01. Mai – 15. August 2021
(KIT) Kunst im Tunnel Düsseldorf


Im Frühjahr 2021 lädt KIT – Kunst im Tunnel die Künstlerin Silke Schönfeld (1988) zu einer Einzelausstellung ein. Silke Schönfelds filmische Inszenierungen sind politische Reflexionen, die häufig in unerwarteten räumlichen und zeitlichen Bezügen stattfinden. Sie stellt sich Fragen nach der Entstehung von Stereotypen und Vorurteilen, sowie der daraus resultierenden Verantwortung des Einzelnen, ohne dabei eine moralische Wirkung auf die Betrachterinnen auszuüben. Stattdessen setzt sie auf Doppeldeutigkeiten, forscht der Authentizität von bewegten Bildern nach und rückt die Zuschauer*innen in den diffusen Bereich zwischen Schauspiel und Dokumentation. Für KIT plant Schönfeld großformatige Installationen, die ein immersives Eintauchen in die filmischen Räume ermöglichen.

Der Titel der Ausstellung entstammt einer Eröffnungsrede von Hildebrand Gurlitt, damals Direktor des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen, die unter anderem 2017 als Grundlage für eine gleichnamige Arbeit diente. In ihr sagt Gurlitt:

„Große Kunst will immer das Unerreichbare, das Unmögliche, sie muss deshalb jedem nur prak-tisch Denkendem sinnlos, fast anstößig erscheinen; aber gerade dieses ‚Über alles vernünftige Maß hinaus‘ gibt der Kunst erst die Würde.”

Bei der Titelfindung zu ihrer Einzelausstellung im KIT dachte Schönfeld an diesen Titel zurück: Er klingt offen und assoziativ, lässt aber gleichzeitig behördensprachliche Untertöne mitklingen. Direkt entsteht die Frage nach der Person, die da über das vernünftige Maß hinaus geht oder gehen will: Die Künstlerin selbst mit ihrem Eindringen in das Geschehen? Die Protagonist*innen vor der Kame-ra? Oder gar die Kamera selbst?Wenn wir den Ausstellungsraum betreten, treten wir ein in einen Ort der Kontemplation, der Reflexion. Als solche ist uns der Stellenwert von Museen und Ausstellungshäusern gerade in den letzten Monaten immer bewusster geworden. Direkt zu Anfang der Ausstellung werden wir mit den Erlebnissen des vergangenen Jahres konfrontiert. In der Verjüngung des KIT laden Sitzkissen aus braunem Kunstleder zum Sich-Hinräkeln ein. Der Blick richtet sich auf die Leinwand: Die Arbeit Rhetorics of the Unknown beschwört die Atmosphäre der Selbstisolation herauf: Die eigenen Sinne werden durch die unsichtbare Bedrohung der Pandemie geschärft, ebenso wie die Bedeutung der eigenen Wohnung, die vor dem Hintergrund der Covid-19 Pandemie eine ganz neue Sicherheit entwickelt. Die Arbeit entstand im vergangenen Frühjahr, als vieles noch neu war, was mittlerweile vertraut und altbewährt wirkt: Der Mikrokosmos der eigenen vier Wände wurde zum Lebensmittelpunkt, in dem besonders das Medium des Videos eine erhebliche Rolle spielte: Der Bildschirm als letztes noch verbliebenes Fenster zur Welt? Diese Metapher führt uns zurück zum ursprünglichen „Schwellenort (…) an der Schnittstelle von drinnen und draußen“:3Dem Fenster, welches in der Kunstgeschichte immer und immer wieder zum Bildmotiv wurde.

In Schönfelds Arbeit wird uns dann sogar diese Aussicht aus dem eigenen Fenster verwehrt: Durch Milchglas oder Plastikfolien erhaschen wir immer nur einen ausschnitthaften Blick, der etwa durch einen Riss in der Folie in die Außenwelt gelingt. Alles andere bleibt uns verborgen.

Bildnachweis: KIT, Instagram Account.


Kunst im Tunnel (KIT)
Mannesmannufer 1b
D-40213 Düsseldorf
Tel.: +49(0)211 52099596
www.kunst-im-tunnel.de

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