4. September – 24. Oktober 2026
Parrotta Contemporary Art


Constantin Guys – Christian d´Orgeix – Georg Herold – Bernhard Peters

Ein Projekt von Bettina Haiss 

ZU GAST BEI: Parrotta Contemporary Art, Brüsseler Str. 21, 50674 Köln

ERÖFFNUNG: 3. September 2026, 18 – 21 Uhr
DAUER: 4.9. – 24.10.2026, Di. – Fr. 14 – 18 Uhr, Sa. 12 – 16 Uhr und nach Vereinbarung

SHOW AND TELL bezeichnet ein im englischsprachigen Raum beliebtes Lernspiel für Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter. Kinder werden aufgefordert, einen frei gewählten Gegenstand in den Unterricht zu bringen, um unbefangen vor der Klasse darüber zu sprechen und vorhandene Kenntnisse vorzutragen. Die Qualität der Vorstellung beruht weniger auf der Richtigkeit der Äußerung, sondern liegt vielmehr im individuellen Ausdruck einer subjektiven Motivation. Diese unvoreingenommene Herangehensweise dient als Grundlage für das aktuelle Projekt von Bettina Haiss. SHOW AND TELL ist ein flexibles Präsentationsformat, das, einer persönlichen Neigung folgend, lustvoll und leichtfüßig ein Motiv oder Begriff, ein Objekt oder eine künstlerische Position umkreist.
 
SHOW AND TELL ermöglicht den Auftritt von Gegenständen und ihren Geschichten. Aus der reichhaltigen Ding- und Gedankenwelt schöpfend, stellt sich SHOW AND TELL als Bühne für Inszenierungen zur Verfügung. Dabei bestimmt die namensgebende Zusammenführung von Zeigen und Erzählen, Bild und Text ein vielseitig ausgerichtetes, alle gestalterischen Disziplinen und Epochen einbeziehendes Programm, das mehrere Orte und Medien besetzt. Sowohl ein Galerieraum, ein T-Shirt, ein Konzert oder ein Prospekt können als dynamischer Schauplatz zur Umsetzung eines spontanen Einfalls, einer intuitiven Idee, einer überraschenden Entdeckung oder neugierigen Frage geeignet sein.
 
SHOW AND TELL eröffnet damit einen Raum der losen Assoziationen und zirkulierenden Anregungen, die aus der produktiven Wechselwirkung von Zeigen durch Erzählen und Erzählen durch Zeigen hervorgehen. Dinge sprechen für sich und verwandeln sich gleichzeitig durch Verschiebungen des individuellen Blicks, um eine „andere Präsenz“ zu offenbaren.
 
SHOW AND TELL schafft ein offenes und durchlässiges Angebot, das durch den regen Austausch bestimmt ist. SHOW AND TELL versteht sich daher weniger als eindeutige Setzung oder Statement, sondern als Spielfläche und Experimentierfeld zur modellhaften Erprobung verschiedener Möglichkeiten des Zeigens und Erzählens.

SHOW AND TELL #1 : Figuren des Flüchtigen

Die erste Ausgabe von SHOW AND TELL nimmt die Form einer Ausstellung in den Räumen der Galerie Parrotta Contemporary Art an, die Figuren des Flüchtigen gewidmet ist.
 
Ausgangspunkt bilden die schnellen, spontan ausgeführten Zeichnungen von Constantin Guys (1802 – 1892), mit denen er Pariser Sitten und Moden erfasste. In seinem Essay „Maler des Modernen Lebens“ (1959 – 60) stellt der Dichter Charles Baudelaire (1821 – 1867) Guys als prototypischen Vertreter des Zeitgeistes und einer Empfindung von Modernität dar. „Die Modernität, das ist das Vorübergehende, das Flüchtige, das Zufällige, es ist die eine Hälfte der Kunst, deren andere Hälfte das Ewige und Unveränderliche ist.“
 
SHOW AND TELL greift dieses Motiv des Flüchtigen und seine zahlreichen Aspekte und Facetten in Werken von Constantin Guys, Christian d´Orgeix (1927 – 2019), Georg Herold (*1947) und Bernhard Peters (*1956) auf. Versammelt und in Beziehung zueinander gesetzt werden ephemere Erscheinungen, beiläufige Beobachtungen, schnelle Skizzen.

Constantin Guys

Wie der Flaneur, der Gestalten mit seiner Aufmerksamkeit streift und für einen Augenblick hervorhebt, um sie sogleich wieder in der Menge zu verlieren, fixiert Guys den spontanen Eindruck mittels einer raschen Skizze oder Notiz. Damit einher geht die schöpferische Umwertung des Gesehenen, oder, nach Baudelaire, die Übersetzung der momenthaft aufblitzenden „dramatischen Höhe- oder Leuchtpunkte eines Gegenstandes“ mit „instinktsicherer Tatkraft“. Guys bevorzugte die Federzeichnung, die er durch Sepiatusche und Aquarell zum Leuchten brachte. Aufgrund seiner besonderen Dynamik beschreibt Baudelaire Guys´ Zeichenstil als „ein Feuer, einen Rausch des Stiftes und des Pinsels, dass es fast wirkt wie Wut.“

Christian d´Orgeix 

In den irritierenden Kompositionen von Christian d‘Orgeix verschieben sich figürliche und abstrakte Elemente in vexierbildhafter Ambivalenz irritierend gegeneinander. Die eigenwillige Formensprache des ehemaligen Assistenten von Hans Bellmer gründet auf auf dem kreativen Kontrollverlust des surrealistischen Automatismus. D’Orgeix, der von Konrad Klapheck als wichtiger früher Einfluss bezeichnet wurde, experimentiert mit diversen Techniken, um Einbrüche der Irrationalität in die Realität zu erkunden. Dabei nutzt er Zufallsphänomene für bildgebende Effekte, etwa Flecken oder Farbkleckse. Seine veränderlichen Bildräume voller Kippmomente konfrontieren die Wahrnehmung mit ihrer eigenen Unzuverlässigkeit.

Georg Herold

Eine Pose, eine Haltung,
ein versteiftes Liniengerüst.
 
Ein Bild von einem Mann –
blitzartig, der Eindruck!
 
Lässig lehnend,
elegant lungernd im feinen Zwirn.
 
Sinnierend, sehnend, die brüchige Figur,
aus dem Nichts auftauchend, verweilend
 
Irgendwo,
zwischen Wunsch und Wirklichkeit…
 
Nunc! Er ist da…
Und schon vorbei.

Bernhard Peters

Jedes scharf ins Auge gefasste Ding verliert seinen Namen. Denn der Name und das Wiedererkennen sind Umstände für die Eliminierung der Sache selbst.“
(Paul Valéry, Cahiers)

Bildnachweis: BERNHARD PETERS, Moskitonetz, 1985/2025, Pigmentdruck auf Fotopapier, 84 × 58,5 cm


Parrotta Contemporary Art
Brüsseler Str. 21
50674 Köln

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