19. September 2026 — 17. Januar 2027
Kunstmuseum Wolfsburg


Ausstellungsrundgang und Presselunch am Donnerstag, 17.9.2026, 11 Uhr

Ausstellungseröffnung am Freitag, 18.9., 19 Uhr, mit „Staatsempfang“ des Präsidenten Manaf Halbouni und des Premierministers Christian Manss von Mobilistan, dem ersten mobilen Staat der Welt in einer Limousine

Was bedeutet Heimat heute? Ist sie überhaupt ein geografischer Ort oder eher ein Gefühl, eine Erinnerung, eine Illusion? Wie bilden Menschen im 21. Jahrhundert immer wieder neue Heimaten? Das Kunstmuseum Wolfsburg beschäftigt sich in seiner Themenausstellung Tell Me Where Home Is mit den aktuell kontrovers diskutierten Fragen nach Heimaten, Migration und Zugehörigkeit. Denn auch unseren globalisierten und digitalisierten Gesellschaften wohnt eine Sehnsucht nach Heimat inne – obwohl, oder gerade weil ständiger Wandel und Migrationsbewegungen zur Normalität geworden sind. Krieg, Verfolgung oder die Klimakatastrophe zwingen Millionen Menschen, ihr Zuhause zu verlassen. Nur ein kleiner Teil genießt Mobilität als kosmopolitische Lebensform.

Wie beheimaten sich also Menschen in dieser bewegten Welt? Rund 160 Werke von 61 zeitgenössischen Künstlerinnen zeigen in der großen Ausstellungshalle des Museums, wie wir Heimaten verlieren, gewinnen und gemeinsam bilden können. Häuser, Städte, Landschaften können Gefühle des Zuhauseseins auslösen; vielfach aber sind diese nicht mehr an einen Ort gebunden, sondern an Familie, Freundinnen, Religion, Musik und Sprache, Essen oder soziale Netzwerke. Für viele, die freiwillig oder unfreiwillig migriert sind, ist das Handy als Speicher sozialer Beziehungen ihr Heimathafen. Und oftmals scheinen Heimaten vor allem verklärte Erinnerung zu sein, an einen (Kindheits-)Ort, den es so möglicherweise nie gegeben hat.

Die Ausstellung findet starke Bilder für komplexe Fragen: Alfredo Jaar schichtet One Million German Passports zu einem riesigen Block, um an die Geflüchteten zu erinnern, die im Zuge des syrischen Bürgerkrieges in Deutschland aufgenommen wurden. Denn die Möglichkeiten, sich zu beheimaten, hängen wesentlich von ein paar Blatt Papier ab. Wie Menschen ihr Leben auch unter widrigen Bedingungen in Lagern für Geflüchtete gestalten, zeigt Coco Olakunle mit fotografischen Porträts, die gängige Klischees unterlaufen. Ishita Chakraborty formt ein inklusives Europa aus Ton-Pilzen aller Hautfarben, und Diana Scherer folgt dem Vorbild der Natur und übersetzt die zeitgenössische, „vernetzte“ Gesellschaft in ein eigens für die Ausstellung gezüchtetes Muster aus Wurzeln, die wie diejenigen des mobilen Menschen nicht in die Tiefe, sondern eher in die Breite wachsen. In die Höhe dagegen türmt sich Tracey Snellings Installation One Thousand Shacks: ein Monument für die Ärmsten der Welt, die ihre Heimaten unter prekären Bedingungen improvisieren.

Verständnis für die Schicksale und Traumata von Migrantinnen und Geflüchteten zu wecken, ist eines der Anliegen der Ausstellung. Der nationalistischen Vereinnahmung des Heimatbegriffs setzt Tell Me Where Home Is einen offenen Blick auf die unterschiedlichen Konzepte von Heimat entgegen. Die Ausstellung weckt Neugier und macht Lust auf gesellschaftliche Vielfalt – und bietet viel Raum zur Begegnung und zum Nachdenken über persönliche und kollektive Heimaten.

Wissenschaftlicher Beirat und Ausstellungskatalog: Einzelne Ausstellungsbereiche werden von den Kooperationspartnerinnen, der Abteilung für Internationale Urbanistik und Entwerfen der Universität Stuttgart sowie dem Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation, Wolfsburg, gestaltet. Ein fachübergreifender wissenschaftlicher Beirat begleitete die Entwicklung von Tell Me Where Home Is. Dazu ist eine transdisziplinäre, reich bebilderte Publikation entstanden (dt./engl., ca. 300 Seiten), in der namhafte Autorinnen sowie die teilnehmenden Künstlerinnen zu Wort kommen. Das Buch ist für 39 € im Museumsshop und online erhältlich (kunstmuseum.ticketfritz.de/Shop/Index/publikationen).

Beteiligte Künstler*innen: Bani Abidi, Nevin Aladağ, Halil Altındere, Kader Attia, Alkan Avcıoğlu, Yael Bartana, Birgit Brenner, Jenna Burchell, Ana María Caballero, Ishita Chakraborty, Tiffany Chung, Anna Ehrenstein, Alia Farid, Larissa Fassler, Gauri Gill, Patrick Goddard, Shilpa Gupta, Manaf Halbouni, Hannah Hallermann, Anawana Haloba, Jeppe Hein, Sky Hopinka, Pieter Hugo, Tao Hui, Courage Hunke, Nadira Husain, Evan Ifekoya, Alfredo Jaar, Hayv Kahraman, Šejla Kamerić, Bronwyn Katz, Kiluanji Kia Henda, Atiye Noreen Lax, Shannon T. Lewis, Christian Manss, Olaf Metzel, Cristina de Middel, Radenko Milak, Johnny Miller, Carlos Motta, Alex Müller, Hira Nabi, Marina Naprushkina, Shirin Neshat, Coco Olakunle, Grit Richter, Odur Ronald, Ritu Sarin & Tenzing Sonam, Titus Schade, Diana Scherer, Abeer Seikaly, Mithu Sen, Tracey Snelling, Inga Somdyala, Nasan Tur, Duncan Wylie, Lu Yang, Çiğdem Yüksel, Julia Zejn, 0001

Kuratorin: Uta Ruhkamp
Kuratorische Assistenz: Linus Jantzen und Anne Rybka

Die Young Generation, der junge Freundeskreis des Kunstmuseum Wolfsburg, zeigt in der Lounge des Museums die Ausstellung Home Beyond Places. Perspectives of the Young Generation (19.9.-22.11.2026). Darin erzählen sechs Künstlerinnen durch Fotografie, Film, Mode und Installation von Erfahrungen des Ankommens und Weggehens, von familiären Erinnerungen und der Suche nach einem Ort, den man Zuhause nennen kann. Dabei wird „Heimat“ nicht als feststehender geografischer Ort verstanden, sondern als etwas Persönliches und Veränderliches: Sie kann in Erinnerungen, in Beziehungen, in Sprache oder auch in einer selbst gewählten Identität liegen.

Künstlerinnen: Reyhan Kolosoglu, Celine Ajmone Berisha, GELA, Ninna Laçin, Amin Poorarzhangy und Bade Fuwa (in Kooperation mit der Werkstattwoche Lüben).

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 10-18 Uhr Samstag, Sonntag sowie an Feiertagen, 11-18 Uhr
Sonderöffnung: 28.12.2026 11-18 Uhr 24. 12. und 31. 12.2026 geschlossen 1.1.2027 geschlossen www.kunstmuseum.de

Bildnachweis: Cristina de Middel, Hierve el Agua are petrified waterfalls and sulfuric spring source located in the state of Oaxaca. Despite the growing affluence of tourists, it remains a sacred place for natives. Mexico, 2019, Farbfotografie, © Cristina De Middel / Magnum Photos


Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1
38440 Wolfsburg

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