16. April – 01. August 2021
Japanisches Palais, Dresden


Wie lässt sich über scheinbar Unaussprechliches sprechen? Wie überwinden Gesellschaften Zustände der Sprachlosigkeit nach Verlust- und Gewalterfahrungen? Kollektive Traumata – Krieg, Genozid, Verfolgung und Vertreibung – hinterlassen tiefe Spuren im Gedächtnis von Gemeinschaften. Sie prägen das Fühlen, Denken und soziale Handeln der Menschen. Gemeinsam ist ihnen die Suche nach Sprache, die Erlebtes in Worte fasst. Die Ausstellung im Japanischen Palais in Dresden nimmt sich verschiedener Gewalterfahrungen in globaler und zugleich differenzierter Perspektive an. Literatur und Poesie, Arbeiten von Künstler*innen und Aktivist*innen und die Geschichten hinter den Sammlungsobjekten der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen ergeben ein Gewebe, das diese Erfahrungen zueinander in Beziehung setzt.

Ausgehend von der poetischen Widerstandskraft von Literatur fragt die Ausstellung nach Möglichkeiten der Überwindung eines Schweigens, das bis heute unsere Gegenwart prägt. Doch sie ist auch von dem bestimmt, was Hannah Arendt als “dichterisches Denken” bezeichnete: in der Poesie wird Unsichtbares sichtbar. Sie besitzt die Kraft, Begriffe neu zu besetzen, und Aufmerksamkeit für andere traumatische Erfahrungen zu schaffen. In der Gedichtspur wird dieser Ansatz deutlich: Sie begleitet und kommentiert die Ausstellung. In der Betrachtung der jeweils eigenen historischen und gesellschaftlichen Ursachen wird Sprache zum Weg und zur Methode des empathischen Erinnerns.

Bildnachweis: Ausstellungsansicht des japanischen Palais.


Japanisches Palais
Palaisplatz 11
D-01097 Dresden
www.japanisches-palais.skd.museum

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