16. Oktober 2022 bis 22. Januar 2023
Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim


José Ortiz Echagüe, geboren 1886 in Guadalajara, gestorben 1980 in Madrid, war ein Tausendsassa: Der Ingenieur, Flugtechniker und Pilot überflog 1914 als erster die Straße von Gibraltar und gründete mit der Flugzeugfabrik C.A.S.A. 1923 und der Automobilfabrik SEAT 1950 zwei der erfolgreichsten Großunternehmen Spaniens. Zugleich entwickelte José Ortiz Echagüe eine intensive fotografische Arbeit mit Schwerpunkt auf der Dokumentation der spanischen Kultur, Landschaft und Architektur.

Ebenso stark wie der Drang des Ingenieurs und Unternehmers José Ortiz Echagües, die spanische Wirtschaft zu modernisieren, war der Wunsch des Fotografen in ihm, die sich im Zuge der Modernisierung wandelnden kulturellen Traditionen fotografisch festzuhalten. Auf die vom Verschwinden bedrohte archaische Welt karger Landschaften, nicht erschlossener Dörfer und ausgefallener Trachten richtete er seine Linse und realisierte Fotografien, die ihn nicht nur in Spanien berühmt machten. 1929 erhielt er in Berlin eine Ausstellung und im gleichen Jahr wurde dort sein Buch »Spanische Köpfe. Bilder aus Kastilien, Aragonien und Andalusien« veröffentlicht. Seine Publikation »España. Tipos y Trajes [Spanien. Charaktere und Kleidung]« von 1930 erfuhr in Spanien zwischen den Jahren 1933 und 1971 zwölf Neuauflagen. Weiter gliederte er sein Werk in folgende drei Bücher: »España. Pueblos y Paisajes [Spanien. Dörfer und Landschaften]«, 1939, »España Mística [Mystisches Spanien]«, 1943, und »España. Castillos y Alcázares [Spanien. Schlösser und Alcázare]«, 1956.

Sein Leben lang praktizierte José Ortiz Echagüe ein aufwendiges technisches Kohledruckverfahren, mit dem er bei jedem Abzug ein Original herstellte. Obwohl dieses ein von den Piktorialisten verwendetes Verfahren war, lehnte es Ortiz Echagüe ab, mit der fotografischen Strömung in Verbindung gebracht zu werden. Er bezeichnete sich selbst als Dokumentarist, schöpfte die kreativen Möglichkeiten des Verfahrens voll aus und nahm durch Retuschen und Effekte im Fotolabor durchaus malerischen Einfluss auf das Ergebnis der Fotografie. Zu seiner eigenen Handschrift zählt nicht nur das Festhalten an der Technik des 19. Jahrhunderts, sondern auch sein Hang zur Präzision durch genaue Kompositionen, präzis-gelenkter Lichtführung und sorgsame Auswahl des Motivs. Anerkennung erhielt Ortiz Echagüe für seine fotografischen Kompositionen auch international, als 1935 die Zeitschrift American Photography ihn als einen der drei besten Fotografen der Welt bezeichnete. 1960 stellte dann das New Yorker Metropolitan Museum of Art in einer großen Ausstellung 80 seiner Arbeiten dem Schaffen Goyas gegenüber. Ortiz Echagüe zählte zu den bekanntesten Fotografen seiner Zeit. Sein Erbe zu bewahren, hat sich die Universität von Navarra zur Aufgabe gemacht.

Die Ausstellung Fotografien der Vergangenheit. Spanien 1900 bis 1950 von José Ortiz Echagüe gibt anhand von rund 110 Vintage-Abzügen einen detaillierten Überblick über sein Schaffen. Zu sehen sind in der Opelvillen-Schau Familienbildnisse mit dem Originalkohleabzug Dorfpredigt, 1903, der den Beginn der künstlerischen Karriere des sechszehnjährigen Ortiz Echagües als Fotograf markiert.

Der Schwerpunkt liegt auf einem größeren Konvolut an Fotografien der Jahre 1910 bis 1945 aus verschiedensten Regionen Spaniens, die der Fotograf aufsuchte, um schwindende Traditionen im Bild festzuhalten und in Werkgruppen zu katalogisieren.

Alle Leihgaben stammen aus der Sammlung des Museums der Universität von Navarra, die seinen künstlerischen Nachlass pflegt und betreut. Mitorganisator dieser Ausstellung ist das Instituto Cervantes.

Kooperation: Museo Universidad de Navarra, Instituto Cervantes und Dr. Beate Kemfert, Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim Kuratorinnen: María Millán und Lucia Zaballa, Madrid Ausstellungsdauer: 16. Oktober 2022 bis 22. Januar 2023 Eintritt: 8 €, ermäßigt 4 €, Familienkarte: 12 €, freier Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre und Mitglieder des Freundeskreises der Kunst- und Kulturstiftung Opelvillen Rüsselsheim Ort: Opelvillen, Ludwig-Dörfler-Allee 9, 65428 Rüsselsheim Öffnungszeiten: Di.–Fr. 10–18 Uhr, Sa. 14–18 Uhr, So. 10–18 Uhr Sonderöffnungszeiten: 1. Weihnachtsfeiertag, Sonntag, 25. Dezember 2022, 2. Weihnachtsfeiertag, Montag, 26. Dezember 2022, jeweils 10–18 Uhr mit öffentlicher Führung um 15 Uhr und Neujahr, Sonntag, 1. Januar 2023, 12–18 Uhr

Veranstaltung: Podiumsgespräch »Ortiz Echagüe, Spaniens genialer Romantiker« mit Paul Ingendaay und Juan Manuel Bonet am Sonntag, 13. November um 11 Uhr. Karten im Vorverkauf ab September.

Paul Ingendaay war von 1998 bis 2016 Kulturkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Madrid und ist seitdem Europa-Korrespondent des Feuilletons mit Sitz in Berlin.

Der Kunstkritiker und Ausstellungsmacher Juan Manuel Bonet hat u.a. das Museo Reina Sofía und das Instituto Cervantes geleitet und ist Verfasser des Wörterbuchs der spanischen Avantgardebewegungen.

Bildnachweis: José Ortiz Echagüe, Tinajas de la Mancha, ca. 1935 © VG Bild-Kunst, Bonn 2022


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