30. August bis 27. Dezember 2026
Schloss Neuhardenberg


Als Johann Wolfgang Goethe 1778 zum einzigen Mal in seinem Leben Berlin besuchte, mied er nahezu alle prominenten Künstler und Schriftsteller der Stadt. Einen jedoch, den er besonders verehrte, suchte er gleich zweimal auf: den Illustrator Daniel Nikolaus Chodowiecki (1726–1801). Was dieser zeichnete, avancierte stets zum Bestseller. Mit seinen Buchillustrationen wurde Chodowiecki zum Superstar des boomenden Buchmarktes. Über 4000 überlieferte Arbeiten belegen seine erstaunliche Produktivität. Schon zu seinen Lebzeiten erschienen Werkverzeichnisse.

Dabei ist der Lebensweg des Künstlers eine unglaubliche Einwanderungs- und Aufstiegsgeschichte: Mit 17 Jahren kam er aus Danzig nach Berlin, wurde zunächst Kaufmann, fand erst spät über die Emailmalerei zur Druckgrafik, erlebte jenseits der Vierzig seinen künstlerischen Durchbruch und stieg schließlich zum Direktor der Preußischen Akademie der Künste auf. Durch seine hugenottische Abstammung war er eine prägende Stimme der französischen Gemeinde; er war gefragter Kunstsachverständiger und Vater einer Künstlerfamilie, in der auch seine Töchter erfolgreich mit Kunst ihren Lebensunterhalt verdienten. Seine Biografie ist von solcher Fülle, dass sie zwölf Leben ausfüllen könnte.

Zum 300. Geburtstag des Künstlers widmet ihm die Stiftung Schloss Neuhardenberg eine umfangreiche Sonderausstellung, die diesen »zwölf Leben« nachspürt. Zahlreiche Leihgaben aus bedeutenden privaten und öffentlichen Sammlungen lassen darin Chodowieckis außergewöhnliches Werk lebendig werden. Zu sehen sind unter anderem Jugendzeichnungen, Pastelle seiner engsten Familienmitglieder, Vorzeichnungen zu den wegweisenden pädagogischen Lehrbüchern von Basedow und Salzmann, Entwürfe für den Französischen Dom in Berlin, Druckplatten sowie ein bislang nie ausgestelltes Selbstporträt.

Die Ausstellung führt in ein Jahrhundert im Umbruch: in die Zeit der Aufklärung, des aufstreben den Bürgertums und der Entstehung einer modernen Mediengesellschaft, an der Chodowiecki als erfolgreichster Buchillustrator seiner Zeit entscheidend mitwirkte. Sie erzählt von intellektuellen Netzwerken, von der Frage nach dem moralisch richtigen Leben, von Familie, Glaube und Verantwortung sowie von der Frage nach der Identität eines Eingewanderten. Aus Neuhardenberg greift die Ausstellung auch einen veritablen Kriminalfall auf, den Chodowiecki illustrierte: Die »Schatzgräbergeschichte« aus Quappendorf, heute Ortsteil von Neuhardenberg, wird in der Ausstellung anhand der originalen Gerichtsakten nacherzählt.

Die Ausstellung ist Teil des Jubiläumsjahres Chodowiecki 300, mit dem 21 Institutionen in Deutschland und Polen den Druckgrafiker und sein bedeutendes Werk feiern.

Aus Anlass der Ausstellung findet am 17. Oktober die Lesung Scharfe Feder, feine Nadel. In Chodowieckis Welt statt. Boris Aljinović liest aus den Sudelbüchern und Göttinger Taschenkalendern von Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799), einer der prägenden Stimmen der deutschen Aufklärung, darunter Kommentare zu Radierungen seines Zeitgenossen Chodowiecki, in denen sich das bürgerliche Zeitalter zwischen Empfindsamkeit, Rollenspiel und sozialer Kontrolle spiegelt.

Eröffnung
So, 30. August, 15 Uhr
Eintritt frei
Anmeldung erbeten unter www.schlossneuhardenberg.de/anmeldung

Kuratorenführungen
Sa, 26. September, 15 Uhr
Sa, 17. Oktober, 15 Uhr
Sa, 28. November, 15 Uhr
Sa, 12. Dezember, 15 Uhr
Preis inkl. Eintritt zur Ausstellung: € 8,

Lesung
Scharfe Feder, feine Nadel. In Chodowieckis Welt

aus den Sudelbüchern und Göttinger Taschenkalendern von Georg Christoph Lichtenberg
gelesen von Boris Aljinović
eingerichtet von Gerhard Ahrens
Sa, 17. Oktober, 17 Uhr
Eintritt: € 25,- / ermäßigt und NHB-Card € 20,

Informationen und Eintrittskarten für Führungen und Lesung
033476 600-750 (täglich 10 bis 18 Uhr) oder unter www.schlossneuhardenberg.de

Bildnachweis: Daniel Chodowiecki, Die Zelten, um 1770, Öl auf Leinwand, 60,50 x 81,00 cm, Inv.-Nr.: VII 59/483 x © Sammlung Stiftung Stadtmuseum Berlin, Reproduktion: Oliver Ziebe, Berlin


Stiftung Schloss Neuhardenberg
Kommunikation und Presse
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