19. September – 1. November 2026
ifa-Galerie Stuttgart


Kuratiert von Vanessa Amoah Opoku in Kollaboration mit June Drevet

Die ifa-Galerie Stuttgart zeigt mit „Synthesizing Realities“ drei Arbeiten der Künstlerin Vanessa Amoah Opoku sowie das mit der Autorin June Drevet gemeinsam entwickelte, gleichnamige Künstlerinnenbuch. Was verbindet uns mit einem Zuhause, mit anderen Menschen und mit unserer Herkunft, auch über Distanz hinweg? Wie entstehen Bilder, die nicht nur zeigen, sondern auch Beziehungen stiften? Ausgangspunkt der Ausstellung Synthesizing Realities ist das von der Künstlerin Vanessa Amoah Opoku und der Autorin June Drevet gemeinsam entwickelte, gleichnamige Künstlerinnenbuch, sowie drei Werke der Künstlerin.  

Damit erzählt die Ausstellung Familie, Herkunft und Zugehörigkeit. Darüber hinaus verhandelt sie Themen wie digitale Sinnlichkeit, das Verhältnis unsere Körper zu Technologien jenseits vertrauter Lesarten, postkoloniale Wahrnehmungstechnologien und neue Formen fotografischer Bilder. 

Bricks and Cement Don’t Make a House (fortlaufend seit 2024, mit Joy Weinberger) führt 3D-Point-Cloud-Scans und textile Gewebestrukturen zusammen und verhandelt entlang einer konkreten Familiengeschichte Enteignung, gescheiterte und gelingende Kommunikation, das intergenerationelle Zurückkehren und das Bauen eines Zuhauses als andauernden, nie abgeschlossenen Prozess.  

In Thresholds of Engineered Life (2025) wendet sich Vanessa Amoah Opoku dem tropischen Gewächshaus und dessen Infrastruktur als Kontrollmechanismus zu, der kolonialen Logiken bis heute Kontinuität verleiht: Technische Systeme wie Rohre, Vernebler und Sensoren simulieren eine Welt in der Pflanzen fernab ihrer ursprünglichen Habitate konserviert werden. Viele von ihnen sind einst im Zuge kolonialer Expeditionen entwendet worden. Die Künstlerin vermisst diese Räume mit Technologien, die selbst der Geschichte der Landnahme entstammen, und wendet sie per Gaussian Splatting (einer Methode zur fotorealistischen 3D-Darstellung) 
gegen ihre eigene Logik: Erfasste Punkte werden zu weichen, halbtransparenten Fragmenten, die sich dem extraktiven Zugriff verweigern.

Breathing Room (ebenfalls fortlaufend seit 2026) geht von Gesprächen mit Menschen aus verschiedenen diasporischen Räumen über Zugehörigkeit aus. LiDAR-Scans der Gesprächspartner:innen sind in Wachs materialisiert, sodass die Porträts eine Körperlichkeit erhalten. In Amoah Opokus Arbeiten ist Diaspora kein Zustand des Verlusts, sondern die Bedingung, aus der Technologien des Verbindens und neue Formen von Beziehung erst hervorgehen.  
 
Die Ausstellung verhandelt Themen wie Familie, Herkunft und Zugehörigkeit, ebenso wie digitale Sinnlichkeit und Materialität, das Verhältnis unserer Körper zu Technologie jenseits vertrauter Lesarten, postkoloniale Wahrnehmungstechnologien und neue Formen fotografischer Bilder.  
 
Die Ausstellung entsteht im Rahmen des Förderprogramms „Anstoß – das Kunstkritik-Stipendienprogramm der Jürgen Ponto-Stiftung in Kooperation mit AICA Deutschland”. Es umfasst die jährliche Vergabe von Stipendien an jeweils eine:n Kunstkritiker:in und eine:n Künstler:in sowie die Erarbeitung und Herausgabe einer Publikation. Die Realisierung der darauffolgenden Ausstellung wird durch die kata agorein Stiftung ermöglicht. 
 
„Der Mensch ist das Maß“ – diesem Leitgedanken folgt die kata agorein Stiftung. Sie versteht offenen, respektvollen Dialog zwischen unterschiedlichen Perspektiven als Grundlage einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Als unabhängige Stiftung fördert sie Wissenschaft, politische Bildung und Engagement – mit Schwerpunkt darauf, was Menschsein im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz bedeutet und welche Verantwortung daraus erwächst. 

Programm
 
Samstag, 19. September 2026, 12 Uhr 
Matinée mit Ausstellungs-Gespräch 
Vanessa Amoah Opoku und June Drevet geben Einblicke in die Ausstellung. 
 
Kunstvermittlung
Führungen durch die Ausstellung mit Gala Adam, In deutscher Sprache:
Donnerstag, 15. Oktober 2026
Freitag, 16. Oktober 2026
Donnerstag, 29. Oktober 2026
jeweils um 16:30 Uhr 
Finissage am 1. November 2026 um 14 Uhr

Donnerstag, 1. Oktober 2026, 19:00 Uhr

Tectonic Movement – Grief Circle, In englischer Sprache

Tectonic Movement (Stuttgart/Accra) ist ein Kollektiv aus Künstler:innen und Community Workers, das sich der Verwicklung von Ökozid und Genozid widmet. Mit dieser fortlaufenden Recherche verstehen sie Trauer nicht nur als Reaktion auf einen Verlust, sondern auch als eine Möglichkeit, mit Brüchen, Veränderung und kollektivem Werden zu verweilen. Geteilte Trauer wird zu einer Methode des kollektiven Denkens. Gemeinsam fragen wir uns: Wohin führt uns unsere Trauer?

Sonntag, 4. Oktober 2026, 11:00 Uhr
Lyrikworkshop für Kinder – Worte sammeln, Welten verknüpfen
In deutscher Sprache

Kann ein Gedicht eine neue Welt erschaffen? Wass passiert, wenn wir Träume als Wahrheiten nehmen, Erinnerungen Farben bekommen, Gefühle sprechen dürfen? Ausgehend von der Ausstellung entdecken wir Wirklichkeit und Fantasie neu, schauen genau hin (und dahinter), sammeln Wörter und schreiben Gedichte, in denen alles möglich ist. Es gibt kein Richtig oder Falsch – nur Neugier auf neue Perspektiven auf die eigene Welt.  
Die Lyrikerin Lara Rüter lädt Kinder zwischen 8 und 14 Jahren dazu ein, spielerisch mit Sprache zu experimentieren und aus Eindrücken eigene Texte entstehen zu lassen. Im Mittelpunkt stehen die Freude an Sprache, das Entdecken ungewöhnlicher Bilder und der Austausch in der Gruppe. 
  
Lara Rüter zählt zu den wichtigen Stimmen der jüngeren deutschsprachigen Lyrik und wurde mehrfach ausgezeichnet. Ihr Debütband „amoretten in netzen“ erschien 2024, ihr Buch „Affenliebe“ 2026. Sie ist derzeit Stipendiatin des Stuttgarter Schriftstellerhauses. 

Freitag, 23.Oktober 2026, 19 Uhr
Synthesizing Realities – Buchpräsentation, In Berlin
In deutscher Sprache

Das Buch verknüpft Aspekte der künstlerischen Arbeit von Vanessa Amoah Opoku mit der Textarbeit von June Drevet und bringt sie in einen Dialog mit den Perspektiven von Steph Holl-Trieu, Shirin Weigelt, Fred Heinsohn und Louise Borinski, die an der Entstehung des Buches mitgewirkt haben. Synthesizing Realities verhandelt das Schreiben als künstlerische Praxis, dekoloniale Wahrnehmungstechnologien sowie Worlding als kritisches Denkmodell. An diesem Abend werden alle Beteiligten im Gespräch die verschiedenen Ebenen des Buches vorstellen, moderiert von Rebecca Wilton (DISTANZ, Berlin).

Samstag, 31.Oktober 2026, 12:30 Uhr
Zur Führung für seheingeschränkte und blinde Menschen laden wir Sie herzlich ein.
Anmeldung erbeten bis zum 29. Oktober 2026 unter: stefanie.alber@ifa.de

Samstag, 31. Oktober 2026, 14:00 Uhr 
Lesekreis – gemeinsames Lesen mit Dreaming in Women*
In englischer und deutscher Sprache

Dreaming in Women* ist ein Stuttgarter queer-feministisches Lesekollektiv, das gemeinsames Lesen im öffentlichen Raum als künstlerische und politische Praxis versteht. Im Zentrum stehen das gemeinsame laute Lesen und ein somatischer Zugriff auf literarische, theoretische und politische Texte. Die Gruppe arbeitet insbesondere mit queer- und transfeministischen und antikolonialen Perspektiven. Lesen wird dabei zu einer Form von Austausch, Gemeinschaft und kollektiver Wissensproduktion. Durch performative und partizipative Lesungen schafft Dreaming in Women* Räume, in denen dominante Narrative hinterfragt werden.

Bildnachweis: Installationsansicht: Bricks and Cement Don’t Make a House, Galerie der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig, 2024 © Vanessa Amoah Opoku, Joy Weinberger, Foto: Roxana Rios


ifa-Galerie Stuttgart
Charlottenplatz 17
70173 Stuttgart

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