27. April bis 30. Juni 2024
kunst galerie fürth


JOËLLE DUBOIS
ANETA GRZESZYKOWSKA
KASIA PRUSIK-LUTZ UND OLAF PRUSIK-LUTZ
OLAF UNVERZART

Familie kann man sich nicht aussuchen. Das gilt auch für das daran geknüpfte Gefühlsgeflecht, das ebenso elementar wie prägend ist und das sich im Laufe eines Lebens wandelt. Im Fokus der Ausstellung „Close to you“ steht die künstlerische Auseinandersetzung mit den eigenen Familienmitgliedern und damit verbundenen Aspekten wie Zuneigung, Empathie, Nähe und Distanz, Anwesenheit und Abwesenheit.

Die Kunstgeschichte kennt zahlreiche bewegende Zeugnisse, bei denen sich Künstlerinnen und Künstler in Werken und Bilderzyklen mit der eigenen Familie und damit verbundenen Erfahrungen befassen. Sie lassen nie kalt, ganz gleich was der Ausgangspunkt sein mag, ob das ins Werk Gesetzte eine konkrete Situation aufgreift oder eine Stimmung vermittelt, ob über Schmerzliches, Heiteres oder Alltägliches berichtet wird.

Das trifft auch auf die in der Ausstellung „Close to you“ versammelten Werke und Werkgruppen zu, in denen die beteiligten Künstlerinnen und Künstler ihren Blick auf grundlegende soziale Beziehungen richten. Auf ganz unterschiedliche Weise widmen sie sich in den gezeigten Arbeiten ihrem familiären Umfeld. Die Form des traditionellen Einzelporträts wird hierbei ebenso gewählt wie die serielle Erzählung oder das Stillleben, das stellvertretend für eine Person stehen kann.

Die Grenzen zwischen Intimität und Privatheit sind fließend, wenn derart nahestehende Personen zum Gegenstand der Kunst werden. Denn die klassische Situation des „Modellstehens“, bei dem professionelle Distanz gewahrt werden kann, greift nur bedingt. Das gegenseitige Vertrauen ist hierbei unabdingbar, und es führt im selben Moment zu einer Gratwanderung, die in allen Arbeiten mitschwingt.

Joëlle Dubois (Gent/Belgien) zeigt eine Auswahl aus ihrem Bilderzyklus „Forget me not“, in dem sie sich mit der Alzheimererkrankung ihrer Mutter auseinandersetzt. Die fröhlichen Farben und ein an Pop Art und zugleich Neue Sachlichkeit erinnernder Stil stehen hier im Kontrast zum Thema, dem schleichenden Verschwinden des geliebten Menschen. Aneta Grzeszykowska (Warschau/Polen), zeigt eine Auswahl ihrer Serie „Mama“, ein 50-teiliger Zyklus von Schwarzweiß- und Farbfotografien. Hierfür ließ sie ein lebensechtes Silikondouble von sich anfertigen, mit dem ihre kleine Tochter einen ganzen Tag lang in ganz verschiedenen Situationen agierte. Die Fotos sind rührend, lustig und aufwühlend, bisweilen alles auf einmal. Kasia und Olaf Prusik-Lutz (Nürnberg) greifen in ihrer Malerei und Objektkunst meist das Naheliegende, sie stetig Umgebende auf. So verewigen sie in ihren Bildern wiederkehrend auch die eigenen Kinder. Mitunter auf großem Format als selbstbewusste, auf beiden Beinen stehende überlebensgroße Figuren – als wüchsen sie den Eltern buchstäblich über den Kopf. Ein ebenso konstatierender wie anteilnehmender Blick kommt hier zum Tragen. Der Künstler und Fotograf Olaf Unverzart (München) begleitete seine Großmutter 2016 in ihrem 100sten Lebensjahr. Die bei den regelmäßigen Besuchen entstandenen Fotografien sind ein berührendes Zeugnis des Vertrauens zwischen Enkel und Großmutter. Sie erschienen in einer Publikation mit dem Titel „HUNDERT“. Neben einer Auswahl von Prints aus der Publikation ist eine weitere Arbeit zu sehen, in deren Zentrum das betagte Familienmitglied steht.

Bildnachweis: Olaf Unverzart © Olaf Unverzart, aus dem Buch HUNDERT, fountain, Berlin, 2016


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