität als Frau und Mutter, Mutterschaft und ihre Selbstfindung in diesen Rollen thematisiert.  Ihre Werke drücken existenzielle Gefühle wie Verlust, tiefe Verbundenheit, Abhängigkeit, Verletzlichkeit, Nähe, Abgrenzung und Abnabelung aus.  

FRAUEN, WENN WIR HEUTE NICHTS TUN, LEBEN WIR MORGEN WIE VORGESTERN  

Das zweite Kapitel stellt das Frausein ins Zentrum und rahmt die Frage nach ihrer Geschichte ein. Zu sehen sind Werke, die feministische Gegenentwürfe zur Vorherrschaft einer männlich dominierten Historiografie und Kunstgeschichte liefern. Im Fokus stehen ihre eigenen sowie die Erfahrungen anderer Frauen, um einen Gegenentwurf zum etablierten, männlich geprägten historischen Narrativ hin zu einer Bildgeschichte fern des Male Gaze zu entwickeln.    Diese Werke sind visuelle Kommentare zu Gewaltfantasien von überwiegend Männern sowie zu struktureller und staatlicher Gewalt an Frauen – gleichzeitig macht Bauer damit die andauernde Suche nach einer lebenswerten Identität innerhalb patriarchaler oder frauenverachtender Machtstrukturen sichtbar.

NICHT SCHWEIGEN WERDE ICH  

Ab den 1980er-Jahren hält Annemirl Bauer in ihren Arbeiten die sichtbaren und unsichtbaren Machtstrukturen fest, die sich durch die Realpolitik der SED zunehmend auf ihr eigenes und die Leben der DDR-Bürger:innen auswirkte. Als sensible Beobachterin und gleichzeitig Leidtragende politischer Repressionen durch das Ministerium für Staatsicherheit (MfS oder Stasi) entwickelten sich die Werke Bauers zu einer Form des künstlerischen Widerstands.    In zahlreichen Werken kritisiert sie mit Bild und Text das Scheitern der gesellschaftlichen Utopie des real existierenden Sozialismus, die Gefahr der Desinformationen und Entmündigung von Bürger:innen, die Umweltverschmutzung, den Bau der Mauer und das damit verbundene Gefühl des Eingesperrtseins und des Freiheitsentzugs sowie die spürbare Enge.

ICH WILL DEN ERDBALL SELBER ABTASTEN  

Das vierte und letzte Kapitel der Ausstellung widmet sich dem Thema »Reisen«, das Annemirl Bauer seit ihrer Kindheit faszinierte. Kurz vor ihrem frühen Tod fuhr sie 1987/88 ein letztes Mal – auf illegalem Weg mit einer Reisegenehmigung für West-Berlin – nach Spanien auf die Kanarischen Inseln. Dabei entstanden zahlreiche kleinformatige Zeichnungen. Daneben sind Reisecollagen der Künstlerin in der Ausstellung zu sehen.    Das Reisen förderte Bauers politischen Scharfsinn und lies sie neue Bildthemen und -techniken entdecken, um das Gesehene und Erfahrene unmittelbar verarbeiten zu können. Sie blieb dabei weiterhin eine kritische Beobachterin, die sich nicht auf die Darstellung beeindruckender Landschaften oder urbaner Räume beschränkte, sondern zugleich gesellschaftliche Missstände thematisierte: Motive wie die Anhäufung von Wohlstandsabfällen, die von Hochhausarchitekturen geprägten Stadtlandschaften sowie die prekäre Stellung von Frauen erscheinen dabei als visuelle Verdichtung ihrer Kritik an den sozialen und politischen Verhältnissen patriarchal geprägter Gesellschaften. Die meisten ihrer Reisewünsche blieben Bauer allerdings wegen der restriktiven Grenzpolitik der SED verwehrt.

DER AUSSTELLUNGSKATALOG

Begleitend zur Ausstellung erscheint im DISTANZ Verlag der Katalog Annemirl Bauer. Bruch ist in der Welt, der der Vielschichtigkeit des künstlerischen Kosmos von Annemirl Bauer nachspürt. 

Die Ausstellung wird kuratiert von Marie Gerbaulet mit Luisa Bachmann als kuratorischer Assistentin. Sie entsteht in enger Zusammenarbeit mit Amrei Bauer, Nachlassverwalterin sowie Gründerin und Kuratorin des Annemirl Bauer Hauses in Brandenburg.  

AUSSTELLUNG IM KABINETT DES MINSK

Die Ausstellung im Kabinettraum des MINSK zeichnet die Geschichte der Werkstatt von Wilfriede Maaß in Ost-Berlin nach. In den 1980er-Jahren war die in der Schönfließer Straße 21 gelegene Keramikwerkstatt, die nach der Wende auch zur Galerie wurde, ein wichtiger Freiraum für nichtkonforme Kunst in der DDR. Zu sehen sind von Wilfriede Maaß geformten und von verschiedenen Künstler:innen bemalten Services, Teller, Vasen und experimentelle Keramikskulpturen. Diese Objekte aus der Sammlung von Wilfriede Maaß treten in einen Dialog mit Gemälden der 1980er und 1990er-Jahren aus der Sammlung Hasso Plattner sowie mit Leihgaben von wichtigen Akteur:innen aus dem Umfeld der Werkstatt.


Die Ausstellung wird von Daniel Milnes kuratiert

Bildnachweis: Annemirl Bauer, o. T., o. J., Öl auf Holz (Schublade), 38,5 × 40,5 cm, Detail. Annemirl Bauer Archiv © VG Bild-Kunst, Bonn 2026. Foto: Jens Ziehe


DAS MINSK Kunsthaus in Potsdam
Max-Planck-Straße 17
14473 Potsdam  
presse@dasminsk.de 

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