Helga Paris. Häuser und Gesichter. Halle 1983–85
12. Juni bis 20. September 2026
Kunstmuseum Moritzburg Halle
Mittlerweile legendär und ein Fotoklassiker ist die Diva in Grau – der Bildband mit einer Auswahl aus Helga Paris’ ikonischer Fotoserie Häuser und Gesichter. Halle 1983–85. Nun sind erstmals seit 20 Jahre wieder alle 101 Fotografien zu sehen und erscheint in einem hochwertig ausgestatteten Katalog die ganze Geschichte über das Verbot der Ausstellung vor 40 Jahren – im Juni 1986.
Die Ausstellung ist nach der Eröffnung der Präsentation Konstanze Göbel. Halle im Umbruch. 1987–1989 im Literaturhaus Halle der zweite Teil des Halleschen Foto-Sommers 2026.
Der Fotograf Arno Fischer (1927–2011) regte Anfang der 1980er Jahre an, die DDR in der sozialdokumentarischen Tradition der US-amerikanischen Fotografie der 1930er Jahre zu fotografieren. „Ich nehme Halle“ – war die spontane Reaktion von Helga Paris, deren Tochter Jenny Paris in der Stadt eine Ausbildung machte.
Die Fabriken des größten Industriestandorts der DDR hatten einen diesiggrauen Schleier über die Stadt gelegt, viele Altbauten waren in einem desaströsen Zustand. In Paris’ Bildern verschmelzen atmosphärische Architekturfotos mit charakterstarken Porträts zu einer poetisch-dokumentarischen Darstellung der Stadt.
1986 sollten die Bilder erstmalig in der vom Verband Bildender Künstler der DDR geführten Galerie Marktschlößchen in Halle (Saale) gezeigt werden, doch es kam zum Eklat. Zu deutlich zeigten sie den Verfall der Innenstadt und stellten damit, von der Fotografin unbeabsichtigt, aus Sicht der Kulturpolitikerinnen die städtische Planungspolitik infrage – ein heikles Thema. Die Ausstellung wurde politisch unterbunden, der Katalog eingezogen. 1987 beauftragte der Rat des Bezirkes Halle die Fotografin Konstanze Göbel ( 1950) mit einem Gegenprojekt, das die Umbruchsituation und die Neubauten zeigen sollte. Göbels Bilder jedoch lassen sich eher im Sinne von Helga Paris lesen, denn als Gegenmanifest.
Im Mai 1989 kaufte das hallesche Kunstmuseum die Fotografien von Helga Paris, doch erst 1990 konnten sie endlich ausgestellt werden.
Heute zählt Paris’ Halle-Zyklus nicht zuletzt durch das Buch Diva in Grau zu den Schätzen der Fotogeschichte. Die Ausstellung präsentiert die
Originalabzüge und beleuchtet die bewegte Geschichte der Serie umfassend mit Archivmaterial. Im Abgleich mit der heutigen Realität der Stadt zeigt sich die Transformation des Stadtbildes zur „Diva in Grün“.
Kuratiert von Dr. Jule Schaffer
Zur Ausstellung erscheint im Mitteldeutschen Verlag ein Katalog, der Helga Paris als eine der bedeutendsten ostdeutschen Fotografinnen vorstellt, die Geschichte hinter den Bildern erzählt und Zeitzeug*innen zu Wort kommen lässt.
Helga Paris. Häuser und Gesichter. Halle 1983–85 Die Geschichte eines Fotoklassikers
27 x 30 cm, Leineneinband, 208 Seiten, 101 Abb., ISBN 978-3-96502-042-9 | 48 Euro (im Museum), 58 Euro (im Buchhandel)
Helga Paris
1938 als Helga Steffens in Gollnow (heute Goleniów, Polen) geboren
1945–1956 Jugend in Zossen bei Berlin, 1956 Abitur
1956–1960 Studium an der Ingenieurschule für Bekleidung, Berlin, Fachrichtung Modegestaltung; studienbegleitendes Praktikum in der Bekleidungsfabrik VEB Fortschritt Treff-Modelle1975 Umzug nach Mücheln (Geiseltal)
1961 Heirat mit dem Maler Ronald Paris, 1975 Scheidung
1962 Geburt des Sohnes Robert
1964 Geburt der Tochter Jenny
1967 Beginn der fotografischen Arbeit als Autodidaktin
1972 Aufnahme als Mitglied im Verband Bildender Künstler der DDR
1983–85 die Halle-Bilder entstehen
1987/88 Reisen nach Kanada und in die USA
seit 1996 Mitglied der Akademie der Künste, Berlin
1999–2009 Lehrauftrag an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin
2011 Ende der fotografischen Tätigkeit
2019 Schenkung des gesamten Negativarchivs an die Akademie der Künste, Berlin
2024 im Februar im Alter von 85 Jahren in Berlin gestorben
Den fotografischen Nachlass betreut ihre Tochter Jenny Paris im Helga Paris Archiv: www.helga-paris.de
Bildnachweis: Helga Paris: aus der Serie: Häuser und Gesichter. Halle 1983–85, Silbergelatine/Vintage Print, Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Repro: Kulturstiftung Sachsen-Anhalt © Nachlass/Estate Helga Paris
Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale)
Katrin Greiner-Richter
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