27. Mai – 21. Juli 2022

Marburger Kunstverein


„Zusammenräumen“, „Einräumen“, „Wieder Räumen“ lauten die Titel früherer gemeinsamer Ausstellungen von Annegret Hoch und Siegfried Kreitner. Der Terminus ‚Räumen‘ umschreibt präzise die Methodik der beiden, die ihre Ausstellungskonzepte aus der gegebenen räumlichen und kulturellen SituaƟon heraus entwickeln, sich diese Räume buchstäblich ‚erobern‘. Gleichzeitig reflektieren sie als Künstlerpaar damit die Notwendigkeit, sich und die gemeinsame wie die individuelle Arbeit zu organisieren. Beide leben und arbeiten in Mirskofen bei Landshut und in München.

Annegret Hoch interessiert der „Tatbestand Malerei“ – sie spannt einen Bogen vom traditionellen Tafelbild bis hin zur Frage, wie weit das Spielfeld der Malerei ausgedehnt werden kann. Kräftige Farbigkeit und ein raffinierter Umgang mit Räumlichkeit sind dabei Konstanten in ihrer Arbeit.

„Ihre Werke … zielen auf ein unmittelbares Erfahren … von Farben ab. Dass Farbe als Mittel der künstlerischen Gestaltung von jeglichem Gegenstandsbezug befreit ist, stellt in der modernen Kunst … kein Novum mehr dar. Annegret Hoch geht aber anders vor: Ihre Bilder wirken ungegenständlich, abstrakt, leiten sich allerdings meist aus dem realen Leben als „Malanlass“ ab. So werden für die Malerin zum Beispiel ein Vorhang, ein Holzhampelmann oder gar Gedanken, die sich im Geist zu einem Knäuel verfilzen können, zur Inspiration ihrer Bilderserien.“ (Dirk Martin)

Seit ihrem USA-Stipendium in New York nehmen Collagen einen wichtigen Platz in ihrer Arbeit ein. Für diese Werkreihen verwendet sie farbige Papiere, Neon- und transluzente Vinylfolien. Die Materialien durchlaufen einen Transformationsprozess, verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung, um schließlich in eine „geradezu lyrische Melange“ aus Elementen des klassischen wie auch eigenen Formen- und Farbenvokabulars zu münden. Das Konzept der Collage weitete sie 2019 auf Raumcollagen aus. Als „Grundrauschen“ zieht sich das Benutzen von trivialen Büromaterialien, von handelsüblichen DIN A4 und A3 Blätter, durch die Zyklen.

Siegfried Kreitner nennt seine Skulpturen Minimalkinetik. Sie bestehen aus Aluminium, Plexiglas und Leuchtstoffröhren und bestechen durch ihre einfache und klare Formensprache. Mit einer in sich
stimmigen mechanischen Perfektion öffnen und schließen, senken oder heben sich einzelne Elemente.
Die minimalkinetischen Skulpturen Kreitners kreisen um die Parameter Form, Bewegung, Zeit und Raum.

„…und schließlich ein Hinweis auf eine die Modernität zumindest wieder reflektierende Grundhaltung, die mir einmal mehr, einmal weniger ausgeprägtes Charakteristikum der Ausstellung zu sein scheint: Diese kinetischen Objekte nehmen unterschiedliche Entwicklungen der jüngeren Moderne wieder auf, nämlich das Moment der Bewegung und die Sprache des Minimals. Das geschieht nicht bierernst, sondern mit einem Schuss Ironie, aber zugleich wird hier eine spannende Kehrtwendung minimalistischer Konzepte
vollzogen. Nicht der Besucher muss sich im Raum bewegen, um die Differenz in der Erscheinung des vom Maß her gleichen zu erfahren, sondern die Körper selber fahren an der Wand entlang oder vergrößern bzw. verkleinern ihr Volumen…“

Bildnachweis: Ausstellungsansicht des marburger Kunstvereins


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