HMKV blickt dem Beuys-Jahr 2021 mit einem SUV-Musical und mit Technoschamanismus entgegen

Wie geht es weiter und wo geht die Reise hin? Diese Frage stellt sich zu diesem Jahres-wechsel mit besonderer Dringlichkeit. Dass gerade Medienkunst die Frage adressiert, wie wir unsere Zukunft gestalten können und welche Rolle technologische Entwicklungen dabei spielen, das zeigen die Ausstellungen im HMKV auch im Jahr 2021.

Gleich die erste Eröffnung des Jahres lädt am 14. Mai 2021 zu einer Ausstellung ein, die ein kritisches Portrait unserer durch Technologie beschleunigten, globalisierten Welt zeichnet: Unter dem Titel The Pow(d)er of I Am Klick Klick Klick Klick and a very very bad bad musical! präsentiert das Künstlerduo Stefan Panhans und Andrea Winkler vier raum-greifende Videoinstallationen und zahlreiche skulpturale Arbeiten. Ob sich die Arbeiten mit Elektro-SUVs, der Kommunikation mit Künstlichen Intelligenzen, Alltagsrassismus, Celebrity-Kult oder dem prekären Status von Kulturarbeiter*innen auseinandersetzen – die Ausstellung zeigt Kernthemen des HMKV, die in dieser Dichte selten in einer Einzelausstellung zu sehen waren. Andrea Winkler stammt aus Zürich, Stefan Panhans wurde in Hattingen (Ruhr) geboren und beide leben und arbeiten heute in Hamburg und Berlin.

Ein weiterer Höhepunkt des Ausstellungsjahres 2021 im HMKV ist die Ausstellung Technoschamanismus (Eröffnung 8. Oktober 2021), die im Rahmen des landesweiten Programms beuys 2021. 100 jahre joseph beuys stattfindet. Die internationale Gruppen-ausstellung im HMKV nimmt Beuys‘ Selbststilisierung als ‚Schamane‘ zum Ausgangspunkt, um aktuellen künstlerischen Positionen Raum zu geben, die sich mit Schamanismus im Sinne einer spekulativen Technologie und ihren Möglichkeiten für eine Verwandlung der Gesellschaft beschäftigen: „Das verstärkte Interesse einer jüngeren Künstler*innen-generation an Esoterik, Schamanismus, Hexen und Tropen der Heilung kann man als anti-aufklärerisch abtun. Ich frage mich aber: Woher kommt dieses Interesse – und wieso passiert das gerade jetzt? Ich denke, dass es mit einem prinzipiellen Unbehagen an unserer durchtechnisierten Gesellschaft und dem nach wie vor ungebremsten kapitalistischen Raubbau an der Natur zusammenhängt. Gegen die eigene Machtlosigkeit bedient man sich der Figur des Schamanen,“ so Kuratorin und HMKV-Direktorin Dr. Inke Arns. Im Sommer-semester 2021 bietet Dr. Inke Arns darüber hinaus im Rahmen einer Gastprofessur an der Kunstakademie Münster ein Seminar zu diesem Thema an.

Aktuell ist der HMKV bis vorerst zum 11. Januar 2021 geschlossen. Dennoch beginnt das Jahr 2021 mit einer guten Nachricht: Die im Oktober 2020 erfolgreich eröffnete aktuelle Ausstellung Faţadă/Fassade wurde bis zum 11. April 2021 verlängert. Besucher*innen haben im neuen Jahr damit drei Wochen mehr Zeit, die große Ausstellung zur Roma-Baukultur zu besuchen. Während der temporären Schließung und darüber hinaus bietet der HMKV verschiedene digitale Angebote an, um das Thema der Ausstellung zu vertiefen: Unter anderem wird die Autorin Olga Felker Anfang 2021 in einer zweiten Staffel des Podcasts „Wie sich Rom*nja Wohnraum zurück erobern“ Gespräche mit Kooperations-partnern des Projekts führen und die sozialen und politischen Kontexte der Roma-Baukultur sowie die Geschichte der anhaltenden rassistischen Diskriminierung von Rom*nja in Europa beleuchten. Die erste Staffel mit vier Folgen ist bereits online und auf der Website des HMKV zugänglich.

Fortgeführt wird 2021 zudem das 2020 begonnene Forschungsprojekt Training the Archive, welches in Kooperation mit dem Ludwig Forum Aachen mögliche Anwendungen von KI (Künstliche Intelligenz) in der kuratorischen Praxis untersucht. Dabei soll erprobt werden, inwieweit einer KI der Rechercheprozess eines/einer Kurators*in antrainiert werden kann. So können mit Hilfe von maschinellem Lernen Muster, Zusammenhänge sowie Assoziationen zwischen Kunstwerken offenbar werden, die für den Menschen in dieser Form nicht (mehr) ersichtlich sind. Auch Problematiken der automatisierten Mustererkennung, wie z.B. algorithmische Vorurteile, sollen dabei untersucht werden. Das Projekt wird seit Herbst 2020 durch den Künstler Francis Hunger (Leipzig) wissenschaftlich unterstützt. Erste Zwischen-ergebnisse werden ab 2021 in Form eines Blogs sowie in Fachpublikationen veröffentlicht.

Das Jahr 2020 beschließt der HMKV mit einer guten Nachricht für die mittelfristige Zukunft: Das Ruhrgebiet ist zum Austragungsort der Europäischen Nomadischen Biennale Manifesta im Jahr 2026 gewählt worden. Initiiert wurde die Bewerbung durch einen Kreis von namhaften Kulturschaffenden aus der Region, dem auch die Direktorin des HMKV Dr. Inke Arns angehört.

 

Das HMKV Jahresprogramm 2021

24. Oktober 2020 – 11. April 2021 (verlängert)
Faţadă/Fassade – Ausstellung, Werkstatt, Diskursort
HMKV Hartware MedienKunstVerein im Dortmunder U, Ebene 3
Derzeit bis zunächst einschließlich 11. Januar 2020 geschlossen! Wir informieren zeitnah über eine mögliche Wiedereröffnung unter www.hmkv.de.

Aufbauend auf dem gleichnamigen kollaborativen Kunstprojekt der Werkstatt Mallinckrodt-straße zur Roma-Baukultur und der im September 2019 realisierten Neugestaltung einer Hausfassade in der Dortmunder Nordstadt richtet die Ausstellung Faţadă/Fassade den Fokus auf eine besondere Form von Architektur, die in den letzten 30 Jahren u.a. in Rumänien entstanden ist. Diese zeichnet sich durch expressive Fassaden aus, in denen sich viele verschiedene Gestaltungsformen wiederfinden. Neben zahlreichen Hausmodellen, die im Rahmen des Projektes entstanden sind und die in der Ausstellung präsentiert werden, wurde auch eine Neugestaltung des Eingangsbereichs des HMKV von Mitgliedern der Werkstatt Mallinckrodtstraße realisiert. Digitale Vermittlungs- und Diskursformate ermöglichen Vertiefung und Diskussion der vielen unterschiedlichen Aspekte des Projekts. Im Januar erscheint das Ausstellungsmagazin im Verlag Kettler (136 S., zahlreiche Abbildungen, deutsch/rumänisch/englisch, 10,00 € / 18,00 €).

Ein Projekt von HMKV Hartware MedienKunstVerein, Interkultur Ruhr und Werkstatt Mallinckrodtstraße
Partner des Projekts: Djelem Djelem – Dortmunder Festival für Roma-Kulturen
Gefördert durch: Stadt Dortmund, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Fonds Soziokultur, Kunststiftung NRW
Das digitale Vermittlungs- und Diskursprogramm wird gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung.
Interkultur Ruhr ist ein Projekt des Regionalverbands Ruhr.

 

15. Mai – 05. September 2021 (Eröffnung: Freitag, 14. Mai 2021)
Stefan Panhans / Andrea Winkler
The Pow(d)er of I Am Klick Klick Klick Klick and a very very bad bad musical!
HMKV Hartware MedienKunstVerein im Dortmunder U, Ebene 3

Der Titel der Ausstellung des Künstlerduos Stefan Panhans (DE) und Andrea Winkler (CH) nimmt Bezug auf die Rhetorik US-amerikanischer evangelikal-protestantischer Mega-Churches, in denen – als christliche Lebenshilfe getarnt – eine marktkonforme, neoliberale Ideologie individueller Selbstoptimierung gepredigt wird. Die Künstler*innen zeichnen in ihren Arbeiten ein beeindruckendes, aber durchaus kritisches Portrait einer durch Technologie beschleunigten, globalisierten Welt: Es geht um SUVs, Kommunikation mit Künstlichen Intelligenzen, Alltagsrassismus, Celebrity-Kult und Rollenklischees, das ‚Uncanny Valley‘ und weitere postdigitale Feedbackschlaufen zwischen Menschen und virtuellen Welten, und nicht zuletzt um den prekären Status von Kulturarbeiter*innen.

In der Ausstellung werden vier große Videoinstallationen und verschiedene skulpturale Arbeiten zu sehen sein. Bei den großformatigen Videoinstallationen handelt es sich um die drei Neuproduktionen Border Control (2021, in Produktion), Defender (2021, in Produktion) und If You Tell Me When Your Birthday Is (2020) sowie HOSTEL (2018) und Freeroam À Rebours, Mod#I.1 (2016).

Gefördert durch: Stadt Dortmund, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, VISIT-Stipendium der E.ON Stiftung, u.a.
9. Oktober 2021 – 06. März 2022 (Eröffnung: Freitag, 08. Oktober 2021)
Technoschamanismus
– im Rahmen von „beuys 2021. 100 jahre joseph beuys“ des Landes NRW –
HMKV Hartware MedienKunstVerein im Dortmunder U, Ebene 3

Ausgehend von der Figur des Schamanen, die Joseph Beuys Zeit seines Lebens kultivierte, widmet sich die Ausstellung aktuellen ‚technoschamanistischen‘ künstlerischen Positionen. Diese verstehen Schamanismus nicht nur selbst als Technologie, sondern suchen nach schamanischen Kräften mittels des Einsatzes von (spekulativer) Technologie. Zahlreiche der von Beuys so ikonisch eingesetzten Tropen zur Heilung und Verwandlung der Gesellschaft, zur Kultivierung eines spirituellen Zugangs zur Umwelt, zur Überwindung der Macht wie der Logik des Kapitals werden von zeitgenössischen Künstler*innen eingesetzt, welche auf diese Weise Beuys‘ Strategien und Fragestellungen für das digitale Zeitalter aktualisieren. Die Ausstellung „Technoschamanismus“ findet im Rahmen des Jubiläumsprogramms „beuys 2021. 100 jahre joseph beuys“ des Landes Nordrhein-Westfalen statt.

Gefördert durch: Stadt Dortmund, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, NEUSTART KULTUR, u.a.

 

Ganzjährig 2021
Training the Archive
– Forschungsprojekt zu KI in Kooperation mit dem Ludwig Forum Aachen –

Kaum ein Aspekt der Digitalisierung ist heute so brisant wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), der soziokulturelle und -politische Strukturen bis in unsere Alltagswelt hinein maßgeblich verändern könnte. Eine Gruppe aus Wissenschaftler*innen des Ludwig Forum Aachen im Verbund mit dem Hartware MedienKunstVerein (HMKV) in Dortmund möchte die Entwicklungen zur KI begleiten, kritisch hinterfragen und die Technologie im Hinblick auf eine mögliche Anwendung in der Museums- und Ausstellungspraxis untersuchen. Zu diesem Zweck startete Anfang 2020 mit „Training the Archive“ ein neues wissenschaftliches Forschungsprojekt. In den kommenden vier Jahren (2020–2023) werden hier Möglichkeiten und Risiken von KI in Bezug auf die automatisierte Strukturierung von Daten zur Unter-stützung der kuratorischen Praxis und der künstlerischen Produktion ausgelotet.

Gefördert im „Fonds Digital – Für den digitalen Wandel von Kulturinstitutionen“ im Programm „Kultur Digital“ der Kulturstiftung des Bundes

 

Januar – Dezember 2021
HMKV Video des Monats

In der Serie HMKV Video des Monats stellt der HMKV im monatlichen Wechsel aktuelle Videoarbeiten internationaler Künstler*innen vor – ausgewählt von Inke Arns. Online zu sehen auf der Webseite des HMKV unter hmkv.de sowie vor Ort im HMKV Hartware MedienKunstVerein im Dortmunder U, Ebene 3

 

Januar 2021
Marc Lee, Corona TV Bot, live generierte TV Show, 2020, 24/7

Februar 2021
YOUNG-HAE CHANG HEAVY INDUSTRIES, MISS DMZ, Video, 11:05 Min.

März 2021
Martin Brand, CAUSALITY AND MEANING, UHD-Video, Color, Stereo, 2020, 9:17 Min.

Die Videos für April – Dezember 2021 werden zeitnah bekannt gegeben.

 

Online-Angebote des HMKV

Digitale Angebote, Podcasts, Videos & Ausstellungstrailer aus aktuellen & vergangenen Ausstellungen finden sich unter:
HMKV-Webseite: www.hmkv.de
Vimeo: vimeo.com/hmkv
Youtube: www.youtube.com/user/TheHMKV
Soundcloud: soundcloud.com/hmkv

Eindrücke aus der aktuellen Ausstellung und Hinweise auf verwandte Themen sowie weitere Aktivitäten von Künstler*innen, die in HMKV-Ausstellungen vertreten waren:
Facebook: www.facebook.com/
Instagram: www.instagram.com/hmkv_de/
Twitter: twitter.com/hmkv_de

 

Allgemeine Besuchsinformationen

Öffnungszeiten
Di-Mi 11:00 – 18:00 Uhr
Do-Fr 11:00 – 20:00 Uhr
Sa-So & feiertags 11:00 – 18:00 Uhr
Mo geschlossen

Eintritt frei
Spenden für den Hartware MedienKunstVerein e.V. sind herzlich willkommen!

Aktuell ist der HMKV bis voraussichtlich zum 11. Januar 2021 geschlossen. Über den Zeitpunkt einer Wiedereröffnung informiert der HMKV zeitnah unter www.hmkv.de.

 

Der HMKV wird von der Stadt Dortmund / Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität sowie vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW institutionell gefördert.
Der HMKV ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine (ADKV).

Auszeichnungen: Die HMKV-Ausstellung „games. Computerspiele von Künstlerinnen“ wurde von der deutschen Sektion der AICA (Internationaler Kunstkritikerverband) als „Besondere Ausstellung“ 2003 ausgezeichnet und erhielt den Innovationspreis des Fonds Soziokultur 2004. 2011 wurde der HMKV mit dem JUMP Jahresförderpreis für Kunstvereine der Kunststiftung NRW ausgezeichnet. Die HMKV-Ausstellung „Sounds Like Silence“ wurde von der deutschen Sektion der AICA (Internationaler Kunstkritikerverband) als „Besondere Ausstellung 2012“ ausgezeichnet. 2017 erhielt der HMKV den ADKV-ART COLOGNE Preis für Kunstvereine, nachdem er in diesem Jahr zum sechsten Mal für diesen Preis nominiert worden war (nach 2007, 2008, 2011, 2013 und 2014). 2013 hatte er eine lobende Anerkennung im Rahmen dieses Preises erhalten. Inke Arns, Igor Chubarov und Sylvia Sasse erhielten den Justus Bier Preis für Kuratoren und Kuratorinnen 2018 für die Ausstellung und die Publikation Sturm auf den Winterpalast – Forensik eines Bildes (HMKV 2017/2018).

Außerdem ist auch in 2021 das Büro medienwerk.nrw am HMKV angesiedelt. Es wird über einen Dienstleistungsvertrag mit dem Land NRW finanziert.

Bild: Ausstellungsansicht „Faţadă/Fassade“, HMKV im Dortmunder U, 24. Oktober 2020 – 21. März 2021, Foto: Christian Huhn

 

Hartware MedienKunstVerein e.V.
Hoher Wall 15
44137 Dortmund
presse@hmkv.de
T +49 231 13 73 215 – 5 / direct line – 6

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