23. März – Ende Juli 2026
STUDIOMERCUR668

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Eine Ausstellung über das Gesicht als Spiegel der Identität in Zeiten seiner Manipulierbarkeit

Eröffnung: Samstag, 21. März 2026, 11 – 15 Uhr

„Selbstbewusstsein zu haben heißt mittlerweile also gerade auch, ein Bewusstsein vom eigenen Bild zu haben, ja speziell über Gesichtsbewusstsein zu verfügen. Und es heißt, selbst über das eigene Bild bestimmen zu wollen.“
Wolfgang Ullrich über die Ausstellung

Das Gesicht ist heute zur Experimentierfläche, zum Labor optionaler Identitäten und hybrider Selbstentwürfe geworden. Wie sieht man sich also selbst heutzutage, wie sehen Künstler und Künstlerinnen das Gesicht als Konterfei des Ichs, als Pendant der Gefühle und Ausdruck der Gedanken, als gestaltbare Bühne der Identität, als reizvolle wie reizbare biologisch determinierte Oberfläche, als Spiegel einer sich zunehmend verflüchtigenden, diffuser werdenden Seele? Die Ausstellung zeigt eines: So vielfältig wie die Gesichter und die Möglichkeiten ihrer Gestaltung, so vielfältig auch die Stile und künstlerischen Herangehensweisen.

Mit Tim Berresheim, Alexandra Bircken, André Butzer, Annegret Soltau, Tine Furler, Caroline von Grone, Zandra Harms, Jeppe Hein, Johannes Hueppi, Leiko lkemura, Ulrich Lamsfuss, Julian Opie, Tobias Rehberger, Anys Reimann, Thomas Ruff, Volker Saul, Matthias Schaufler, Anja Schwörer, Katharina Sieverding, Vincent Tavenne, Paloma Varga Weisz, Johannes Wohnseifer, Tobias Zielony

Geadelt und veredelt 
Just in diesen Tagen, wo in Baden-Baden der glamouröse SPA Award verliehen wird 
und die Beauty Industrie triumphierend Einzug hält, eröffnet auch das STUDIOMERCUR668 mit Face to Face seine erste Ausstellung. Ein schöner Zufall. Und schön ist auch das richtige Stichwort – in einer Stadt, die seit jeher die ästhetisierte Existenz praktiziert und propagiert, ja, in der das Prinzip des Sehen und Gesehens in der historischen Lichtentaler Allee erfunden wurde, in der es immer schon Privileg war, sein Gesicht zu zeigen. Hier ritt oder schritt auch die schöne Sissi, legendäre Aristokratennomadin, immer wieder durch den Park und schwätzte – im Geiste effizienter Netzwerkarbeit – mit der ebenso hochwohl geborenen Verwandtschaft.

Sie, die angeblich schönste Frau der Welt in ihrer Zeit – und zugleich der Prototyp selbstoptimierter Weiblichkeit. Den Körper mit geheimen Tattoos gelabelt, gezüchtigt mit exzessivem Sport und täglichen stundenlangen Haarpflegeritualen, der helle Alabaster-Teint manisch mit Schirmen vor der Sonne geschützt. Und ganz nah daran an der Schwelle von Schönheit und Sterben als wohl erste bekannte Magersüchtige der Weltgeschichte – durchaus guinnesbuch-verdächtig, in einem zynischen Sinne. Exzessive Fastenkuren in Verbindung mit Koks hinterließen der sezierenden medizinischen Nachwelt mit der Leiche der Schlankheits-Wahnsinnigen auch stattliche Hungerödome und andere biologische Schadensfälle. Aber immerhin mit einer Taille von nicht mal 50 cm ein beeindruckender  früher Fall von Super-Zero

„Die Fahne für zeitgenössische Kunst in Baden-Baden muss weiter gut sichtbar hochgehalten werden. Das Publikum hier ist interessiert und offen, ja geschult im Blick auf die Kunst – das haben wir als Auftrag verstanden, kleine, feine Ausstellungen in einer besonderen Atmosphäre zu machen. Mit FACE TO FACE hoffen wir ein Thema gefunden zu haben, das hier in der Stadt, in der das Sehen und Gesehen werden als Lebensprinzip mit erfunden wurde, einen Nerv trifft – den Sehnerv, im vielfachen Sinne.“ 

Die Gesichtslandschaft als Bühne und Spiegel

Das alles kommt uns doch irgendwie bekannt vor… Neben dem Körper ist heute – allein aufgrund der verschiedensten kosmetischen, medizinischen wie technischen Möglichkeiten – vor allem das Gesicht zur Bühne maximaler Selbstoptimierung geworden. Denn bekanntlich ist es gerade das Gesicht, das Individualität verleiht, Erkennbarkeit erzeugt, Identität ausdrückt und aus dem heraus akustisch wie optisch (und manchmal auch olfaktorisch) kommuniziert wird. Auch die Wahrnehmung des Menschen, gerade von Angesicht zu Angesicht, ist mit seinem klassischen Gliederungsschema von Augen, Nase und Mund immer spezifisch konditioniert, die Mimik wirkt verstärkend – man sieht sich selbst oder sein Gegenüber eben immer per se anders als eine Vase.

Der Blick in die Kunst auf den spezifischen jahrtausendealten Bildtypus des Porträts scheint da nahezuliegen. Die ausgewählten Darstellungen – alle in etwa 1:1, also gesichtsgroß – belegen anschaulich: Das Interesse am Gegenüber ist – Gott sei Dank – nach wie vor gegeben. Und spiegelt zugleich das ganze Spektrum aktueller künstlerischer Darstellungsformen wider. So vielfältig wie die Gesichter, so die Stile. Manche wirken hingehaucht und verlieren sich im Diffusen der Wasserfarben auf Papier, andere zeigen dem Gegenüber das Gesicht hemmungslos als Fratze. Wieder andere dekonstruieren die Gesichtsform und spüren zugleich dem Kern der Identität nach. Manchmal sind es auch erst die Haare oder die Maske, die als Rahmung das Gesicht prägend markieren. Auch ein photorealistischer Duktus darf nicht fehlen und inszeniert das Gesicht einmal mehr, als das, was es ist und immer bleiben wird: Ein grenzenloses Faszinosum. Selbst beim minimalisierten Strich kommt uns das entgegen, was das Gesicht ausmacht, in manchen Fällen eben auch mal als schlichte Schönheit. Und wenn das Gesicht allein noch nicht alles sagt, verstärkt dies die Maskerade – und ringt dem Betrachter in seinem eigenen Gesicht ein Lächeln, wenn nicht ein Lachen ab. Ob mit Ölfarbe oder in Porzellan: In der Abstraktion verrät das Gesicht vielleicht am stärksten etwas von der Seele, die sich hinter ihm verbirgt. So zieht sich durch alles eine Linie: In der Wahrnehmung des Gesichts des anderen spielgelt sich auch das eigene – das eigene Gesicht wie die eigene Seele. (Kathrin Luz)

Gesichtsbewusstsein

Gedanken zur Entwicklung der facialen Gesellschaft anlässlich der Ausstellung FACE TO FACE in Baden-Baden. Von Wolfgang Ullrich
 
Mit Porträtfotografien Geld zu verdienen ist in den letzten Jahren erheblich mühsamer geworden. Und das nicht nur, weil Zeitungen und Magazine weniger Aufträge vergeben oder dafür schlechter zahlen als früher, sondern erst recht, weil die Fotografierten öfter unzufrieden mit den Fotos sind. So wird es aus der Branche jedenfalls immer wieder berichtet. Diese Unzufriedenheit aber ist Folge davon, dass die meisten Menschen heute viel festere Vorstellungen von ihrem Aussehen haben als in vorangehenden Generationen.  Vor allem seit dem Boom von Smartphones und Sozialen Medien sehen viele täglich Bilder von sich und machen zudem vielleicht Selfies. Dabei sind die Fotos oft schon dank der in die Kameras integrierten Programme geglättet, fein ausgeleuchtet oder auf andere Weise geschönt; mit wenigen Klicks lässt sich weiter nachhelfen, um noch schmeichelhaftere Ergebnisse zu erzielen.
 
Daher hat man heute nicht nur ein genaues, sondern vielfach auch ein idealisiertes Bild von sich. Und entsprechend kann der ehrliche oder analytische Blick eines Profis, jedes nicht rasch mit einem Smartphone geknipste Porträtfoto zur Ernüchterung werden und eine Mängelrüge nach sich ziehen. Selbstbewusstsein zu haben heißt mittlerweile also gerade auch, ein Bewusstsein vom eigenen Bild zu haben, ja speziell über Gesichtsbewusstsein zu verfügen. Und es heißt, selbst über das eigene Bild bestimmen zu wollen. Man ist nicht bereit, es fatalistisch hinzunehmen, wie man auf einem Foto aussieht; zugleich aber empfindet man Bildambitionen von Dritten – von Laien noch mehr als von Profis – häufig als übergriffig, als aggressiv. Viele wollen es sich nicht länger gefallen lassen, dass ihr Image von gar noch klischeehaft-einseitigen Fremdzuschreibungen geprägt wird…Zum kompletten Text

Von Fuss bis Kopf: Im Basement eine traditionsreiche Maßschuh-Manufaktur, im Stockwerk darüber ein Kunst-Kabinett. Der neue von Kathrin Luz, Sven O. Ahrens und Matthias Vickermann gegründete Kunstraum STUDIOMERCUR668 in der Kur- und Kunststadt Baden-Baden setzt in salonartig inszenierten Räumen in einem alten Baden-Badener Bürgerhaus aus dem frühen 19. Jahrhundert Themen unserer Zeit und unter der Handschrift wechselnder Kurator*innen in individuelle Ausstellungskonzepte mit zeitgenössischen Künstler*innen um, die sich – im besten Fall – zu einem inspirierenden Tableau verdichten.
 
Kuratorisches Team
Kathrin Luz, Sven O. Ahrens, Matthias Vickermann
 
PR
Kathrin Luz 
www.luz-communication.de
 
Design & Fotografie
Lea Kolbus
 
Website
Alexander Späth

Weitere Informationen zum STUDIOMERCUR668 und der Ausstellung hier

Bildnachweis: v.l.n.r.: Anys Reimann, Le Noire De… XCIII, 3-2024, 70 x 50 cm, Collage/Öl auf Papier 
Zandra Harms, ZET 2602, Porzellan, Farbkörper, Glasur, 2026, 25 x 19 cm


STUDIOMERCUR668
Merkurstr. 3 – 5, 76530 Baden-Baden

Öffnungszeiten
Mo – Sa 9 – 13 Uhr, 14 – 18 Uhr
Sa 10 – 14 Uhr
[Besuch nur nach Voranmeldung]

Aktuelle Infos hier: instagram
Kontakt: +49 171 3102472 oder welcome@studiomercur668.de

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