LEBEN NACH MICROSOFT
20. Mai – 15. Juli 2026
Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste, Düsseldorf
Ein Projekt der Klasse der Künste. Kuratorische Leitung: Martin Germann in Zusammenarbeit mit Sophia Naumann, Curatorial Fellow AWK NRW
Leben nach Microsoft ist das erste Kapitel eines neuen Formats der Klasse der Künste (der sog. Klasse K) innerhalb der 1970 gegründeten Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste in Düsseldorf. Der Titel ist einem Film des Akademie-Mitglieds Corinna Belz entliehen.
Das Projekt reflektiert eine grundlegende Transformation: Seit den 1940er Jahren entwickelten sich digitale Technologien – zunächst als streng abgeschirmte Werkzeuge von Militär und Forschung. In den 1960er Jahren begannen sie aus diesen Ursprüngen herauszutreten; das Internet wurde in den 1990er Jahren zum Medium des Alltags und veränderte genau wie zuvor der Computer und heute die Künstliche Intelligenz nicht nur unsere Werkzeuge, sondern auch unsere Wahrnehmung, unsere Arbeitsweisen und unser Selbstverständnis. Im historischen Gebäude der Akademie, 1960 erbaut und von Hans Schwippert entworfen, entfaltet sich eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit Gegenwart und Geschichte einer Institution, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus einem stark technologischen Denken heraus gegründet wurde. Das Gebäude selbst wird dabei zum Teil der künstlerischen Arbeit: Seine Architektur und Geschichte werden ortsspezifisch bespielt und in die Auseinandersetzung einbezogen. – Mit Emmanuel van der Auwera, Lewis Baltz, Matthias Groebel, Tobias Hohn & Stanton Taylor, Irma Hünerfauth, JODI, Rindon Johnson, Vera Molnár, Karina Nimmerfall, Henrik Olesen, Julia Scher, Rosemarie Trockel, Yuyan Wang.
Leben nach Microsoft – ein neues Projekt und zugleich ein neues Kapitel innerhalb der Aktivitäten der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Das 1960 erbaute und von Hans Schwippert entworfene Akademiegebäude dient dabei als ortsspezifischer Ausgangspunkt für künstlerische Dialoge. Im Vordergrund steht keine klassische Ausstellung, sondern eine interdisziplinäre Reflexion auf Gegenwart und Geschichte einer Institution, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus einem stark technologischen Denken heraus gegründet wurde.
Der Titel lehnt sich an Corinna Belz‘ gleichnamigen Film von 2001 an und markiert eine doppelte Schwelle: die historische Zäsur der Digitalisierung und die Frage, wie wir leben, nachdem digitale Logiken zur alltäglichen Infrastruktur geworden sind. Was bedeutet Autonomie, wenn Code zur zweiten Natur wird? Der Film von Corinna Belz, die auch Mitglied der Klasse der Künste ist, wird im Herbst präsentiert. Er porträtiert ehemalige Microsoft-Entwicklerinnen und Entwickler, die eine zunehmende Verschmelzung von Arbeit und Identität erlebten. Ihre Berichte zeigen, wie tiefgreifend digitale Denk- und Organisationsformen prägen.
Die Frage lautet nicht, ob wir Soft- und Hardware nutzen, sondern wie deren Logiken unser Denken und Handeln bestimmen. Offene Handlungsspielräume werden zunehmend durch algorithmische Strukturen ersetzt. Unsichtbar, aber wirksam, ordnen digitale Infrastrukturen Archive, Zeit, Wissen, Kommunikation und Entscheidungsprozesse – und damit auch die Formen, in denen Wirklichkeit beglaubigt und Kunst produziert wird, bis in unsere von künstlicher Intelligenz geprägte Gegenwart.
Das Projekt nutzt den konkreten architektonischen und ideellen Kontext der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, die neben der Klasse der Künste auch Klassen für Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Medizin sowie Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften umfasst. Vom 20. Mai bis 15. Juli 2026 entfaltet sich ein Programm aus Symposium, Gesprächen und Vorträgen, in denen die künstlerischen Positionen vermittelt und ihre widersprüchlichen Impulse weiter diskutiert werden. Leben nach Microsoft verfolgt eine differenzierte Perspektive jenseits von Technikbegeisterung oder Kulturpessimismus und zeigt die Ambivalenzen der Digitalisierung: zwischen Befreiung und Abhängigkeit, Effizienz und Erschöpfung – im historischen Echoraum der Akademie selbst.
Ein eigenes Gebäude für die Akademie: Als bislang einzige Akademie konnte die Arbeitsgemeinschaft in ein eigens für sie errichtetes Gebäude einziehen. Das Akademiegebäude an der Palmenstraße in Düsseldorf wurde von dem Architekten Hans Schwippert erbaut und im Jahr 1960 eingeweiht. Damit verfügt die Akademie über sowohl funktionale als auch repräsentative Räumlichkeiten, insbesondere einen Vortragssaal für rund 400 Personen, einen Klassensitzungssaal und eine Bibliothek.
„Am Anfang unserer Überlegungen stand die Frage, wie man das Format der Jahresausstellung an der Akademie noch gezielt weiterentwickeln kann. Wir wollten den Dialog zwischen den Disziplinen fortführen, gleichzeitig noch stärker das Gebäude, das Karl-Arnold-Haus von Hans Schwippert, als besonderen Ort aktivieren. Die Akademie ist kein Museum oder klassische Ausstellungseinrichtung. Hier findet der Diskurs zwischen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Kunstschaffenden sowie mit der Öffentlichkeit statt. Genau das soll sich in dem Projekt auch widerspiegeln.“
Nadine Oberste-Hetbleck, Direktorin ZADIK und Sekretarin der Klasse K sowie Mit-Initiatorin des Projektes
„Kunst braucht Kontext – und mehr Kontext als an dieser Akademie kann man sich schwer vorstellen. Einerseits gibt es das faszinierende, sehr nüchterne, beinahe klassizistische denkmalgeschützte Nachkriegsgebäude mit all seinen funktionalen Orten für Diskurs, so wie man es sich räumlich in den 1960er Jahren vorgestellt hat – und dann natürlich die Klassenstruktur der Akademie, die eben aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern besteht, die in ihren Bereichen weltweit führend sind. Eine derart hochkarätige `kontextuelle´ Rahmung findet man kaum, auch der institutionelle Kunstbetrieb ist mehr und mehr auf Aufmerksamkeit und Geschwindigkeit anstelle von Reflexion und Tiefe angewiesen.“
Martin Germann, kuratorischer Leiter des Projektes
Martin Germann ist Kurator und lebt und arbeitet in Berlin, Köln, und Kyoto. Seit 2026 ist er künstlerischer Leiter eines neuen Formates der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Auf ortsspezifische Ausstellungsprojekte spezialisiert, war er bis 2025 am Mori Art Museum (Tokio) tätig, wo er Projekten wie „Machine Love – Videospiele, KI und zeitgenössische Kunst“ (2025), „Our Ecology – Toward a Planetary Living“ (2023–24) und „Another Energy – 16 Women Artists from around the World“ (2021) umsetzen konnte. Zuvor war er Leiter der künstlerischen Abteilung am S.M.A.K. in Gent (2012–2019), Kurator an der Kestner Gesellschaft Hannover (2008–2012) und Teammitglied der 3. und 4. Ausgabe der Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst.
apl. Prof. Dr. Nadine Oberste-Hetbleck ist seit Oktober 2020 Direktorin des ZADIK │ Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung und zudem außerplanmäßige Professorin am Kunsthistorischen Institut der Universität zu Köln. 2021 wurde die Kunstwissenschaftlerin Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste in der Klasse der Künste. Ihre Tätigkeit als Sekretarin der Klasse nahm sie in der Nachfolge von Tony Cragg am 1. Januar 2025 auf
Öffentliche Veranstaltungen im Rahmen des Projekts
Dienstag, 2. Juni 2026, 18 Uhr
Unter Druck – Ein Werkstattgespräch über Gesellschaft, Bildung und das soziale Potential der Künste in Zeiten multipler Krisen mit einem Impulsvortrag von Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani
Dienstag, 23. Juni 2026, 17.30 Uhr
Leben nach Microsoft – Podiumsgespräch zur Wirkung von Big Tech auf Gesellschaft, Arbeit und Demokratie. U.a. mit Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten,
Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei
Mittwoch, 15. Juli 2026, 16 Uhr
True Lies – Wahrheit(en) im Archiv?! – Ein Symposium zum Archiv als umkämpftem Raum von Erinnerung, Deutung und Macht – zwischen Kunst, Wissenschaft und algorithmischer Gegenwart. U.a. mit Prof. Dr. Ursula Frohne, Kunsthistorikerin, Universität Münster
Alle detaillierten Infos zum Programm hier
Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste
Im Jahr 1970 als „Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften“ gegründet, hat die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste in Düsseldorf in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur ihren Namen geändert. Sie ist gewachsen und interdisziplinärer geworden. Heute zählen zu den Mitgliedern neben herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Geisteswissenschaften, der Naturwissenschaften und Medizin sowie der Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften auch viele renommierte Künstlerinnen und Künstler.
Wissenschaftskommunikation: Fächerübergreifender Dialog auf höchstem Niveau
Die Förderung des interdisziplinären Dialogs steht im Fokus des Akademielebens. Um den Fachdialog auf höchstem wissenschaftlichem Niveau durch fächerübergreifende Einsichten zu erweitern, stehen die Sitzungen der einzelnen Klassen allen Mitgliedern der Akademie offen. Die Mitglieder der Akademie tauschen sich regelmäßig mit handelnden Personen aus Politik, Wirtschaft und Kultur sowie mit wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland aus. Im Mittelpunkt dieses Austausches stehen komplexe natur- und geisteswissenschaftliche, soziale, ökonomische und ethische Fragen, die unsere Gesellschaft betreffen.
Die Akademie sieht sich in der Verantwortung, den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit zu stärken und weiter voranzutreiben. Unser Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse so aufzubereiten und zu kommunizieren, dass sie in Meinungsbildungsprozesse und gesellschaftliche Entscheidungen mit einfließen. Die Akademie hat über die Jahrzehnte hinweg mehr als 1000 Vorträge und Ergebnisse aus ihren Klassen und Arbeitsgruppen publiziert.
Kunst und Wissenschaft unter einem Dach: die Entwicklung der Akademie
Die Idee einer allgemeinen Gelehrtengesellschaft in Nordrhein-Westfalen reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelang die Gründung der „Rheinischen Gesellschaft für wissenschaftliche Forschung“, die von 1911 bis 1915 eine größere Zahl von wissenschaftlichen Vorhaben förderte. Durch den Ersten Weltkrieg wurde ihre Tätigkeit zunächst beendet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gründete Ministerpräsident Karl Arnold auf Anregung von Ministerialdirektor Professor Dr.-Ing. Leo Brandt 1950 die „Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen“. Ziel dieses Zusammenschlusses von Forschenden aus den naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen war die Beratung der Landesregierung beim Wiederaufbau des durch den Krieg stark zerstörten Landes.
1970 wurde die Arbeitsgemeinschaft in die „Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften“ umgewandelt und erhielt den Rechtsstatus einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Um der Bedeutung der Ingenieurwissenschaften Rechnung zu tragen, wurde im Mai 2000 die bisherige zweigliedrige Struktur um die Klasse für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften ergänzt. Ihren heutigen Namen „Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste“ erhielt die Akademie im Jahr 2008 mit der Erweiterung um die Klasse der Künste. Sie ist damit die erste und bisher einzige Wissenschaftsakademie, die die Künste als eigenständige Klasse integriert hat.
Die Klasse der Künste
Die Klasse der Künste ist eine von insgesamt vier Klassen der NRW-Akademie und zeichnet sich durch eine Besonderheit im Vergleich zu allen anderen deutschen Landesakademien aus: Nur in der NRW-Akademie sind die Künste in ihren vielfältigen Disziplinen wie Architektur, Bildende und Darstellende Künste, Musik und Literatur sowie kunstbezogene Wissenschaften und Praxis innerhalb einer eigenen Klasse vertreten. 2008 auf Anregung von Markus Lüpertz gegründet, gehören der Klasse 59 ordentliche Mitglieder mit Hauptwohnsitz oder Arbeitsort in NRW sowie drei weitere korrespondierende Mitglieder an (Stand 2026). Mit künstlerischen Präsentationen und Aufführungen sowie diskursiven Formaten bereichern die Kunstschaffenden sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Klasse K den Austausch und die Aktivitäten der NRW-Akademie.
Sekretärin: Prof. Dr. Nadine Oberste-Hetbleck
Stellvertretender Sekretär: Andreas Schmitten
Frühere Sekretärinnen, Sekretäre und ihre Stellvertretenden
Amtsjahre 2022/23/24
Prof. Anthony Cragg
Prof. Mischa Kuball
Amtsjahre 2018/19/20/21
Prof. Dr. Hans Peter Thurn
Prof. Dr. Peter M. Lynen
Amtsjahre 2014/15/16/17/18
Prof. Dr. Peter M. Lynen
Prof. Julia B. Bolles-Wilson
Amtsjahre 2009/10/11/12/13
Prof. Dr. Peter M. Lynen
Prof. Manfred Trojahn
Aktuelle Mitglieder
Siegfried Anzinger – Rozbeh Asmani– Carola Bauckholt – Corinna Belz – Anne-Julchen Bernhardt – Volker Bertelmann – Johannes Bilstein – Tobias Bleek – Gerd Blum – Julia B. Bolles-Wilson – Anthony Douglas Cragg – Maria de Alvear – Christopher Dell – Martina Dobbe – Oswald Egger – Pia Fries – Katharina Fritsch – Ursula Frohne – Heiner Goebbels – Heike Hanada – Manuel Herz – Candida Höfer – Winrich Hopp – Henrietta Horn – Christoph Ingenhoven – Stefan Kaegi – Navid Kermani (korrespondierend) – Jürgen Klauke – Josef Kleinheinrich – Karin Kneffel – Bernd Kniess – Mischa Kuball – Christiane Löhr – Markus Lüpertz – Brigitta Muntendorf – Wolfgang Niedecken – Nadine Oberste-Hetbleck – Marcel Odenbach – Enno Poppe – Marion Poschmann – Ben J. Riepe – Thomas Ruff – Johannes Schilling – Martin Schläpfer – Andreas Schmitten – Steffen Siegel – Werner Spies – Burkhard Spinnen – Markus Stockhausen – Hans Peter Thurn
Bildnachweis: Yuyan Wang, Fotograf: Achim Kukulies, Düsseldorf
Nordrhein-Westfälische Akademie
der Wissenschaften und der Künste
Palmenstraße 16
40217 Düsseldorf