05.03.21 – 15.05.21

Dienstag – Freitag 10 – 18.30 Uhr
Samstag 10 – 18 Uhr
Der Besuch ist nach Voranmeldung möglich.

Die Galerie Karsten Greve freut sich, dem Spätwerk des Schweizer Künstlers Louis Soutter (1871–1942) eine Ausstellung in Köln zu widmen, die auf eine sehr erfolgreiche Schau im Sommer 2020 in Paris folgt. Zu der bemerkenswerten Sammlung von Karsten Greve, die in Köln ausgestellt wird, kommen neue Leihgaben aus Privatsammlungen hinzu. Zum ersten Mal präsentierte die Galerie Karsten Greve die Fingermalereien Louis Soutters 1998 in einer Ausstellung in Köln, die dazu beitrug, dem Künstler in Europa und weltweit seine verdiente Anerkennung zukommen zu lassen. Nach mehr als zehnjähriger Vorbereitungist es Karsten Greve eine besondere Freude, anlässlich des 150. Geburtstages von Louis Soutter dessen Fingermalereien in der Begleitpublikation Louis Soutter. Un Présage besonderen Raum zu geben. Mit Texten von Michel Thévoz, dem Verfasser des Werkverzeichnisses zu Louis Soutter, des französischen Schriftstellers Éric Vuillard sowie einem Gedicht von Hermann Hesse ist dieses Buch aufgrund seiner literarischen Gewichtung besonders bemerkenswert.

Geboren 1871 als Sohn eines Apothekers in Morges, im Schweizer Kanton Waadt, war Louis Soutter der Weg zu einer vielversprechenden Karriere geebnet: Nach dem Besuch der Industrieschule in Lausanne begann er ein Architekturstudium, das er abbrach, um sich der Musik zuzuwenden. Er ließ sich bei dem Komponisten und Dirigenten Eugène Ysaÿe am Conservatoire Royal von Brüssel als Violinist ausbilden. Anschließend nahm er das Zeichenstudium wieder auf und war interessiert an der europäischen Avantgarde, vor allem für die „Société des Vingt“, eine 1883 gegründete Vereinigung belgischer Maler. Louis Soutter emigrierte in die Vereinigten Staaten, wo er in Colorado Springs die amerikanische Musikerin Madge Fursman heiratete und zum Direktor der Abteilung für Kunst am Colorado College avancierte. Nach einer Typhuserkrankung, dem Tod seines Vaters und seiner Schwester und nach der Scheidung kehrte der Künstler im Jahr 1903 physisch geschwächt und seelisch gebrochen in die Schweiz zurück.

1915 verlor er seine Position als erster Violinist im Symphonieorchester von Genf und amtierte als Kino- und Kaffeehausgeiger. Hochverschuldet wurde Louis Soutter 1923 in einem Altersheim in Ballaigues, einem abgeschiedenen Dorf im waadtländischen Jura, interniert. In der trostlosen Abgeschiedenheit der Anstalt begann seine über neunzehn Jahre andauernde äußerst produktive Schaffensphase. Trotz des Einsiedlerdaseins wurde sein Schaffen von einer kleinen Gruppe von Bekannten unterstützt, unter anderem von Jean Giono und den Brüdern Vallotton, die seine Werke in ihrer Galerie in Lausanne ausstellten, nicht zuletzt vom Architekten Le Corbusier, seinem Cousin, der für ihn Ausstellungen in den Vereinigten Staaten organisierte; da Le Corbusier der Fingermalerei nichts abgewinnen konnte, distanzierte er sich schließlich wieder von ihm. Louis Soutter verstarb unbemerkt von der Öffentlichkeit 1942 in Ballaigues.

Erst 1961 erfolgte die Wiederentdeckung seiner Werke dank des Musée Cantonal des Beaux-Arts in Lausanne, das ein großes Konvolut von Arbeiten erworben hatte und Louis Soutter eine erste Retrospektive widmete. Die Fondation Le Corbusier in Paris brachte einen wichtigen Teil seiner Zeichnungen wieder ans Licht. Louis Soutters Werk wurde von Beginn an in internationalen Ausstellungen präsentiert und gehört zum Bestand bedeutender privater und öffentlicher Sammlungen, darunter das Kunstmuseum Basel, das Museum of Modern Art, New York, das Kunst Museum Winterthur oder das Kunsthaus Zürich.

Die Fingermalereien von Louis Soutter sind ergreifend und von außergewöhnlicher Intensität, sie wirken wie Illustrationen zu dem 1961 von Hermann Hesse verfassten Gedicht über diesen Maler: „nicht korrekt, nicht schön, male richtig, Male mit Tinte und Blut, male wahr. Wahrheit ist schrecklich.“ In den Fingermalereien unterschiedlichster christlicher und mythologischer Themen manifestiert sich eine visionäre Einbildungskraft, die traumatische Erfahrungen und Angstzustände vergegenwärtigt. Unter Anwendung einer speziellen Technik „stempelte“ Louis Soutter mithilfe seiner in schwarze Tusche oder Öl oder Druckerschwärze getauchten Fingerkuppen die Figuren eigenhändig aufs Papier. Den dicht aneinandergereihten schwarzen Silhouetten fehlt jegliche Körperlichkeit, ihre tänzerische Beweglichkeit ist nicht Ausdruck von Vitalität; vielmehr scheinen die mit übergroßen Händen gestikulierenden schwarzen Schatten zu taumeln, als ob sie in einem Netz oder hinter einem Draht gefangen wären. Historische Ereignisse der Gettos und Konzentrationslager jener Zeit spiegeln sich in den Fingermalereien Louis Soutters, bevor oder während sie sich in der Wirklichkeit abspielen. Sein künstlerisches Spätwerk hat prophetischen Charakter und ist ohne Parallele in der europäischen Kunst der Zwanziger- und Dreißigerjahre.

Bildnachweis: Installationsansicht, Louis Soutter Fingermalerei, Galerie Karsten Greve Köln, 2021. Foto: Lisa Busche


GALERIE KARSTEN GREVE
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