22. März 2024 bis 26. Januar 2025

Humboldt Forum im Berliner Schloss


Pressekonferenz: 19. März um 11 Uhr

Ab Frühjahr 2024 zeigt das Humboldt Forum die temporäre Ausstellung Kunst als Beute. 10 Geschichten.  Die Ausstellung wurde vom Mauritshuis in Den Haag konzipiert und dort erstmals präsentiert. Zehn Fallstudien beleuchten das Thema Raubkunst über drei verschiedene Epochen hinweg: während der napoleonischen Eroberungen um 1800, in der Kolonialzeit und während der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945. Jedes der Objekte hat eine eigene Provenienzgeschichte, die von Gastkurator*innen und Creative Directors Eline Jongsma und Kel O’Neill durch Virtual Reality ergänzt werden – ein innovatives Format, um die Geschichten hinter den Objekten visuell darzustellen. Die ausgewählten Exponate stehen stellvertretend für viele andere Objekte und ihre Geschichten. Einige von ihnen stammen aus Berliner Beständen – dem Stadtmuseum Berlin, dem Ethnologischen Museum und der Gipsformerei. 

Der Raub von Kunstwerken und kulturell bedeutsamen Gegenständen war schon immer ein Symbol von Machtdemonstration: Napoleon stärkte seine Position, indem er geraubte Kunstschätze in seinem Musée Napoleon ausstellte. Hitler ließ Kunst für sein geplantes Museum beschlagnahmen. Auch und gerade im Zuge der kolonialen Ausbeutung und Herrschaft durch europäische Mächte wurden zahlreiche cultural belongings aus der ganzen Welt geraubt und nach Europa verschifft. Sie alle vereint die Geschichte von unrechtmäßiger Inbesitznahme. 

Die Ausstellung Kunst als Beute. 10 Geschichten untersucht exemplarisch die unterschiedlichen Aspekte von Raubkunst und ihren Folgen. In zehn Fallstudien aus drei Epochen geht sie der Geschichte und Zukunft von unrechtmäßig angeeigneten Objekten nach und streift die Themen Provenienzforschung, Restitution und das Selbstverständnis von Museen heute. Die Besucher*innen können sich vertiefend unter anderen mit dem Pferdekopf der Quadriga des Brandenburger Tors, einem Selbstbildnis Rembrandts, einen verzierten Stab aus Surinam, Repliken und Gussformen der sogenannten Benin-Bronzen auseinandersetzen.

Hartmut Dorgerloh, Generalintendant des Humboldt Forums: „Mehr als 20.000 Objekte in den Ausstellungen des Ethnologischen Museums, des Museums für Asiatische Kunst und des Stadtmuseums Berlin werden im Humboldt Forum gezeigt, zahlreiche weitere Artefakte befinden sich in den Depots. Die Frage, wie diese Objekte gesammelt, erworben oder mitunter angeeignet wurden und wie ein zeitgemäßer Umgang aussehen kann, ist ein zentrales, übergreifendes Thema der Institutionen des Humboldt Forums. Nach dem großen Publikumserfolg im Mauritshuis in Den Haag freuen wir uns sehr, die Ausstellung Kunst als Beute. 10 Geschichten nun auch in Berlin zu zeigen und die verschiedenen Aspekte der Provenienzforschung und Restitution gemeinsam sichtbarer zu machen.“

Mithilfe von Virtual-Reality-Anwendungen, Filmen und Texten werden ausgewählte Geschichten unmittelbar erlebbar und regen zum Nachdenken an: In welchen Kontexten wurden Objekte geraubt und wie gelangten sie in die Museen? Wie gehen die Museen heute mit Raub- und Beutekunst um? Sowohl die Gestaltung als auch die Erzählung selbst sind wesentlich für die Grundidee der Ausstellung: den Besucher*innen einen Einblick in eine mögliche Zukunft des Umgangs mit Raubkunst und Restitution zu geben. Und zu zeigen, wie zurückgegebene Objekte auch in Museen weiterhin sichtbar bleiben können. Die Ausstellung befasst sich auch mit Objekten, bei denen eine Rückgabe bereits erfolgt ist oder der Prozess andauert, mit Objekten, deren Geschichte nicht vollständig rekonstruierbar ist oder für die kein rechtmäßiger Eigentümer gefunden werden kann. Und es gibt auch Objekte, bei denen trotz intensiver Recherche noch nicht abschließend geklärt ist, ob sie ebenfalls unrechtmäßig entzogen wurden – dies ist der Fall bei der Anet-Kommode aus dem Stadtmuseum Berlin.

Systematische Provenienzforschung ist im Ethnologischen Museum, dem Museum für Asiatische Kunst und dem Stadtmuseum Berlin eine Kernaufgabe. Ein interdisziplinäres Team von Forscher*innen widmet sich den vielschichtigen Aufgaben und Fragestellungen, die in den Sammlungen auftreten. Sie machen die Herkunft und die Geschichten der Objekte sichtbar und hinterfragen die oftmals ungleichen Machtbeziehungen, die hinter den Erwerbungen der Objekte stehen. Diese Auseinandersetzung – in den letzten Jahren auch häufig in Form von kollaborativen Projekten mit Vertreter*innen aus den sogenannten „Herkunftsgesellschaften“ der Objekte – schafft auch neue Perspektiven für den zukünftigen Umgang mit den Sammlungen, sichtbar u.a. in Form einer Provenienzspur in den Sammlungspräsentationen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst, der kostenlos verfügbaren Publikation macht || beziehungen oder in der temporären Ausstellung Leerstellen.Ausstellen. Objekte aus Tansania und das koloniale Archiv.

Bildnachweis: Blick in die Ausstellung „LOOT“ im Mauritshuis, Den Haag © Mauritshuis Den Haag.


Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss
Schloßplatz, 10178 Berlin
www.humboldtforum.org
Fon: +49 30 265 950-525

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