SEMIKOLON – VERWIRRUNGEN
7. bis 28. September 2025
Künstlerforum Bonn
Finissage: Sonntag 28. September ab 16 Uhr
Semikolon befragt in der Ausstellung Verwirrungen durch die Bildende Kunst das Spektrum der Wirklichkeit, das für die Gruppe von Chaos und vermisster Ordnung geprägt ist. In diesem Zustand suchen sie gemeinsam nach konstruktiven Wegen und laden dazu ein, den Begriff Verwirrung nicht bloß im Kontext des Geistes zu betrachten, sondern als Quelle der Inspiration und der Kreativität. Die Ausstellung nutzt Verwirrung als Impuls, um neue Perspektiven zu eröffnen und gewohnte Grenzen zu überschreiten. Semikolon zeigt Werke, die Beziehungen zwischen der inneren künstlerischen Welt und der äußeren Realität herstellen. Ebenso spannend ist für die Gruppe der umgekehrte Weg von der scheinbar geordneten Struktur hin zum als chaotisch empfundenen Zustand.
Anja Eichen präsentiert Schriftbilder, in denen sich Textinhalte expressiv entfalten – über das Literarische hinaus. Durch genaues Hinsehen wandelt sich die anfängliche Verwirrung in Klarheit. Katja Roden arbeitet mit Tusche und erschafft Bilder, die zunächst chaotisch wirken, jedoch einer präzisen Ordnung folgen. Zufällige Formen und Verläufe erzeugen Irritationen, die beim zweiten Blick figürliche Assoziationen wecken und den Blick für das Verborgene öffnen. Carl Körner setzt sich mit Techniken, Motiven und Darstellungsweisen auseinander, die ihn über Jahre begleitet haben – und fügt sie im Kontext der Ausstellung zu einem neuen Ganzen zusammen. Erika C. Kömpel nutzt Spiegelungen und optische Täuschungen, die unsere Wahrnehmung irritieren und die Wirklichkeit infrage stellen. Rolf Lund verarbeitet scheinbar wertlose Materialien zu Collagen, Mischtechniken, Skulpturen und Objekten, die dem Alten eine neue ästhetische Funktion verleihen. Spuren von Zerstörung wie bereits vorhandener Rost oder neu hinzugefügte Nagellöcher werden bewusst einbezogen.
Nortrud Becher-König refl ektiert mit Witz und Ironie die Verwirrung der Menschheit im Umgang mit anderen Lebewesen. Ihre Arbeiten stellen die Frage, ob Mensch oder Tier das animalische Wesen ist – und stellen unsere Gewohnheiten und Sensibilität infrage. Nadja Jander verbindet in ihren Arbeiten den Barcelona Chair von Mies van der Rohe und Lilly Reich mit der digitalen Gegenwart. Durch Linolschnitt und 3D-Druck kombiniert sie ikonisches Design mit Objekten der Gen Z. Die Symbolik der Bauhausfarben und Kandinskys Form-Farb-Theorie dient ihr als Ausgangspunkt für Überlegungen zu Ordnung und Verwirrung. Eva Vahjen hält Lebenssituationen in Bleistiftzeichnungen fest, die Erinnerungen an Vertrautes wachrufen. Der Konsum wird dabei zum Thema, das Verwirrung stiftet und zum Nachdenken über die Wichtigkeiten und Nichtigkeiten unseres Alltags anregt. Sibel Akkulak-Dosch thematisiert in ihrer Videoinstallation die Gefahren von Migrationsrouten, die jährlich tausende Opfer fordern – darunter viele Kinder. Silas Wilberg setzt sich in seiner Malerei mit Fragen nach Identität, Werten und Lebenszielen auseinander – und mit dem Ausweg aus den verwirrenden Gedanken, die damit verbunden sind.
Mit einer Gemeinschaftsinstallation aus Zeitungspapier macht Semikolon außerdem auf die verwirrenden Aspekte der Medien- und Kunstwelt aufmerksam. Mit Humor verweist die Gruppe auf Rezensionen, Kunsttrends und die Herausforderungen journalistischer Recherche – insbesondere im Spannungsfeld von Fake News und Kunstkritik. Sie rufen dazu auf, authentisch zu bleiben.
Semikolon / Teilnehmende Künstler:innen: Sibel Akkulak-Dosch, Nortrud Becher-König, Anja Eichen, Natja Jander, Erika C. Kömpel, Carl Körner, Rolf Lund, Katja Roden, Eva Vahjen, Silas Wilberg
Bildnachweis: Carl Körner, Variatio Odensorfensis Nr. 4, 1995, Holzschnitt; Foto Carl Körner
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