NICOLA L.
27. Juni–14. September 2025
Kunsthalle Wien
Die Kunsthalle Wien zeigt eine Retrospektive der französischen Künstlerin Nicola L. (geb. 1932, El Jadida, als Nicole Jeannine Suzanne Leuthe; gest. 2018, Los Angeles). Die Ausstellung umfasst Skulpturen, Performances, Gemälde, Collagen und Filme, die zwischen 1964 und 2014 entstanden sind und vereint Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen in Europa und den USA. Sie wird in Zusammenarbeit mit Camden Art Centre, London; Frac Bretagne, Rennes und Museion – Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, Bozen präsentiert und ist die erste umfassende Schau von Nicola L. in Europa sowie die erste monografische Ausstellung, die ihrem Werk in Österreich gewidmet ist.
Nicola L., die im Zusammenhang mit Strömungen wie der Pop Art, dem Nouveau Réalisme, dem Feminismus oder der angewandten Kunst und dem Design gefeiert wurde, hat sich in ihrem umfangreichen Werk mit verschiedenen Themen wie Kosmologie, Umweltfragen, Spiritualität, Sexualität, Aktivismus und politischem Widerstand auseinandergesetzt. Ihr Schaffen lässt häufig die Grenzen zwischen Körper und Raum verschwinden. Es zeichnet sich durch Witz, Verspieltheit und Subversion aus, während es sich entschieden einer Kategorisierung entzieht und mehrere Disziplinen einschließt.
Die Ausstellung beinhaltet eine Reihe von Pénétrables-Skulpturen. Diese Textilskulpturen waren ursprünglich als partizipatorische Werke mit Öffnungen gedacht, in die Menschen Gliedmaßen oder Köpfe stecken konnten, wobei gelegentlich mehrere Akteurinnen einen einzigen Organismus bildeten. Diese Geste, verschiedene Menschen in „einer Haut“ zusammenzubringen, war politisch intendiert. Die Ausstellung zeigt Archivmaterial und Fotografien von mehreren Performances, darunter The Red Coat, die zwischen 1970 und 2009 wiederholt an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt aufgeführt wurde. Andere Exponate dokumentieren Performances von The Blue Cape zwischen 2002 und 2008 und The Secession Evolution Flag, die 2009 in der Secession in Wien aufgeführt wurde.
Außerdem wird die Rekonstruktion einer großformatigen Installation mit dem Titel Chambre en Fourrure (Pelzzimmer) aus dem Jahr 1969 gezeigt. Die etwa 3 m × 5 m × 4 m große Struktur kombiniert lila Kunstpelz, Reißverschlüsse und eine Metallkonstruktion zu einem freistehenden Raum, der betreten werden kann und das Publikum einlädt, zu Performerinnen zu werden. Das 2020 rekonstruierte Werk ermöglicht es den Ausstellungsbesucherinnen, mit der Skulptur von Nicola L. so zu interagieren, wie es die Künstlerin beabsichtigte.
Auch einige funktionale Objekte wie Lampen, Sofas und Kommoden sind zu sehen. Eine Reihe von bemalten Holzschränken erscheint als Silhouette eines weiblichen Torsos. Steh- und Wandlampen nehmen die Form eines Auges an, ein Couchtisch beschreibt die Umrisse eines Frauenkörpers und ein Sofa sieht aus wie ein Kopf im Profil. Weiche, biegsame Skulpturen erscheinen wie Füße und fragmentierte Körper. Vergrößert und mit farbigem Vinyl und Pelz gepolstert, sind diese taktilen Objekte von einer politischen Botschaft durchdrungen, die Gleichheit, Kollektivität und den Platz der Frau in Haus und Gesellschaft betont. Die Identifikation der Künstlerin mit feministischer Politik zeigt sich auch in Femme Fatale (1995) einer Gruppe von Gemälden und Collagen auf Bettlaken, die eine Hommage an Frauen wie Eva Hesse, Marilyn Monroe, Billie Holiday und Ulrike Meinhof darstellen, deren Leben in Tragödien oder Gewalt endete.
In der Ausstellung werden auch Filme der Künstlerin gezeigt, ein Medium, das sie ab 1977 nutzte. Eine Reihe von Dokumentarfilmen befasst sich mit unterschiedlichsten Themen, darunter dem Aktivisten Abbie Hoffman, der Punk-Rock-Band Bad Brains und dem Chelsea Hotel, in dem Nicola L. zwischen 1989 und 2017 wohnte.
Biografie
Im Laufe ihres Lebens hatte Nicola L. (geb. 1932, El Jadida, als Nicole Jeannine Suzanne Leuthe; gest. 2018, Los Angeles) Einzelausstellungen im Sculpture Center, New York (2017); Frost Art Museum, Florida International University, Miami; M HKA, Antwerpen; MAMAC, Nizza; Le Magasin, Grenoble (alle 1986) und Museo de Arte Contemporá neo de Ibiza (1976). Ihre Arbeiten wurden auch im Rahmen von Gruppenausstellungen im Museum Brandhorst, München (2022); Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, Nizza (2021); Tate Modern, London (2015); Centre Pompidou, Paris (2009) und Musée d’Ixelles (1975) präsentiert. Ihre Performances wurden in der Tate Modern, London (2015), auf der Liverpool Biennale (2014) und in der Secession in Wien (2009) gezeigt. Sie lebte und arbeitete in Paris, zeitweise auch in Brüssel und auf Ibiza. Ab 1989 lebte und arbeitete sie im Chelsea Hotel in New York, bevor sie 2017 nach Los Angeles zog.
Publikation
Die Ausstellung wird von einer vollständig illustrierten Monografie über Nicola L. begleitet, die vom Camden Art Centre; Frac Bretagne; Kunsthalle Wien, Museion – Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, Bozen und Lenz herausgegeben wird. Nicola L.: I Am The Last Woman Object erscheint auf Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch und enthält neue Essays und ergänzende Texte zu wichtigen Werkgruppen, die eine längst überfällige Würdigung ihres vielseitigen Œuvres darstellen. Das Buch bietet neue Perspektiven auf die Praxis der Künstlerin von einigen der Kuratorinnen der Ausstellungen: Gina Buenfeld-Murley, Martin Clark, Géraldine Gourbe und Leonie Radine. Gemeinsam reflektieren sie das Leben der Künstlerin in Paris, Ibiza, Beirut und New York und ordnen sie in die Politik und die sozialen Bewegungen ihrer Zeit ein. Sie verorten ihr Werk auch in der Gegenwart, indem sie es in den Kontext der sozialen, politischen und ökologischen Herausforderungen stellen, denen wir heute gegenüberstehen.
Herausgeberinnen: Gina Buenfeld-Murley und Martin Clark
Texte von: Gina Buenfeld-Murley, Martin Clark, Leonie Radine, Géraldine Gourbe, Arese Uwuoruya
Seitenzahl: 240
Format: 20,4 x 26 cm
Sprachen: Englisch, Französisch, Italienisch und Deutsch (viersprachig)
Gestalterin: Sara De Bondt
Erscheinungsdatum: 2025
ISBN: 979-12-80579-67-6
Preis: € 40
Hinweise für die Redaktion
Nicola L.
27. Juni–14. September 2025
Kunsthalle Wien Museumsquartier
Pressekonferenz: 26. Juni 2025, 11 Uhr
Ausstellungseröffnung: 26. Juni 2025, 19 Uhr
Das gesamte Veranstaltungsprogramm finden Sie unter:
https://kunsthallewien.at/kalender/
Über die Kunsthalle Wien
Kunsthalle Wien ist die zentrale Institution der Stadt Wien für zeitgenössische Kunst. An ihren Standorten im MuseumsQuartier und am Karlsplatz präsentiert sie alljährlich Ausstellungen sowie Veranstaltungs- und Vermittlungsformate für ein diverses Publikum. Wir geben Neuproduktionen in Auftrag und arbeiten mit lokalen wie internationalen Kunstschaffenden und Institutionen zusammen, um Ausstellungen und Publikationen auf der Grundlage von neuer Forschung zu entwickeln und somit Künstler*innen eine Plattform zu bieten. Mit unserer Arbeit möchten wir einen umfassenden Raum für Austausch und Diskussion bieten und den Diskurs über zeitgenössische Kunst in all ihren Formen fördern.
Kunsthalle Wien dankt
Die Kunsthalle Wien wird von der Magistratsabteilung Kultur der Stadt Wien (MA 7) finanziert. Die Ausstellung wurde von der Kunsthalle Wien in Zusammenarbeit mit Camden Art Centre, London; Frac Bretagne, Rennes und Museion – Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, Bozen, produziert und durch die großzügige Unterstützung von Alison Jacques und The Nicola L. Collection and Archive ermöglicht.
Bildnachweis: Nicola L., Blue Eye, 1969/1990, © Nicola L. Collection and Archive. Courtesy Nicola L. Collection and Archive und Alison Jacques, Foto: Michael Brzezinski
Kunsthalle Wien Museumsquartier
Museumsplatz 1, 1070 Wien
www.kunsthallewien.at
+43-1-52189-0
office@kunsthallewien.at
Öffnungszeiten
Dienstag–Sonntag: 10:00–18:00
Donnerstag: 10:00–20:00