„Bekehrpakete“ – Helft Russland, hetero zu werden
Martin Binder
Entstehungsjahr: 2015
Material: 13 Packempfehlungen, zweisprachig
Pakete, Maße verschieden
diverse Paketinhalte

mostbet

Ironie als Werkzeug gegen Homophobie: Ausgehend von einem Gesetz gegen die „Propaganda nicht-traditioneller Beziehungen unter Minderjährigen“ in St. Petersburg, werden Menschen mit „nicht-traditionellen“ sexuellen Orientierungen Opfer von politisch legitimierter Diskriminierung, zunehmend auch von Gewalt. Angesichts der Ausweitung des Gesetzes auf ganz Russland, lassen sich homophobe Tendenzen in der Politik Russlands und der russischen Bevölkerung nicht leugnen. Aufgrund der großen Unwissenheit und Intoleranz gegenüber Homosexualität ist das Projekt Bekehrpakete eine ironische Reaktion auf die gegenwärtigen homophoben Entwicklungen.

Anhand von verschiedenen Packempfehlungen, wurden Interessierte dazu eingeladen, Bekehrpakete zu packen, die der russischen Regierung dabei „helfen“, nicht-traditionelles Verhalten in der Bevölkerung auszulöschen. Der Inhalt der Pakete besteht aus ironischen bis lächerlichen Gegenständen, die  veranschaulichen, wie menschenverachtend die derzeitige Stigmatisierung nicht-traditioneller Beziehungen in Russland ist. Im Ausstellungsraum standen leere Pakete zur Befüllung bereit, die anschließend dokumentiert und ausgestellt wurden.

Ein Beispiel für die verschiedenen Packempfehlungen: „Ratgeber, etwa zu den Themen Heimwerken, Reparieren, Angeln oder Jagen helfen beim Erlernen typisch männlicher, nicht-weibischer Tätigkeiten.“ Der Titel setzt sich zusammen aus bekehren (zur Heterosexualität) und Carepakete (wie es als Hilfsgut für bedürftige Staaten eingesetzt wurde und wird).

Adressaten für die Pakete sind Personen, die maßgeblich an dem Erlass des Gesetzes mitgewirkt haben oder sich dafür stark machen: Vitali Milonow, Vladimir Putin und der Patriarch der orthodoxen Kirche Kyrill. Einige erste Pakete bildeten den Ausgangspunkt der Sammlung, die während der Ausstellungsdauer durch Beiträge der Besucherinnen und Besucher erweitert wurde. Die Packstation öffnete erstmalig im ACUD Projektraum in Berlin Mitte im Dezember 2015.