21. März – 31. Mai 2026
Kunstverein München

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Seit 2013 arbeitet Browning kontinuierlich in der Schnitzerei. All Woordcarvings Remain Slow Motion Mobiles versammelt Arbeiten, die in diesem Zeitraum produziert wurden. Alle gezeigten Werke sind aus Douglasienholz geschnitztJede Skulptur ist mit dem Verfahren der Kettenglied-Schnitzerei produziert und wird aus jeweils einem einzelnen Stück Holz gefertigt. So können innere Hohlräume, Raster und Rahmen ohne nachträgliche Montage entstehen. Raum wird folglich nicht aus separaten Teilen konstruiert; vielmehr wird Material abgetragen, bis sich Räumlichkeit aus dem Block selbst herausbildet. Die resultierenden Formen befinden sich in einem uneindeutigen Status zwischen geschlossener Masse und offenem Gefüge, dicht und durchlässig zugleich.

Die Skulpturen entstehen vollständig durch Subtraktion. Hohlräume werden geöffnet, Kanäle erweitert und Verbindungen stehen gelassen, bis sich ineinander verschränkte Volumen innerhalb des ursprünglichen Blocks herausbilden. Die Struktur, die daraus hervorgeht, bleibt somit untrennbar mit dem Material verbunden, aus dem sie geschnitzt wurde. Die Skulpturen stellen weder Ketten noch Gitter dar; sie werden durch das kontinuierliche Wegschnitzen des Holzes selbst zu solchen Strukturen.

Dieser reduktive Prozess ist präzise und weitgehend unumkehrbar. Dieselben Handgriffe werden tausendfach wiederholt. Ist Material einmal entfernt, lässt es sich kaum wiederherstellen. Browning arbeitet dabei mit einer Technik, die eher dem Whittling ähnelt, als einer konventionellen bildhauerischen Schnitztechnik. Durch kleine, kontrollierte Schnitte trägt Browning das Holz allmählich ab, sodass komplexe Strukturen – jede einzigartig – aus der kumulativen Wiederholung einfacher Gesten hervorgehen. Was zurückbleibt, ist keine bloße Demonstration des handwerklichen Könnens, sondern die Ansammlung von Entscheidungen, die Aufzeichnung von Zeit, die als Struktur sichtbar wird. Jede Arbeit verdichtet Wochen wiederholten Schneidens und Schnitzens: Die ausgedehnte Begegnung zwischen Körper, Werkzeug und Holz, die sich allmählich zu einer Form festigt.

Die Ausstellung umfasst sowohl freistehende als auch an der Wand befestigte Werke, die dieselben Kettengliedstrukturen in unterschiedlichen räumlichen Registern entwickeln: Während die freistehenden Skulpturen vorschlagen, das Schnitzen als ein sich durch den Raum bewegendes Volumen zu verstehen, erweitern die Wandarbeiten dieses Vokabular entlang der Wand. Im Zusammenspiel offenbaren die beiden Formen eine zusammenhängende skulpturale Logik: Die eine wirkt durch Masse und Zwischenräume im Raum, die andere durch die Ausdehnung über die architektonische Oberfläche.

All Woodcarvings Remain Slow Motion Mobiles (dt. Alle Holzschnitzereien bleiben Zeitlupen-Mobiles) deutet auf ein zentrales Paradox von Matt Brownings Holzarbeiten hin. Was als Stillstand erscheint, ist nicht die Abwesenheit von Bewegung, sondern deren Überrest – Bewegung, die vorübergehend festgehalten wird. Die kettenartigen Strukturen der Skulpturen tragen die Möglichkeit einer Artikulation in sich, denn jedes Element kann sich jederzeit im Verhältnis zum nächsten bewegen oder drehen. Diese Bewegung tritt jedoch nie ein. Stattdessen bleiben die Arbeiten in einem Zustand des Gleichgewichts fixiert, in dem das Potenzial der Bewegung vorhanden ist, jedoch im geschnitzten Block gehalten wird.

Douglasienholz spielt eine aktive Rolle in der Logik von Brownings Skulpturen. Als Bauholz wegen seiner Festigkeit und Stabilität weit verbreitet, bietet es der Schnitzbewegung sowohl Widerstand als auch Richtung. Seine ausgeprägte Maserung bestimmt, wo Druck ausgeübt werden kann und wo das Material zu spalten droht. Zugleich trägt das Holz seine eigene Wachstumsgeschichte in sich: Jeder Jahresring markiert ein Jahr der Vergrößerung und schreibt Dauer unmittelbar in die Materie ein. Auch nach dem Beenden der Schnitzarbeit bleibt das Material in Veränderung. Durch Lichteinwirkung intensiviert sich die Farbe des Holzes allmählich von hellen hin zu wärmeren Bernstein- und rotbraunen Tönen, während es durch leichte Ausdehnungen und Kontraktionen auf Schwankungen von Luftfeuchtigkeit und Temperatur reagiert.

In der Installation im Ausstellungsraum bilden die Skulpturen ein genau austariertes Feld von Beziehungen – Abständen, Ausrichtungen und Intervallen –, welches die Bewegung der Besucher*innen durch den Raum prägt. Bewegt man sich um die Arbeiten herum, wandelt sich eine scheinbare Flachheit zunehmend in Tiefe; innere Strukturen treten hervor und verschwinden wieder, und die Skulpturen verschieben fortwährend ihre Orientierung und ihr Verhältnis zueinander. Sie sind weder vollständig autonome Objekte noch Teile einer festen Gesamtstruktur. Vielmehr bilden sie eine räumliche Konstellation, in der jede Arbeit die Wahrnehmung der anderen subtil beeinflusst. Hohlräume richten sich über den Raum hinweg zueinander aus, Ketten greifen den Rhythmus benachbarter Arbeiten auf, und die Dichte der Schnitzerei verschiebt sich von Skulptur zu Skulptur. In diesem Sinne wird Schnitzerei weniger zu einer Technik der Darstellung als ein Mittel, Raum und Dauer zu strukturieren.

All Woodcarvings Remain Slow Motion Mobiles ist Matt Brownings erste institutionelle Einzelausstellung und entsteht in Kooperation mit dem Mies van der Rohe Haus in Berlin. 

Die Ausstellung wird gefördert durch die Karin und Uwe Hollweg Stiftung.

Bildnachweis: Matt Browning, I Still Believe In Your Eyes, 2024. Foto: Adrianna Glaviano


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