8 PROJEKTE VON DER LANDSCHAFT ZUM INTERIEUR
28. März bis 27. April 2025
Projektbüro DFI e.V.
Eine Ausstellung in Zusammenarbeit zwischen dem DFI e. V, Düsseldorf, Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln, und Imagebeeld Edition, Brüssel
Mit Portfolio-Arbeiten von Laurenz Berges (D), Peter Downsbrough (B), Gerry Johansson (S), Francesco Neri (I), Mark Ruwedel (GB), Jem Southam(GB), John Spinks (GB) und einer Kassette mit Werken von Photograph*innen aus Italien.
Gefördert vom Kulturamt der Landeshauptstadt Düsseldorf
Ort der Ausstellung:
Projektbüro DFI e.V., Eiskellerberg 1, Düsseldorf
Eröffnung am Donnerstag, 27.3.2025 um 19.00 Uhr
in Anwesenheit verschiedener Künstler*innen sowie dem Kurator Jean-Paul Deridder und Gabriele Conrath-Scholl, Leiterin der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur.
Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur präsentiert in Kooperation mit dem DFI e. V. und Imagebeeld Edition die Ausstellung „8 Projekte – Von der Landschaft zum Interieur“. Die Ausstellung zeigt acht Portfolios, die der renommierte Brüsseler Kurator und Editor Jean-Paul Deridder in enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern erarbeitet hat.
Seit 2022 gibt Jean-Paul Deridder unter Imagebeeld Edition kontinuierlich Portfolios internationaler Künstler*innen heraus. Diese verfolgen eine sachliche und dokumentarische Photographie mit analytischem Zugang zum Medium. Die Arbeiten entstehen meist analog mit Großbildkameras (8×10 inch) und befassen sich mit oft übersehenen, doch bedeutungsvollen Themen. Aus den Aktivitäten der Beteiligten hat sich ein Netzwerk entwickelt, das fortlaufend neue Projekte inspiriert.
Die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur fühlt sich dem Programm von Imagebeeld Edition verbunden und hat einige der beteiligten Künstler*innen bereits früher ausgestellt, darunter Laurenz Berges, Alessandra Dragoni, Marcello Galvani, Guido Guidi, Francesco Neri und Jem Southam.
Mit der aktuellen Ausstellung rückt also ein durch das Selbstverständnis der Künstler*innen und Kurator*innen gewachsenes, internationales Engagement für eine spezifische Ausrichtung der Photographie in den Vordergrund, das in dieser Form erstmals vorgestellt wird. Die in dieser Präsentation vertretenen Arbeiten befassen sich mit unterschiedlichen Aspekten der Landschaftsbetrachtung und des Interieurs. Sie konzentrieren sich auf scheinbar alltägliche, aber bedeutungsvolle Motive und entwickeln dabei ein besonderes Gespür für zeitbedingte Entdeckungen. So zahlreich und verschieden die Bildautor*innen sind, so unterschiedlich sind ihre Blicke in die von ihnen ausgewählten und einer Nahbetrachtung unterzogenen Landschaftsfelder und Motivkreise. Kennzeichnend ist ihre zurückhaltende und präzise Notierung des Betrachteten und ihre Vorliebe für vermeintlich profane und zeitbedingte Entdeckungen, die sie im Bild zu nobilitieren wissen.
Generelles Ziel ist, die Bildreihen einem kunst- und photographiebegeisterten Publikum vorzustellen. Jedes Portfolio ist handgebunden und individuell gestaltet, oft von einer Buchpublikation begleitet. Darüber hinaus können sie als künstlerische Einheiten und als Ausstellungssets betrachtet werden. Thematisch geht es bei allen vorgestellten Projekten um photographische Arealerkundungen.
Die präsentierten monographischen Portfolios sind von:
• Laurenz Berges (Düsseldorf), präsentiert sieben Motive aus seiner Bildreihe „Am Mühlenkamp“
• Peter Downsbrough (Brüssel) ist einbezogen mit der zweiten Auflage seines erste, Photographien beinhaltenden Buchs Two Pipes, Fourteen Locations und drei Bildern aus „Longvilliers“
• Gerry Johansson (Strandbaden, Schweden) und seine Bildreihe „Coast to Coast“
• Francesco Neri (Faenza, Italien) und seine Bildreihe „Wooden Tool Shed“
• Mark Ruwedel (Long Beach, USA) mit der Bildreihe „Burnt“
• Jem Southam (Exeter, Großbritannien) mit der Bildreihe „The Pond at Upton Pyne“
• John Spinks (London) mit zwei Bildreihen aus seinem Buch „Harrowdown Hill“
• Außerdem wird eine gemischte Kassette unter dem Titel „Otto volte due“ präsentiert, mit Werken der italienischen PhotographInnen Nicola Baldazzi, Alessandra Dragoni, Cesare Fabbri, Marcello Galvani, Francesca Gardini, Guido Guidi, Franceso Neri und Luca Nostri.
Am Samstag, 29. März wird folgendes Begleitprogramm angeboten:
15.00-15.20 Uhr: Interview mit Francesco Neri (geführt von Gabriele Conrath-Scholl)
15.20-15.40 Uhr: Interview mit Gerry Johansson (geführt von Jean-Paul Deridder)
15.40-16.00 Uhr: Interview mit Laurenz Berges (geführt von Gabriele Conrath-Scholl)
18.00-19.00 Uhr: Talk zwischen Jem Southam & John Spinks mit PowerPoint-Präsentation
Weitere Infos zu den teilnehmenden Künstler*innen:
Laurenz Berges (Düsseldorf): In seinen Photographien konzentriert er sich vielfach auf Orte, die lange verlassen und teils auch verfallen sind. Allein die hinterlassenen Spuren der Menschen, verweisen auf ihre Einrichtungen, ihre Tätigkeiten und auf vergangene Momente ihres Alltags. Interpretiert man Landschaft als einen sich weit erstreckenden Raum, in dem sich Leben abbildet, so integrieren sich auch Interieurs unter dem Begriff des Landschaftlichen. In seinem Portfolio „Am Mühlenkamp“ zeigt Berges sieben Motive aus seiner 2004/05 entstandenen Bildreihe, die im früheren Atelier des Künstlerpaars Bernd und Hilla Becher längere Zeit nach deren Umzug aufgenommen wurde. Das Portfolio wird in der aktuellen Ausstellung zum ersten Mal gezeigt.
Peter Downsbrough (Brüssel): Die konzeptuelle Arbeit „Longvilliers“, vorgestellt in drei Photographien, einem Buch – und für die aktuelle Ausstellung im Raum installierte Two Pipes –, dokumentiert einen künstlerischen Eingriff Downsboughs in einem eintönigen Landstrich. Zwei lange Rohre, vergleichbar mit Wasserrohren aus dem Baumarkt, stellte der Künstler am 6. April 1974 entlang der französischen Departementstraße D27 von Longvilliers in Richtung Rochefort-en-Yveslines in der Region Île-de-France auf. Die Rohre wandeln sich dabei zu temporären, unscheinbaren Skulpturen, die im gewohnten Landschaftsbild eine denkwürdige Störung herbeiführen. Allein die Photographien verleihen der vergänglichen Skulptur Dauer und Dokumentation.
Gerry Johansson (Strandbaden, Schweden): Seine Schwarz-Weiß-Photographien zeichnen sich durch eine starke graphische Klarheit aus. Durchgehend sind es visuelle Erforschungen von eher unspektakulär bewerteten Regionen. Das Portfolio „Coast to Coast“ beinhaltet 10 Gelatinesilber-Kontaktabzüge, die er 1983 mit einer erstmals von ihm genutzten Großbildkamera im Format 8 x 10 inch (20 x 25 cm) erarbeitete. Motivisch breit gefächert widmete er sich lapidaren Kücheneinrichtungen ebenso wie der Weite der amerikanischen Landschaft mit typischen wie auch kuriosen Konstellationen.
Francesco Neri (Faenza, Italien): Die photographischen Bildreihen Neris widmen sich seiner norditalienischen Heimatregion. Von ihnen geht bei aller dokumentarischen Qualität eine besonders glaubwürdige und authentische Wirkung aus. Das aktuell präsentierte Portfolio „Wooden Tool Shed“ zeigt ein Beispiel seiner Serie von Schuppen, die er mit seiner Großbildkamera auf dem Land aufgenommen hat, und die durch ihre improvisierte, sparsame Bauweise ihren Reiz und rustikale Ästhetik erhalten. Nicht zuletzt und typisch für seine Arbeit kommt immer wieder das Genre des Porträts ins Spiel. Gelegentlich werden auch die Besitzer der kleinen Bauten abgelichtet.
Mark Ruwedel (Long Beach, USA): Das Landschaftsbild steht bei Ruwedel an oberster Stelle. Sachlich, pur, enorm detailreich sind seine Photographien, die er in menschenleeren Gebieten aufgenommen hat. Amerikanische Wüsten, Landschaften, die von Menschen genutzt und missbraucht wurden, in denen Atomtests durchgeführt oder, harmloser vielleicht, von Verkehrswegen durchkreuzt werden. Die Landschaft ist als Naturlandschaft nicht mehr zu denken, sie ist nicht nur kultiviert, sondern auch bedroht. Verheerende Brände in Kalifornien sind bereits seit Jahrzehnten gefürchtet. Die von Ruwedel photographierten Ruinen verbrannter Bäume sind Mahnmale einer gefährdeten Welt.
Jem Southam (Exeter, Großbritannien): Die Bildreihe „The Pond at Upton Pyne” wird in der aktuellen Ausstellung in einem Ausschnitt von sechs Farbphotographien in Form von analogen Kontaktabzügen gezeigt, die auf Negativmaterial von 8 x 10 inch (20 x 25 cm) basieren. Es ist eine exemplarische Arbeit, die Aufschluss über Southams spezifische Art der Landschaftsbetrachtung gibt. Ganz und gar widmet er sich den Zeichen der Zivilisation, den grundlegenden Gegebenheiten und den zeitbedingten Veränderungen. Der Teich, der aufgrund einer im 18. Jahrhundert dort betriebenen Manganmine, entstand, erfuhr in den Jahren 1996 bis 2002 eine Umgestaltung. Mehrere Bewohner der Region hatten diese bewirkt. Southam folgte ihren Spuren und Visionen ebenso wie den Einwirkungen der Natur und ihren Jahreszeiten.
John Spinks (London): Das Portfolio bietet einen Einblick in Spinks Projekt “Harrowdown Hill”, eine visuelle Erforschung eines Waldstücks, das in der Grafschaft Oxfordshire, 100 Kilometer entfernt von London liegt. Ein Jahr lang hat Spinks das Gebiet mit der Großbildkamera durchforstet und menschenleere Landschaftsbilder geschaffen, deren Atmosphäre vor allem von Wettereinflüssen und Jahreszeiten geprägt ist. Die vorbehaltlose Betrachtung der Photos erhält allerdings einen Bruch, sobald man erfährt, dass in diesem Wald 2003 die Leiche des Wissenschaftlers David Kelly gefunden wurde. Der Experte für biologische Kriegsführung und UN-Inspektor hatte der britischen Regierung vorgeworfen, sie habe Daten gefälscht, um die Invasion im Irak zu rechtfertigen, was zum 2. Golfkrieg führte. Die Todesursache blieb ungeklärt.
„Otto volte due“, eine Kassette mit jeweils zwei Photographien von acht PhotographInnen, so von Nicola Baldazzi, Alessandra Dragoni, Cesare Fabbri, Marcello Galvani, Francesca Gardini, Guido Guidi, Franceso Neri und Luca Nostri. Alle der Mitwirkenden stammen aus der italienischen Romagna, sind weitgehend
miteinander vernetzt und verfolgen eine verwandte Fragestellung und Ästhetik. Immer wieder geht es ihnen in ihren Photographien um Vergleichbarkeit, um minimale Veränderungen, um eine abgestimmte Farbigkeit. Bildfaktoren, die sie mittels Motiven ausloten, die im Alltag, auf den Straßen und auf dem Land gefunden werden. Der bekannte Photograph Guido Guidi kann als Schlüsselfigur angesehen werden, der für die anderen sieben Künstler eine große Inspirationsquelle ist. Seine beiden Bilder können prototypisch als Vorlagen für eine Wahrnehmungsstudie angesehen werden. Es erscheint derselbe Ort, dasselbe Licht, der Unterschied ist: rechts mit und links ohne Person. Wie lese ich Bilder? Welche Faktoren verändern Wirkung, Bedeutung und Interpretation? Dies scheinen grundlegende Fragestellungen aller Werke in dieser Kassette zu sein.
Bildnachweis: Jem Southam: The Pond at Upton Pyne, March 2000 Chromogenic contact print / 24,3 x 19,2 cm From the portfolio “The Pond at Upton Pyne”, March 2000 © Jem Southam
Projektbüro DFI e.V.
Eiskellerberg 1
40213 Düsseldorf