Kultur oder Corona: „no-show“ verweist auf Auswirkungen der Krise

Edith-Russ-Haus zu Gast im Pulverturm: Ausstellung von Sebastian Luetgert ab 5. September

Oldenburg. Das Edith-Russ-Haus präsentiert vom 5. September bis 1. November 2020 die Ausstellung „no-show“ von Sebastian Luetgert im Oldenburger Pulverturm am Schlosswall. Es ist die erste für das Edith-Russ-Haus entstandene künstlerische Arbeit, die sich direkt mit der Corona-Krise beschäftigt.

Der Titel der Ausstellung, „no-show“, ist ein Begriff aus der Flugbranche: Er bezeichnet Gäste, die zwar einen Platz reserviert haben, dann aber nicht auftauchen. Dieser Zustand zwischen Ankündigung und Nichterscheinen ist wie ein Bild für den gegenwärtigen Zustand der Kultur. Was immer in der Kultur geplant wurde, es ist unsicher, ob es überhaupt stattfindet, ob es auch nur annähernd der Planung entspricht, ob der Künstler zur Eröffnung anreisen kann, ob er vielleicht nur virtuell da sein wird, ob und in welcher Form Publikum zugelassen sein wird. Sebastian Luetgert nutzt diesen Zwischenzustand, der auf die eine oder andere Weise alle gesellschaftlichen Bereiche betrifft, für eine grundsätzliche Reflektion seines eigenen Gesamtwerkes.

Die Installation im Pulverturm besteht aus mehreren Elementen: Auf einer interaktiven Website können die Besucherinnen und Besucher durch das Gesamtwerk Luetgerts recherchieren, darunter aktuelle, eigens für die Installation geschaffene Arbeiten wie das neunminütige Video „Catfish b/w Pet Politics“, in dem der Künstler allein auf seinem Balkon in Kreuzberg für sich selbst singt und tanzt (daher auch der alternative Titel auf dem Plakat: „dancing on my own“). Auf einer Projektion sieht man eine Sammlung von Spucktüten verschiedenster Fluglinien, die Luetgert auf seinen zahlreichen Flügen mitgenommen hat. Sie formen in einer Art analoger Pixel-Art einen besonderen Vogel, den flugunfähigen, ausgestorbenen Dodo. Luetgert verweist damit nicht nur auf die besondere Rolle zeitgenössischer Kulturschaffender, die im Rahmen internationaler Kommunikation beständig unterwegs waren, sondern auch auf das Innehalten dieses Austausches während der Corona-Krise und die Frage, ob Kulturschaffende künftig überhaupt noch so arbeiten können, wie sie es in den letzten Jahrzehnten getan haben.

Über Sebastian Luetgert

Sebastian Luetgert (geboren 1972 in Bielefeld) ist Medienkünstler und Autor. Er hat eine Reihe von Projekten zu geistigem Eigentum, Kino und Internet mitbegründet, darunter Bootlab und Pirate Cinema Berlin, textz.com, das Kinoarchiv 0xdb.org, das Projekt The Oil of the 21st Century, Pad.ma, Indiancine.ma, bak.ma, 858.ma und das offene Medienarchiv pan.do/ra. Er lebt und arbeitet überwiegend in Berlin-Kreuzberg. Zurzeit ist Sebastian Luetgert Stipendiat des Projektes „Das dynamische Archiv“ am Edith-Russ-Haus und der Hochschule für Künste Bremen.

Kuratoren: Edit Molnár & Marcel Schwierin

Öffnungszeiten und Eintritt: Der Eintritt in den Pulverturm ist frei. Geöffnet ist immer freitags, 14 bis 18 Uhr, sowie samstags und sonntags, 11 bis 18 Uhr.

Anbei finden Sie eine kleine Auswahl an Pressebildern:
Untitled (2007 – 2019) a.k.a. “The Dodo” (Detail) © Sebastian Lütgert
Untitled (2007 – 2019) a.k.a. “The Dodo” (early sketch) © Sebastian Lütgert
Ausstellungsansicht no-show, Sebastian Luetgert, Foto Edith-Russ-Haus
Ausstellungsansicht no-show (Detail), Sebastian Luetgert, Foto Edith-Russ-Haus

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