28. März – 9. Mai 2026
Galerie Christine Mayer

mostbet

Frank Stürmers fotografische Arbeiten sind intuitive Momentaufnahmen oft übersehener Zwischenräume. Sie wirken wie beiläufige Funde und tragen doch ein Nachdenken in sich: über Synchronizität und Kreisläufe, über die mitunter absurde Nähe von Vergangenheit und Gegenwart, von Mensch und Natur, von Leben und Tod. So scheint in ihnen ein größerer Zusammenhang auf – etwas, das sich nicht ganz fassen lässt und doch alles durchzieht. Vielleicht ist es das, was im rumänischen Titel „LUME“ anklingt: ein Wort, das im Deutschen keine eindeutige Entsprechung kennt und zugleich ‚Welt ‘, ‚Menschen‘ und ‚Gesellschaft‘ bedeuten kann. Weniger also eine klare Benennung als vielmehr ein Gefühl von Weltzusammenhang, das wir in uns tragen.

Die Bilder dieser Ausstellung entstanden 2024 und 2025 auf der Insel Ischia im Golf von Neapel – an konkreten Orten. Etwa in La Mortella, einem üppigen Garten, der in den 1950er-Jahren von der argentinischen Gartenarchitektin Susana Walton angelegt wurde. Oder in kleinen Ortschaften wie Succhivo und Panza. Und doch entwickeln die Aufnahmen eine Bildsprache, die das rein Lokale übersteigt. Eine Fotografie zeigt eine junge Frau in historischem Kostüm, die wie eine Heilige wirkt, während hinter ihr eine Passantin hastig vorbeigeht, den Blick ins Smartphone gesenkt. Auf einer anderen reitet ein junger Mann, oberkörperfrei und in Jogginghose, durch die Straßen von Ischia Panza – ein Bild, das zugleich alltäglich und vollkommen unwirklich erscheint. Das vergangene Vernakulare und das Gegenwärtige verschränken sich hier zu einer eigentümlichen, paradoxen Gleichzeitigkeit. In einer Aufnahme der flirrenden Oberfläche des Meeres zerfällt das Sonnenlicht in unzählige Punkte, die sich wie Sternbilder ordnen. Für einen Augenblick wirkt die Welt größer, weiter, beinahe kosmisch.

Begleitet werden die Fotografien von einer Fünf-Kanal-Video-Installation, die Räume und Zeiten ineinanderschiebt.
Ein Blick von Ischia hinüber nach Capri: einmal im grellen Mittagslicht; dann in einer von Wetterleuchten durchzogenen Nacht, als würde sich der Himmel selbst entzünden. Kontrastierend dazu stehen 2001 entstandene Aufnahmen des Mausoleums Atatürks in Ankara. Tauben, die sich durch die Szenerie bewegen, Kinder beim Spielen, Reinigungskräfte bei der Arbeit. Nationale Symbolik, rituelle Formen des Gedenkens und die leisen Routinen des Alltags existieren hier nebeneinander. Daneben die Sequenz eines Habichts, der eine Taube geschlagen hat – ein Moment, in dem sich die Unmittelbarkeit des Todes in der Natur offenbart. Die akustische Ebene der Installation basiert auf einer einstündigen Aufnahme der Naturgeräusche Ischias in den frühen Morgenstunden. Das Rauschen des Meeres, das Anschwellen und Abebben der Wellen erzeugen eine eigene Zeitlichkeit, die den Fortgang der Zeit spürbar macht und sich zugleich jeder Linearität entzieht.

Vielmehr ist es ein Kreisen, ein tastendes Verbinden von Dingen, das in den Aufnahmen der Ausstellung anklingt und in eben diesen Überlagerungen und Ambivalenzen die subtilen Zusammenhänge der Gegenwart offenbart.

Lena Tilk

Bildnachweis: Frank Stürmer, Untitled (Maronti), 2025 / 2026, Pigment Print, 37,9 x 56,8 cm
Edition 1 / 3 (Ed. 3 + 2AP)


GALERIE CHRISTINE MAYER
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