OLAF NICOLAI: EIN UNGEDEUTETER TRAUM IST WIE EIN UNGELESENER BRIEF
22. Mai bis 21. September 2025
Synagoge Stommeln
Eröffnung: 22. Mai 2025, 18 Uhr, Martinus-Haus, Venloer Straße 546, Pulheim-Stommeln
Performance im Anschluss an die Eröffnung, Synagoge, Hauptstr. 85a
Im Mai 2025 setzt der Künstler Olaf Nicolai die Reihe der Synagogenprojekte in Stommeln fort.
Das von der Stadt Pulheim initiierte Synagogenprojekt in Pulheim-Stommeln hat seit 1991 im Verlauf seiner 34-jährigen Ausstellungsgeschichte mit zahlreichen künstlerischen Auseinandersetzungen zu einer Kultur der Erinnerung beigetragen. Zu den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern zählen Jannis Kounellis, Richard Serra, Mischa Kuball, Carl Andre, Rebecca Horn, Lawrence Weiner, Rosemarie Trockel, Max Neuhaus, Daniel Buren, Gregor Schneider und Franz Erhard Walther. Die Stadt Pulheim hat in diesem Jahr Olaf Nicolai gebeten, das Projekt fortzusetzen.
Olaf Nicolai
Seit den frühen Neunzigerjahren hat Olaf Nicolai (geb. 1962 in Halle/Saale) ein breites Spektrum an interdisziplinären Projekten entwickelt, die elementare Erfahrungen von Raum, Zeit und Körperlichkeit hinterfragen. Als Ausgangspunkt kann ihm ein Science-Fiction-Roman ebenso dienen wie ein klassisches Musikstück, ein spezifischer Ort, eine literarische oder philosophische Schrift. In seinen Arbeiten thematisiert Nicolai oft in spielerischer Weise, wie im Ästhetischen soziale und ökonomische Beziehungen gestaltet und erfahrbar werden. Für die Synagoge Stommeln hat Nicolai eine ortsspezifische Performance entwickelt, die von einem Zitat aus dem Talmud inspiriert ist – Ein ungedeuteter Traum ist wie ein ungelesener Brief.i Ausgehend von der Synagoge als sozialer Architektur und Ort der Zusammenkunft, reflektiert Nicolai die Bedeutung der Kommunikation – des Sprechens mit- und zueinander, des Lesens und der Diskussion von Texten und der Deutung von Sprache, die an diesem Ort zentral sind. Das titelgebende Zitat verweist auf diese Aktivität: das Lesen, die Übersetzung und Übertragung. Was bedeutet es, einen Brief zu lesen? Diese Frage führt die Performance auf poetische Weise vor.
An zehn Tagen zwischen Mai und September performt ein Sänger oder eine Sängerin in der Synagoge ein eigens konzipiertes Gesangsstück. Ausgangspunkt für die Notation der audio-visuellen Performance ist die Flugroute einer Brieftaube, die vor der Performance von der Synagoge zu ihrem Zielort geflogen ist. Die Stimme und ihr Potenzial als Träger von Information sowie die Deutung von nicht sichtbaren Gesten und sinnlichen Erfahrungen, wie sie durch Gesang oder Stimme hervorgerufen werden, spielte schon in vergangenen von Olaf Nicolai konzipierten Performances eine wesentliche Rolle.
Für „Escalier du Chant“ (2011) verwandelte er die große Treppe in der Pinakothek der Moderne in München in eine temporäre und flüchtige Konzertsituation, auf der Lieder von Komponistinnen und Komponisten von Sängerinnen und Sängern vorgetragen wurden, wann und wie lange diese wollten. Die Kompositionen bezogen sich auf politische Ereignisse, die für die Komponisten zum gegenwärtigen Zeitpunkt von Bedeutung waren. Ähnlich wie bei dem Projekt für die Synagoge Stommeln waren die Resultate ebenso wenig absehbar wie die endgültigen Aufführungen.
Olaf Nicolais Arbeiten und Projekte wurden in zahlreichen internationalen Einzelausstellungen gezeigt, wie z.B. im Kunstmuseum Lichtenstein (2024), Keelung Museum of Art, Taiwan (2024), PLEČNIK HOUSE Ljubljana (2022), Sigmund Freud Museum Wien (2021), Kunstsammlungen Chemnitz (2020), Mathildenhöhe Darmstadt (2019), MUMA, Museum of Monash University, Melbourne (2019), Kunsthalle Wien (2018), Kunstmuseum St. Gallen (2018), Taxispalais Innsbruck (2017), Museum Boijmans Van Beuningen (2016).
Er war u. a. beteiligt an der DOCUMENTA 14 (2017), Venedig Biennale (2015, 2005 und 2001), Berlin Biennale (2014 und 1998), Busan Biennale (2012), Thessaloniki Biennale (2011), Manifesta 7 (2008), der vierten Gwangju Biennale (Korea, 2002), Biennale Sydney (2002), „Être nature“, Fondation Cartier (Paris, 1998), Documenta X (Kassel, 1997). Außerdem nahm er mit seinen Projekten an Ausstellungen in Institutionen wie dem Museum of Modern Art New York, MIT / Massachusetts, Centre Pompidou Paris und dem Moderna Museet Stockholm teil.
Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin und hat eine Professur an der Akademie der Bildenden Künste in München inne.
Termine und weitere Informationen
Eröffnung: 22. Mai 2025, 18 Uhr, Martinus-Haus, Venloer Straße 546, Pulheim-Stommeln Performance im Anschluss an die Eröffnung, Synagoge, Hauptstr. 85a
Begrüßung Frank Keppeler, Bürgermeister der Stadt Pulheim Grußworte: Jasmina Merz, Leiterin des Bereichs Visuelle Kunst der Kunststiftung NRW Luzia Kilias, Vorsitzende der Initiative für zeitgenössische Kunst und Musik Pulheim Einführung: Daniela Zyman, Kuratorin und Künstlerische Leiterin, TBA21 Thyssen-Bornemisza Art Contemporary
Performances: Sänger –Daniel Gloger, Pascal Zurek, Tauben – 01075-19-341 (w), DV 1075 19 28 (m)
Der Künstler steht für Pressegespräche vor der Eröffnung zur Verfügung. Bitte kontaktieren Sie uns, wenn Sie ein Gespräch wünschen.
Weitere Performances in der Synagoge Stommeln:
So. 25.5., 15 Uhr, Truike van der Poel, Sa. 14.6., 17 Uhr, Andreas Fischer, Sa. 28.6., 17 Uhr, Daniel Gloger, So. 29.6., 17 Uhr, Daniel Gloger, So. 13.7., 15 Uhr, Andreas Fischer, So. 20.7., 15 Uhr, Pascal Zurek, So. 31.8., 15 Uhr, Truike van der Poel, So. 7.9., 15 Uhr, Noa Frenkel, So. 21.9., 15 Uhr, Noa Frenkel, Pascal Zurek
Das Projekt von Olaf Nicolai wird großzügig unterstützt durch: Kunststiftung NRW Kultur- und Umweltstiftung der Kreissparkasse Köln Initiative Zeitgenössische Kunst und Musik Pulheim e.V.
Bildnachweis: (c) Olaf Nicolai und Till Gathmann
i (TALMUD, BERACHOT 55a). Quelle: https://www.chabad.org/torah-texts/5299903/The-Talmud/Berachot/Chapter-9/55a
Synagoge Stommeln
Ein Projekt der Stadt Pulheim
Hauptstr. 85a, 50259 Pulheim
www.synagoge-stommeln.de