2. Februar bis 9. März 2024

Galerie Françoise Heitsch, München


   … Daher können wir annehmen, dass, was im Laufe der letzten Monate Form angenommen hat, nicht tagebuchartig oder biographisch ist, weder selbstreflexive Kritik noch Auseinandersetzung mit Materialien ist, welche eine gewisse Treue zu diesen voraussetzen würde. Anstelle dieser Realismen begegnet uns ein (beinahe) leeres Bühnenbild:

Ein niedriger Stapel, bestehend aus zwei Teilen, steht am Boden: Teil Eins, ein Doppelwaschtisch der 1920er Jahre aus Porzellan. Er hatte ursprünglich drei Beine, die inzwischen abgebrochen sind. Die Form des Waschtisches, abzüglich der Beine, wurde aus weichem Material nachgebildet, seine Maße in Stoff abgenommen, die einzelnen Bestandteile von Hand zusammengenäht. Die so entstandene Form – Teil Zwei des Objekts – ist mit Polyester gefüllt und auf dem Waschtisch platziert.

   Ein Beistelltisch aus dunkelrotem PVC, wie es in Kühlräumen Verwendung findet. Die Seiten des Tisches – bestehend aus zwei Elementen, die auf historischen Stuhllehnen basieren – sind an ihren Rändern perforiert und in Kreuzstich mit einer hellblauen Wäscheleine vernäht. Das Material ist nachgiebig und wird von einem Metallgerüst gestützt.

   Die Lampe ist ein halbtransparenter Turm aus Kunstharz. Er besteht aus Abgüssen einer Porzellanfigur, die ursprünglich als Topf zur Aufbewahrung von Kartoffeln diente. Die Porzellanfigur selbst war ein anthropomorpher Kartoffelsack. Die Abgüsse sind aufeinander gestapelt und miteinander verbunden. Sie sind hohl und von innen beleuchtet.

   Von einem Deckenventilator hängen zwei Overalls. Einer ist grau, der andere schwarz und rot. Der Gürtel des roten Anzugs ist an einem der Flügel des Ventilators befestigt, der graue Anzug ist gefüttert. Die Ärmel beider Anzüge treffen an einem der Ventilatorenflügel aufeinander. Der Ventilator dreht sich langsam, die Anzüge bewegen sich kaum.

   12 Fotos von Schuhen werden von Handschuhen gehalten. Eine Geschichte begleitet dieses Arrangement: Schuhe wie Handschuhe wurden auf der Straße verloren. Die Schuhe wurden fotografiert, die Handschuhe aufgesammelt.

   Ein Fries aus sich wiederholenden Schwarz-Weiß-Fotodrucken, die die Ecke eines Raumes zeigen. Auf dem Boden liegt eine halbgegessene Birne, umgeben von verstreuten Birnenstücken. Das Format der Drucke wechselt zwischen Porträt und Landschaft und erzeugt so ein Mäander. Eine Erzählung begleitet auch diese Arbeit: Die Birne wurde von einer Maus in der früheren Wohnung der Künstlerin angefressen.

   Zwei Malereien zeigen Innenansichten von Wohnhäusern: ein leeres Badezimmer und ein bewohntes Treppenhaus. Die Malereien sind flüchtig ausgeführt, ohne ein Übermaß an Detailtreue.

   Seltsam agierendes Mobiliar, Einrichtung ohne Knochen. Eine spektrale Abwesenheit – in Räumen, Kleidung und hinterlassenes Essen. Das Treppenhaus der Semlerova rezidence zeigt einen Blick treppabwärts. Die Stufen erklimmt eine imposante, von Mustern überzogene Figur. Eine spektrale Anwesenheit. Es spukt in der Dreizimmerwohnung.

Bildnachweis: Samuel Fischer-Glaser, Angela Stiegler, Season’s Greetings, 2023


FRANÇOISE HEITSCH / GALERIE

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